Lehrerpräsident Zemp

23. Januar 2019 05:45; Akt: 23.01.2019 05:45 Print

«Wie soll ein Lehrer so vor Sexting warnen?»

Medienkompetenz wird an Schulen grossgeschrieben. Trotzdem postet ein Lehrer erotische Bilder von sich. Der oberste Lehrer, Beat W. Zemp, nimmt Stellung.

Ein Primarschullehrer aus dem Kanton Zürich hat erotische Fotos von sich gepostet. Das missfällt einigen Einwohnern der Gemeinde. (Video: 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Zemp, sind die erotischen Fotos des Lehrers vertretbar oder ein No-go?
Grundsätzlich hat eine Lehrperson ein Recht auf Privatleben. Es gab auch schon eine Lehrerin, die sich als Miss Schweiz freizügig ablichten liess. Aber: Als Lehrperson ist man im Schaufenster, man ist eine öffentliche Person mit einer Vorbildfunktion. Die erotischen Bilder des Lehrers sind damit nicht vereinbar. Wer ein öffentliches Profil mit 22'000 Followern auf Instagram hat, muss damit rechnen, dass auch Schüler die Fotos sehen.

«Bilder sind mit der Vorbildfunktion nicht vereinbar»

Kann man ihm die Lehrbefähigung entziehen?
Nein. Er hat nichts Strafbares gemacht, da ich nicht davon ausgehe, dass ein Gericht die erotischen Fotos als illegale Pornografie beurteilen würde. Darum konnte die Schulleitung kaum anders reagieren, als sich hinter den Lehrer zu stellen. Ansonsten droht eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung, die sie kaum gewinnen kann.

Welche Wirkung haben solche Bilder auf Primarschüler?
Auch Primarschüler gelangen auf erotische Seiten, wenn Eltern das nicht verhindern. Es ist also wohl nicht das erste Mal, dass die Kinder mit freizügigen Bildern konfrontiert sind. Kommt nun eine Reaktion der Schüler auf die Bilder des Lehrers, muss die Schule das mit ihnen thematisieren.

Gemäss Lehrplan 21 müssen Schüler lernen, die Mediennutzung «unter Einbezug der Regeln und Wertesysteme» zu reflektieren. Verfügt die Lehrperson über die nötigen Kompetenzen?
Offensichtlich nicht. Es ist auch schwierig, Schülern beizubringen, dass sie die Finger von Sexting lassen sollen, wenn ihr Lehrer selbst erotische Bilder postet. Das hat wohl auch die Mutter gestört, die sich bei der Schule beschwerte. Wir raten darum davon ab, es als Lehrperson so zu machen wie der Vertreter an dieser Zürcher Schule.

Läuft in der Ausbildung etwas schief?
Nein, das Thema gehört zur Ausbildung. Angehende Lehrpersonen werden darauf sensibilisiert, ihre Social-Media-Aktivitäten gemäss den Standesregeln auszuführen. Die Mehrheit handelt auch vernünftig. Und man darf nicht vergessen: Auch in anderen Berufsgruppen gibt es Fehltritte. Ich erinnere mich etwa an einen CEO, der Nacktfotos von sich veröffentlicht hat.

Eine Mutter will ihr Kind aus der Klasse nehmen, die von diesem Lehrer unterrichtet wird. Hat er noch die Autorität, weiterhin zu unterrichten?
Der Unterricht muss gewährleistet sein. Wenn es eine Einzelreaktion einer Mutter ist, ist der Schulbetrieb nicht infrage gestellt. Ich kenne den Einzelfall nicht genau. Laut der Schulleitung ist er ein guter Lehrer. Ich gehe nicht davon aus, dass seine Stellung so untergraben ist, dass er nicht mehr unterrichten kann.


(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 22.01.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erwachsener

    Für Instagram muss man 14 sein. Dann ist man kein primarschüler mehr

    einklappen einklappen
  • Der Lehrer am 22.01.2019 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Instagram - Primarschüler?

    Ich bin selber Lehrer und kann verstehen das dies zu Aufruhr führen kann. Diese Bilder entsprechen nicht dem Rollenbild einer Lehrperson... Ich persönlich schaue, dass möglichst keine Bilder von mir öffentlich zu finden sindD Viel fragwürdiger finde ich, dass Kinder Instagram nutzen. Wären die Kids nicht in ihrer Freizeit das ganze Instagram am durchstöbern, wäre dies nie ein Problem gewesen.

    einklappen einklappen
  • G. Schiffen am 22.01.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das mit der Haustüre...

    Wenn sie bei Ihren eigenen Kindern kein Pardon kennt, sollte Sie vielleicht mal die Altersvorschriften der sozialen Medien in Betracht ziehen. So lange er ein guter Lehrer ist, soll er in seiber Freizeit machen dürfen, was er will! Auch Lehrer sind nur Menschen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Black Pearl am 23.01.2019 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daran positiv ist . . .

    die Schüler sehen nun 1 zu 1 was unüberlegte Post s zur Folge haben können und überlegen sich nun bestimmt zweimal was Sie hochladen. Aus dieser Sicht war das pädagogisch wertvoll doch leider nicht die Absicht.

  • da am 23.01.2019 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild sein als Lehrer

    ich finde es bedenklich wenn ein Lehrer sich öffentlich so produziert...kann die Mutter verstehen.Vorbild sein heisst auch auf seine Vorbildfunktion zu achten. Die Fotos finde ich noch dazu echt dämlich...wer braucht sowas

  • Daniel am 23.01.2019 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Sexy

    Also ich find ihn scharf! Wenn nur die Tattoos nucht wären ;-)

  • Maria am 23.01.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer

    Solche Lehrkräfte gehören nicht ins Klassenzimmer, die stehen nicht mit beiden Füssen am Boden. Dieser Lehrer hat ein grosses Defizit, was seine Persönlichkeit betrifft!

  • Nick Erchen am 23.01.2019 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gelöscht

    Mittlerweile hat der Lehrer das Instagram-Profil gelöscht. Hätte es nicht gereicht, einfach die anstössigen Fotos zu löschen - oder gab es nur solche?