Hochwasser

29. Juli 2014 12:25; Akt: 29.07.2014 13:21 Print

«Die Regionen müssen auf der Hut bleiben»

Die Unwetter-Lage in der Schweiz ist nach wie vor angespannt. Zwar legt der Regen Pausen ein, dennoch ist es für ein Aufatmen zu früh. SRF-Meteorologin Claudia Stocker erklärt warum.

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Blick über den Genfersee von Lausanne aus, am Morgen des 31. Juli. «Wegen des andauernden Regens haben wir 20 cm Wasser im Garten», schreibt Leser-Reporter A. Meyer aus Erzenholz bei Frauenfeld TG. Für die Nacht auf den 31. Juli haben Meteorologen bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter vorausgesagt. «Nicht nur die Menschen leiden unter den aktuelle Wetterkapriolen», erinnert uns Leser-Reporter Pascal Rupp. Er hat beobachtet, wie sich eine Maus bei Erlen TG an Land gerettet hat. Wegen der starken Regenfälle wurden erhebliche Mengen Schwemmholz in Schweizer Seen gespült. Auf dem Brienzersee wird das Treibgut mit Schwemmholzsperren gebunden. Schiffsführer werden aufgefordert, erhöhte Vorsicht walten zu lassen. Die Hochwasser führende Aare im in der Matte nach erneuten heftigen Regenfällen am Dienstag, 29. Juli 2014. Am Nachmittag des 29. Juli zogen gleich mehrere Funnel über Schweizer Seen. Funnel sind Vorstufen von Wasserhosen, ... ... die aber die Wasseroberfläche nicht berühren. Laut Meteonews sind diese Trichterwolken ungefährlich. Am Morgen nach dem Unwetter werden im Rheintal die Schäden begutachtet. Mit vereinten Kräften wird der Schlamm aufgetürmt ... ... und abtransportiert. Das Ausmass der Schäden wird erst in ein paar Tagen klar sein. In Berneck SG helfen alle bei den Aufräumarbeiten mit. Auch in Bumbach im Kanton Bern gibt es nach einem Hangrutsch viel zu tun. In Altstätten SG steht ein Restaurant unter Wasser. Blick aus der Vogelperspektive auf Altstätten SG am Dienstagmorgen, 29. Juli. Wassermassen wälzen sich durch die Stadt. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gang. Land unter in Altstätten: Sogar Autos werden mitgerissen, wie Videos von 20 Minuten-Leser-Reportern zeigen. Flut in Altstätten SG. Ein Leser-Reporter hofft nur noch auf ein Ende. In Altstätten steht die Ringgasse unter Wasser... Wie auch der Bahnhof. Wo die Fluten wieder nachlassen, zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Galterenbach im Kanton Fribourg: Wasser über statt unter der Brücke. In Luthern ist eine Strasse zerstört worden. In Sempach stand der TCS-Campingplatz teilweise unter Wasser. Die meisten Camper nahmens laut TCS mit Humor. «Heute schwimmen wir im Zelt und nicht im See», scherzen die Campingbewohner. Auch in Agno ist der Zeltplatz überflutet. Die Ilfis in Emmental wird zum reissenden Fluss. «Fussballplatz oder Schwimmbad?», fragt ein Leser aus Menznau. Im Appenzellerland hagelt es: Ein Bild aus Gais. Auch in Hütten ZH kam es am Montagabend zu Überschwemmungen. Aus Schüpfheim LU erreichen uns ebenfalls dramatische Bilder. Im Kanton Luzern sind innert weniger Stunden um die hundert Schadensmeldungen eingegangen. Die Feuerwehr steht im Dauereinsatz. In Muttenz steht ein Keller unter Wasser. Auch in Wallisellen ZH beginnt es nach dem Feierabend mit dem Regen. Der Bahnverkehr ist durch das Unwetter im Emmental gestört. Das Emmental steht wieder unter Wasser. In Zäziwil sind Strassen überflutet. Der Kreisel gleicht einem Bach. Auch in Wolhusen LU fahren die Autos durchs Wasser. «In Mirchel/Oberhünigen verwandelten sich die Strasse innert kürzester Zeit in einen Bach und die Weiden in einen See», schreibt ein Leser. In Luthern LU braucht es ebenfalls Wasserfahrzeuge. Das Wasser bahnt sich seinen Weg ... ... auch durch das Dorf. In Biel Benken BL sind dunkle Wolken und Blitze zu sehen. In Luthern stehen Gärten unter Wasser. In Allschwil BL hat der Hagel einen Pavillon zerfetzt. Auch im Tessin in Agno sieht es düster aus. Die Gewitterfront hat Basel erreicht. In Basel gab es am Nachmittag viel Regen und Hagel. Einige Strassen waren schnell unter Wasser. Dunkle Wolken über Seftigen BE. Am Montagnachmittag fielen in Flüh SO riesige Hagelkörner. Auch in Muttenz fiel eine Menge Hagel. Weisse Körner gab es auch in Laufental BL. Warnstufe Rot für die westlichen Vor- und Hochalpen sowie fürs Berner Oberland auf dem Wetterportal Meteonews.

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Der Himmel ist nach wie vor grau und es regnet immer wieder. Wann ist endlich Besserung in Sicht?
Claudia Stocker:
Richtig Aufatmen können wir erst am Donnerstag. Dann bessert sich das Wetter für etwa ein oder zwei Tage. Bis dahin gibt es immer wieder trockene Phasen, wie etwa heute Vormittag. Gegen heute Nachmittag/Abend ist jedoch wieder mit Regen zu rechnen. Die Regenmenge ist aber schwierig abzuschätzen.

Altstätten SG, das Emmental oder die Zentralschweiz sind besonders stark vom Unwetter betroffen. Haben diese Regionen das Schlimmste hinter sich?
Diese Regionen müssen auf der Hut bleiben. Es ist durchaus möglich, dass im Emmental, in der Zentralschweiz, Alpstein und der Region Jura wieder grössere Regenmengen fallen. Jedoch sind kaum mehr Gewitter zu erwarten, die gestern Abend lokal für viel Regen sorgten. Jetzt regnet es flächiger, es trifft grössere Gebiete. Wetterberuhigung ist – wie schon gesagt – erst am Donnerstag in Sicht.

Es ist also mit weiteren Schäden zu rechnen?
Überschwemmungen sind immer noch möglich. Auch die Erdrutsch-Gefahr ist noch nicht gebannt. Da der Boden bereits gesättigt ist, können schon kleinere Regenmengen grössere Folgen haben.

Am meisten Niederschlag fiel gestern mit über 120 Millimetern pro Quadratmeter im Tessin. Dennoch sind bisher die Schäden weniger stark ausgefallen als auf der Alpennordseite. Warum?
Das Tessin verträgt einfach mehr. Da fallen immer wieder grosse Mengen Niederschlag. Zudem hat es in den letzten Wochen auf der Alpensüdseite weniger geregnet als im Norden.

Erstaunt Sie das Ausmass des Unwetters von gestern?

Es war in dem Sinne kein Jahrhundert-Regen. Da es aber über den ganzen Monat verteilt viel geregnet hat, können die Böden nichts mehr aufnehmen, was eben gestern und heute zu den Schäden führte.

(woz)