Horrende Ticketpreise

17. Juli 2018 21:14; Akt: 18.07.2018 09:37 Print

«Die Reisebüros beuten uns Albaner aus»

Die Albaner haben genug: Sie wollen sich gegen die hohen Ticketpreise von Flügen nach Kosovo wehren. Allen voran der albanische Moderator Altin Marku, der eine Protestaktion in Zürich plant.

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Altin Marku, der albanische Moderator der Sendung «Fol Shqip Show», wehrt sich gegen die hohen Ticketpreise für Flüge nach Kosovo. Für seine vierköpfige Familie habe er 2000 Franken für einen Flug in die Heimat bezahlen müssen. Anhand der Kommentare unter dem Live-Video von Marku wird klar, dass die Albaner genug haben. «Das beste wäre, ihre Flüge zu boykottieren. Die Preise sind einfach zu hoch», heisst es etwa. Oder: «Seit drei Jahren bin ich nicht mehr in die Heimat gereist, weil sie für zwei Erwachsene und zwei Kindern 2350 Franken verlangen. So möchte man nirgends hingehen.» Und: «Das gleiche gilt für die Flüge nach Mazedonien. Zürich-Skopje 790 Franken» Sowie: «Nach Zagreb zahlt man 330 Franken. Stellt euch vor, was für ein Touristenziel Kroatien ist. Und für Kosovo zahlt man mit der gleichen Agentur 710 Franken.» Die Ticket-Preise würden rund um die Feiertage oder im Hinblick auf die Schulferien «gigantisch» steigen, so Marku. Noch tragischer sei aber, wie Reiseveranstalter Schicksalsschläge ausnutzen würden: «Mehrere Personen haben kommentiert, dass sobald sie erwähnten, dass sie wegen einem Todesfall in den Kosovo fliegen, die Reisebüros ihnen Tickets teurer verkauft hätten.» Hier schreibt eine Facebook-Userin, dass ihr Bruder und ihr Vater 420 Franken bezahlt hätten. Weil sie aber erwähnte, dass sie wegen einem Todesfall reise, habe sie 670 Franken bezahlt. Dieser User bestätigt: «Bei einem Todesfall haben wir je 500 Franken bezahlt, obwohl wir über zehn Personen waren.»

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Viele Kosovaren nutzen die Sommerferien, um in ihre Heimat zu fahren. Doch die Reise ist nicht immer einfach. Die Reisenden müssen mit teuren Tickets und Fake-Reisebüros rechnen. So sind Fälle bekannt, in denen Fluggesellschaften Tickets anbieten, obwohl es eigentlich keine Plätze mehr gibt. Dieses Jahr sorgt auch eine erfundene Fluggesellschaft für enttäuschte Reisende, wie der «Blick» berichtet. Eine elfköpfige Familie aus der Schweiz verlor so 3500 Franken.

Neben den Betrugsmaschen sorgen auch die horrenden Ticketpreise für rote Köpfe. Unter einem Video, das Altin Marku, der Moderator der schweizerisch-albanischen Sendung «Fol Shqip Show» auf Facebook gepostet hat, wird die Enttäuschung in den Kommentaren klar: «Das beste wäre, ihre Flüge zu boykottieren. Die Preise sind einfach zu hoch.» Oder: «Seit drei Jahren bin ich nicht mehr in die Heimat gereist, weil sie für zwei Erwachsene und zwei Kindern 2350 Franken verlangen. So möchte man nirgends hingehen.» Und: «Das Gleiche gilt für die Flüge nach Mazedonien. Zürich–Skopje 790 Franken.» Sowie: «Nach Zagreb zahlt man 330 Franken. Stellt euch vor, was für ein Touristenziel Kroatien ist. Und für Kosovo zahlt man mit der gleichen Agentur 710 Franken.»

2000 Franken für vierköpfige Familie

Gleichzeitig feiern die albanischen User Moderator Marku. Dieser ging am Dienstag live und kündigte an, etwas gegen die horrenden Preise machen zu wollen. Auch er musste für seine vierköpfige Familie 2000 Franken zahlen. «Das ist nicht normal, eines meiner Kinder ist nicht einmal ein Jahr alt», sagt der 33-Jährige, der aus Albanien stammt und in Luzern wohnhaft ist. «Wie kann es sein, dass ein Flugticket von Zürich oder Basel nach Pristina im Durchschnitt 700 Franken kostet, ein Flug von Pristina nach Zürich bzw. Basel aber rund 30 Franken? Die Reisebüros spielen mit den Preisen, wie es ihnen beliebt. Und obwohl wir, die Diaspora, bereits viel für Kosovo und Albanien tun, werden wir ausgebeutet, wenn wir in unsere Heimat reisen wollen.»

Die Ticketpreise würden rund um die Feiertage oder im Hinblick auf die Schulferien «gigantisch» steigen, so Marku: «Uns ist bewusst, dass auch die Preise für andere Destinationen wegen des Tourismus steigen. Aber nicht in diesem Ausmass. Ausserdem fliegt ein Albaner, der in der Schweiz lebt, kaum wegen des Tourismus nach Pristina, sondern weil er seine Heimat und seine Familie besuchen möchte.» Warum die Reisebüros so vorgehen, könne er sich nicht wirklich erklären.

Schicksalsschläge werden ausgenutzt

Noch tragischer sei aber, wie Reiseveranstalter Schicksalsschläge ausnutzen würden: «Mehrere Personen haben kommentiert, dass, sobald sie erwähnten, dass sie wegen eines Todesfalls nach Kosovo fliegen, die Reisebüros ihnen Tickets teurer verkauft hätten.» (siehe Diashow)

Markus Lösung: «Wir werden eine Protestaktion organisieren. Ich lade euch ein, am Montag um 15 Uhr am Protest vor dem kosovarischen Konsulat in Zürich teilzunehmen. Es geht nicht allein um mich. Es geht um uns. Wir müssen nun ein Zeichen setzen, dass sie nicht so mit uns umgehen können.» Er habe beschlossen, seinen Bekanntheitsgrad zu nutzen, um etwas zu bewegen. Sein Live-Video wurde bis am Donnerstagabend 53'000-mal geschaut und über 1100-mal kommentiert.

Politisch aktiv werden

Anhand der Kommentare wird klar: Die Zustimmung in der albanischen Community ist gross. Das zeigt sich auch in der von Marku eigens für das Phänomen der überteuerten Flugtickets gegründeten Facebook-Seite «Diaspora e Bashkuar» (die vereinigte Diaspora): Innerhalb von 48 Stunden hatte sie 6000 Follower. «Nach dem Protestaufruf erhielt ich aber viele Nachrichten, dass wir die Protestaktion verschieben sollen, da viele bereits in den Ferien seien oder in den nächsten Tagen verreisten», sagt Marku. «Deshalb werden wir nach den Ferien protestieren. Dann können wir zumindest für die zukünftigen Saisons etwas bewirken.»

Wann genau die Protestaktion stattfindet, werde er auf Facebook mitteilen. Marku stellt klar: «Es soll eine friedliche Aktion werden. So etwas würde ich nicht nur für die Albaner organisieren, sondern für jede andere Nation, die ein ähnliches Problem hat. Ich hoffe, dass auch die Schweizer Polizei uns unterstützen kann und die Veranstaltung ruhig und sicher über die Bühne gehen kann.»

Marku ruft in seinem Video nebst den Albanern in der Schweiz auch diejenigen in anderen Staaten dazu auf, sich per Protest zu wehren. «Falls das nichts bringt, müssen wir dieses Phänomen auf dem politischen Parkett in Kosovo und Albanien klären.»

(qll)