Audi R8 Coupé

09. Oktober 2019 09:41; Akt: 09.10.2019 15:01 Print

«Diese Mafia hat mir mein Traumauto genommen»

Leser Alper Ates dachte, er habe den Deal seines Lebens gemacht. Doch in Wirklichkeit wurde er betrogen. Nun zahlt er monatlich für sein Traumauto, obwohl es längst weg ist.

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«Ich hätte nie gedacht, dass ich Betrügern auf den Leim gehe», sagt Alper Ates. Der Deutsche, der in Zürich arbeitet, erfüllte sich im Februar 2018 einen Traum und leaste sich den Sportwagen Audi R8 Coupé – direkt bei Audi. Für sein Traumauto zahlt er monatlich 2100 Euro (umgerechnet rund 2300 Franken). Um einen kleinen Zustupf zu haben und «Menschen eine Freude zu machen», inserierte er den Audi auf Ebay Kleinanzeigen.

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«Im Juli meldete sich ein Mann namens S. B.* und machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte», erzählt Ates. Der Interessent bot ihm insgesamt 180'000 Euro (rund 196'200 Franken) für 24 Monate Fahrspass. Da B. kein deutscher Staatsbürger, sondern lediglich Kurzaufenthalter sei, könne er sich hier kein Auto leasen. Der 29-Jährige willigte in die Vermietung ein und die beiden einigten sich auf eine Ratenzahlung.

Vom Mieter und vom Audi fehlt jede Spur

Vor der Übergabe habe Ates einen gründlichen Hintergrundcheck beim potenziellen Mieter vorgenommen und einen Registerauszug angefordert. 20 Minuten liegen mehrere Unterlagen vor, in denen sich Mieter S. B. als Geschäftsführer einer Berliner Hotelverwaltung bezeichnet. Ein entsprechender Handelsregisterauszug bestätigt seine Tätigkeit. Am Tag der Abholung kopierte der Audi-Fahrer auch die ID von B. und verlangte eine Anzahlung in Höhe von 5000 Euro (rund 5450 Franken). Danach übergab er ihm das Fahrzeug. Dass er einem Betrüger aufgesessen ist, realisierte er erst Wochen später.

Als die Anzahlung und die erste Rate fällig waren, wurde Ates stutzig: «Ich habe vergeblich auf mein Geld gewartet. Seither blieben die Zahlungen aus. Er hielt sich nicht an die vertraglich geregelte Überweisung.» Stattdessen musste der Deutsche für B. bezahlen: «Ich bekam insgesamt drei Blitzer-Rechnungen. Ich musste auch noch für die Geschwindigkeitsüberschreitungen von dem Typen zahlen», sagt er. Alle Kontaktversuche an den «Mieter» schlugen fehl. Von B. und dem Audi fehlt seit dem Treffen im Juli jede Spur.

50'000 Euro Finderlohn

Der Detailhandelsfachmann zahlt seit mehr als einem Jahr nun die Rate für ein Auto, das er gar nicht mehr besitzt. «Die Versicherung von Audi sagt, dass es meine eigene Schuld sei. Deshalb zahlt sie nicht.» Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt Audi, dass eine Weitervermietung untersagt sei: «In den Darlehensbedingungen steht klar, dass der Darlehensnehmer nicht befugt ist, über das Fahrzeug ohne Zustimmung der Bank zu verfügen oder dieses zu vermieten, soweit dadurch die Sicherheit beeinträchtigt wird», sagt Sprecherin Susanne Killian.

Wie es nun weitergehe und ob Ates den Audi komplett abzahlen müsse, dürfe sie aufgrund des Bankgeheimnisses nicht beantworten. Ates rechnet aber damit, dass er den Wagen vollumfänglich bezahlen muss. «Derzeit sind noch 115'000 Euro offen. Ich verblute durch das Abzahlen», so der 29-Jährige. Deshalb setzt er nun 50'000 Euro Finderlohn aus, wenn ihm jemand sein Auto zurückbringt.

Kriminelle Organisation vermutet

Mittlerweile hat Ates Anzeige gegen den vermeintlichen Interessenten eingereicht und einen Anwalt eingeschaltet. Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft Berlin, da dort der Wohnort des mutmasslichen Betrügers ist. «Wir ermitteln derzeit in einem Betrugs-/Finanzdelikt. Das Verfahren ist noch offen», heisst es seitens der Staatsanwaltschaft.

Laut Ates ist der Beschuldigte untergetaucht. Er vermutet, dass er nicht allein handelte, sondern dass es sich um eine kriminelle Organisation handelt, die sich mit dieser Masche Luxusautos aneignet. Ob S. B. überhaupt der echte Name sei, wisse er nicht mit Sicherheit. Auch nicht, ob es weitere Geschädigte gebe. «Ich hoffe, dass dieser Mafia bald das Handwerk gelegt wird. Schliesslich hat sie mir mein Traumauto genommen», so Ates.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mikemet am 09.10.2019 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Der Umstand, dass er sich ein Auto leistet und dann weitervermietet um sich so die kosten ein bisschen zurückzuholen ist schon komisch. Wenn ich mir solch eine Spassmaschine anschaffen würde, dann gehört sie mir und ich vermiete sie sicher nicht weiter.

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  • Daniel Blumebüsch am 09.10.2019 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verblute durch das Abzahlen...

    ... aber man muss ja unbedingt so eine Karre fahren. Ist ja Nebensache ob man sich damit verschuldet. Ich kann das denken einiger Leute echt nicht verstehen...

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  • Düsendorf am 09.10.2019 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Poser

    1. Lies den Leasingvertrag durch! 2. Kauf dir ein Auto dass du effektiv vermagst!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudolf53 am 09.10.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leasing

    Wenn man sich so ein Fahrzeug auf abzahlung leistet, ist er doch selber schuld wenn er es weiter verkauft und einem Betrüger auf den Leim gegangen ist. Aber ich dachte immer wenn man ein Leasing Vertrag hat darf man das Auto nicht weiter verkaufen?

  • Bodi73 am 09.10.2019 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry,

    Wie kann man nur mit soviel Dummheit gesegnet sein. Ein Auto leisten, dass man sich gar nicht leisten kann. Das Auto vermieten, dass man gar nicht vermieten darf. Sich von einer Euro-Bleistiftzahl blenden lassen obwohl man nicht blind ist. Das Auto für mickrige 5000.- Euro auszuliefern ohne irgendwelche zusätzliche Sicherheitsleistung. Info, das Auto kann IMMER geortet werden, Sofern man das Auto auch updaten lässt. Trotz einem elektronischen Flash und SIM-Tausch wird sich das Auto immer beim Hersteller anmelden. Versucht man dies zu vermeiden ist die Elektronik Schrott. Viel Spass beim zahle

  • Rockabilly74 am 09.10.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gib 8, oder gib R8

    Er soll für 24 Monate mehr erhalten als das Auto neu kostet und es macht ihn nicht stutzig? Ich bin sehr beunruhigt zu wissen, das solche Leute überhaupt ohne Vormund Verträge abschliessen dürfen, geschweige den Auto fahren....

  • F. wenk am 09.10.2019 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nachher ist man immer klüger

    Trotzdem: Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, weil es zu schön ist, um wahr zu sein, gibt es nicht. Es gibt keine Allerheilmittel, keine netten Enkel, die man noch nicht kannte, und keine Internetdeals, die mehr wert sind, als das Auto an sich. Alle Betrugsmaschen funktionieren genau gleich. Geld gegen keine oder kleine Gegenleistung.

  • cl5150 am 09.10.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milchrechnung

    Also wenn ich ein Abgebot über 180'000 für eine 24-monatige Auto-Miete erhalte, welches hier den Kauf desselben Autos übertrifft, sollten die Alarmglocken glühen! Das riecht ja förmlich nach Betrug. Herrje wie kann man nur so blauäugig sein.