Chamoson VS

13. August 2019 20:01; Akt: 13.08.2019 20:01 Print

«Ich zog die Mutter aus der Schlammlawine»

Benoît D. (56) war vor Ort, als eine Schlammlawine einen Mann und ein Mädchen in einem Auto mitriss. Das Erlebte lässt ihn nicht los.

Augenzeuge Benoît D. sagt, wie er das Drama miterlebte und wie er versuchte, zu helfen. (Video: D. Krähenbühl)
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Benoît D.* war Augenzeuge, wie eine Schlammlawine am Sonntag ein Auto mit einem Mann (37) und einem Mädchen (6) mit sich riss. Die beiden gelten nach wie vor als vermisst, die Behörden rechnen nicht mehr damit, sie lebend zu finden. D. geht der verhängnisvolle Abend nicht mehr aus dem Kopf. «Ich habe selber Kinder», sagt er. «Ein solcher Vorfall ist sehr schwer zu ertragen.»

Als am Sonntag das Gewitter über dem Ort wütete, ging D. nach draussen. Schon vor einem Jahr hatte eine Schlammlawine grosse Teile des Orts verwüstet. Doch dieses Mal hielt der seit damals sanierte Bach. «Dort gab es keine Probleme», sagt D. «Dann hörte ich einen riesigen Lärm im Hintergrund. Ich lief zum anderen Bach – und sah die Schlammlawine.» Sie habe sogar Autos mit sich getragen.

«Wo ist meine Tochter?»

«Eine Art Welle trat über die Ufer», sagt D. «Als sie wieder abflaute, sah ich, dass sich ein Mensch aus dem Schlamm erhob. Es war die Mutter des vermissten Mädchens. Sie war von Kopf bis Fuss mit Schlamm bedeckt», so D. «Ich half ihr auf.» Die Frau habe geschrien und geweint. «Sie wollte zurück in den Schlamm, um ihre Tochter zu suchen. Das war ein schrecklicher Anblick.»

Schnell seien andere Menschen gekommen, um zu helfen. Ein Behördenmitglied habe die Feuerwehr und die Polizei mobilisiert. «Ich habe mit einer anderen Nachbarin die Mutter genommen und sie zum Duschen geschickt», sagt D. «Wir blieben danach an ihrer Seite. Sie sagte immer wieder: ‹Das ist nicht möglich, das ist nicht möglich. Wo ist meine Tochter?›»

*Name der Redaktion bekannt

(dk)