Zürcher Wahlen

29. März 2011 08:56; Akt: 29.03.2011 09:32 Print

«Die SVP ist bei Majorzwahlen verletzbar»

von Lukas Mäder - Die Baselbieter haben ihren SVP-Regierungsrat abgewählt. Das sei nächsten Sonntag auch in Zürich nicht ausgeschlossen, sagen Politologen.

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«Warnschuss für die SVP-Regierungsräte»: Der Wahlausgang in Basel-Land könnte die beiden Zürcher SVP-Regierungsräte Ernst Stocker (links) und Markus Kägi nervös machen. (Bild: Keystone)

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Die Regierungsratswahlen im Kanton Basel-Landschaft sorgten am Sonntag für eine Überraschung. Der grüne Kampfkandidat Isaac Reber verdrängte den bisherigen SVPler aus der Exekutive. Dieses Ergebnis könnte die beiden SVP-Regierungsräte des Kantons Zürich, Ernst Stocker und Markus Kägi, nervös machen. Denn bei den Wahlen am kommenden Wochenende treten die Grünen ebenfalls mit einem Herausforderer an, mit Martin Graf, Stadtpräsident Illnau-Effretikons. «Wenn ich Kägi wäre, hätte ich die eine oder andere schlaflose Nacht», sagt Politologe Georg Lutz. Denn die Teilnehmer einer «Tages-Anzeiger»-Umfrage von letzter Woche hätten Kägi abgewählt. Grundsätzlich sind laut Lutz SVP-Kandidaten auch bei den bürgerlichen Wählern umstritten – selbst wenn ihnen die Parteispitzen von FDP und CVP oft ihre offizielle Unterstützung zusichern. «Weder Stil noch Inhalt wird goutiert.» Lutz will für Zürich jedoch keine Prognose wagen.

Dass der grüne Kandidat Graf grössere Chancen hat als die bisherigen Exekutivmitglieder der SVP, glaubt Politgeograf Michael Hermann nicht. Die SVP sei in Zürich stärker als in Basel-Land, und Graf stehe weiter links als der neu gewählte Baselbieter Reber. Trotzdem seien die Wahlen im Nordwestschweizer Halbkanton ein «Warnschuss für die SVP-Regierungsräte» gewesen, sagt Hermann. Deshalb schliesst auch er eine Abwahl keineswegs aus. «Die SVP ist in Majorzwahlen verletzbar», sagt Hermann – insbesondere in den grossen Kantonen des Mittellandes. Weil die SVP so erfolgreich sei, spiele die bürgerliche Solidarität nicht mehr. «Das hat in Basel-Land zur dramatischen Situation geführt, dass die SVP als neu stärkste Partei im Landrat nicht mehr in der Regierung vertreten ist.»

Veränderungen in der Mitte

Im Kanton Zürich ist die SVP bereits klar die grösste Fraktion im Kantonsrat. Trotzdem geht Hermann davon aus, dass sie an Wählerstärke gewinnen wird – wenn auch nur moderat. «Die SVP zeigt, dass sie auch bei Neuwählern und jungen Wählern weiter zulegen kann.» Dabei dürfte die Bürgerliche-Demokratische Partei (BDP) als SVP-Abspaltung keine Gefahr darstellen, glaubt Lukas Golder vom Forschungsinstitut GfS Bern. Die BDP komme mit ihrer SVP-nahen Position und dem anderen Stil bei den Wählern an. «Sie trifft den Zeitgeist, aber nicht bei den Wählern der SVP, sondern bei den Mitte-Parteien.»

Mithelfen beim Umbruch im Block der Mitte-Parteien dürften auch die Grünliberalen (GLP) – wie das offensichtlich auch in Basel-Land der Fall war. Die GLP positioniere sich bewusst mehr und mehr im bürgerlichen Lager, beispielsweise mit der Ablehnung des Stadtzürcher Budgets, wie Hermann sagt. Das könnte zu deutlichen Stimmverlusten bei FDP, CVP und EVP führen. Dabei profitiert die GLP laut Hermann auch vom Bonus der neuen und unbelasteten Partei. An einem grünliberalen Erfolg zweifelt auch Golder nicht: «Die GLP entspricht mit ihrer Politik ziemlich gut dem gesellschaftlichen Wandel, insbesondere im städtischen Milieu.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nokiras am 29.03.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    SVP+Majorz=Fail

    Durch Majorzwahlen werden gemässigte und Lösungsorientierte Politiker gewählt und keine Hardliner. Die SVP ist eine Partei die eben diese bei Majortswahlen in den Wahlkampf schickt und von anders gesinnten nicht unterstützt wird. Bei den Ständeratswahlen gibt ein FDP-Anhänger seine zweite Stimme z. B der CVP und vice versa. Die SVP-Anhänger geben Ihre zweite stimmte aber wahrscheinlich der mitte ab....Ich bin gespannt ob Sie bei den nächsten Wahlen Ihren Angriff im Ständerat gegen die mitteparteien durchziehen können =P

  • andie politik am 30.03.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    modeerscheinung

    die grünen sind nur eine mode-erscheinung, in 2 jahren spricht keiner mehr von denen.

    einklappen einklappen
  • Paul Buchegger am 30.03.2011 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht lernen will, soll fühlen

    "Gegen linke Expderimente", heisst es unter diesem Bild in der SVP-Zeitungswerbung.Dabei wird vielleicht der SP-Sitz von Notter neu von Mario Fehr eingenommen werden.Was sollen da "linke Experimente"? Wieder so ein plumper SVP-Slogan.Aber irgendwie muss ja die SVP ihr vieles Geld verpulvern. Falls ein Grüner reinkommt,dann entspricht dies dem Fukushima-Effekt.Die SVP will ja aus dieser menschlichen Katastrophe gar nichts dazulernen und will weiter zusätzliche AKWs. Wer nicht lernen will, soll fühlen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Nötig am 31.03.2011 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Köpfe - nur gepolter

    Konklusion? Poltern rüttelt auf, für die pragmatischen SchweizerInnen reicht das nicht. Lustig den Polterern zuzuhören und mit zu grölen - und wenns konkrekt wird lieber dezent und das machen was man kennt: "was der Schweizer nicht kennt das isst er nicht" Besonders wenn keine 'markanten Köpfe' zur Verfüfung stehen - und allenthalben SVPler in Führungspositionen mit Fehlleistungen aufwarten. Dumm gelaufen.

  • Paul Buchegger am 30.03.2011 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht lernen will, soll fühlen

    "Gegen linke Expderimente", heisst es unter diesem Bild in der SVP-Zeitungswerbung.Dabei wird vielleicht der SP-Sitz von Notter neu von Mario Fehr eingenommen werden.Was sollen da "linke Experimente"? Wieder so ein plumper SVP-Slogan.Aber irgendwie muss ja die SVP ihr vieles Geld verpulvern. Falls ein Grüner reinkommt,dann entspricht dies dem Fukushima-Effekt.Die SVP will ja aus dieser menschlichen Katastrophe gar nichts dazulernen und will weiter zusätzliche AKWs. Wer nicht lernen will, soll fühlen.

  • andie politik am 30.03.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    modeerscheinung

    die grünen sind nur eine mode-erscheinung, in 2 jahren spricht keiner mehr von denen.

    • Paul Buchegger am 30.03.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, keine Modeerscheinung

      Ich bin Mittewähler, aber was Sie da sagen, ist SVP-Wunschdenken. Sie werden sehen, die Grünen/GLP werden weiter zulegen; die Grünen auf Kosten der SP, und die GLP auf kosten der FDP/CVP. Die BDP wird ihre Wähler ebenfalls bei der FDP + CVP holen, und nur wenige bei der SVP. Die SVP kompensiert wohl ihre Abgänge an die BDP mit bisherigen Nichtwählern.

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  • Nokiras am 29.03.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    SVP+Majorz=Fail

    Durch Majorzwahlen werden gemässigte und Lösungsorientierte Politiker gewählt und keine Hardliner. Die SVP ist eine Partei die eben diese bei Majortswahlen in den Wahlkampf schickt und von anders gesinnten nicht unterstützt wird. Bei den Ständeratswahlen gibt ein FDP-Anhänger seine zweite Stimme z. B der CVP und vice versa. Die SVP-Anhänger geben Ihre zweite stimmte aber wahrscheinlich der mitte ab....Ich bin gespannt ob Sie bei den nächsten Wahlen Ihren Angriff im Ständerat gegen die mitteparteien durchziehen können =P

  • A.S. am 29.03.2011 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas falsch gemacht?

    Falls es für die beiden an sich guten Leute knapp werden sollte, müssten sie wenn schon sauer auf ihre Parteistrategen sein. Haben die etwas falsch gemacht, das ihrem Image mehr schadet als nützt? Und woher die Diskrepanz zur Stärke im Parlament? Wiederholt sich BL? Würde mal eine Gap-Analyse machen.