Christian Wasserfallen

29. Oktober 2013 09:14; Akt: 29.10.2013 09:36 Print

«Die Schule ist keine Selbsthilfegruppe»

von Camilla Alabor - Dürften Jugendliche über den Lehrplan 21 entscheiden, würden sie mehr Medienkompetenz vermitteln. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen findet das keine gute Idee.

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Seit Monaten diskutieren Politiker und Bildungsexperten über den Lehrplan 21. Dieser sieht vor, die Lernziele an den Schulen zu harmonisieren (siehe Box). Nun zeigt eine Umfrage: Neun von zehn Jugendliche wissen gar nicht, wovon beim Lehrplan 21 die Rede ist.

Umfrage
Soll an Schulen der Umgang mit dem Internet gelehrt werden?
74 %
23 %
3 %
Insgesamt 1387 Teilnehmer

Durchgeführt hat die Umfrage das Marktforschungsinstitut GFK im Auftrag der Bildungskoalition NGO, einem Zusammenschluss von Organisationen wie Pro Juventute und Amnesty International. Zum ersten Mal können sich die Schüler selber dazu äussern, wie sie sich den neuen Lehrplan vorstellen. Befragt wurden 300 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren.

Krieg und Medienkompetenz

Das Resultat: Die Schüler wollen mehr erfahren über Kriege in fernen Ländern (70 Prozent) und Menschenrechte (69 Prozent). Zudem wünschen sie sich mehr Mitsprache bei Schulprojekten (66 Prozent).

Ein wichtiger Pfeiler des neuen Lehrplans ist die Medienkompetenz. An erster Stelle steht hier die Frage nach den rechtlichen Grenzen: 62 Prozent der Jugendlichen würden gerne wissen, ob sie Filme und Musik herunterladen dürfen. Auch Cybermobbing ist unter den Befragten ein Thema: 51 Prozent würden hierzu gerne mehr lernen. Immerhin 49 Prozent möchten etwas über die Risiken im Umgang mit Social Media erfahren.

Grenzen aufzeigen

Darüber, ob man die Anliegen der Schüler in den neuen Lehrplan aufnehmen soll oder nicht, gehen die Meinungen auseinander. Für Beat Zemp vom Dachverband der Schweizer Lehrer rennen die Schüler offene Türen ein. So sei es durchaus Aufgabe der Schule, den Schülern die rechtlichen Grenzen im Internet aufzuzeigen. Das gelte auch für das Herunterladen von Filmen oder Musik. «Der Computer ist heute Arbeitsinstrument an der Schule», sagt Zemp. «Da ist es nur logisch, dass man lernt, damit umzugehen.»

Ganz anders sieht das FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «Das Ziel kann nicht sein, dass der neue Lehrplan sämtliche gesellschaftlichen Probleme aufnimmt», sagt der Präsident der Bildungskommission. «Die Schule sollte vor allem die Grundkompetenzen vermitteln.»

Eltern sollen lernen

Die Frage nach der Legalität von Film-Downloads gehört für ihn nicht dazu. Probleme wie Verschuldung, der Umgang mit Alkohol oder Cybermobbing sind seiner Meinung nach auch nicht prioritär in der Schule zu diskutieren: «Wenn man all diese Fragen an der Schule behandeln will, macht man eine grosse Selbsthilfegruppe aus ihr.»

Vielmehr sei es Aufgabe der Eltern, mit ihren Kindern über mit solche Fragen zu reden. Und wenn die Eltern selber nicht Bescheid wissen? «Dann müssen sie es eben lernen, statt das Problem zu delegieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven E. am 29.10.2013 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch wollen sie mehr über Krieg

    und Internet erfahren. Beides ist spannend und interessant. Wer will schon freiwillig Mathematik und Französisch lernen? Niemand. Nur sind solche Kinder dann auf dem Berufsmarkt unbrauchbar und haben keine Chance gegenüber gut gebildeten Einwanderern.

    einklappen einklappen
  • Dani am 29.10.2013 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das fundament muss sitzen

    Man solle in der schule den kindern wieder beibringen richtig zu lernen, das vertiefen von mathe und deutsch. Geschichte,geografie und biologie. Heute wird alles nur noch oberflächlich gelernt.

  • Stromy am 29.10.2013 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern sein

    Richtig die Eltern können genau so gut ihren Kindern etwas beibringen!! Ich schaute oft mit meinen Eltern die Nachrichten u fragte sie auch über Themen und die Diskutierte man dann zusammen! Eltern sollte mehr für ihre Kinder da sein......

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schüler am 29.10.2013 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schüler in der 9.

    Meines erachtens sollte man uns in der Schule deutlich besser auf das Leben vorbereiten. Ich persönlich empfinde die Schule teils als einen Ort, an den man jeden Unsinn lernen muss. Mir bringt es nichts, wenn wir in der Schule jedes Jahr wieder die Formeln für Kreissektoren, Fläche, der Satz des Pythagoras oder die vier Fälle seit der 6 Klasse immer wieder wiederholen. In der Schule zu lernen zu programmieren wäre nicht schlecht, dass fördert das Logische Denken ernorm!

  • Kein Schüler mehr am 29.10.2013 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Strategie anstatt auswendiglernen

    Ich habe in der Schule nur das Auswendig lernen geübt. Wie man den Text oder Informationen leicht in meinem Gehirn abspeichern kann, musste selber beibringen. Durch Strategien, die ich im Internet gefunden habe und gelernt habe ,hat meine Effizienz ca. 60% verbessert und eine Noten sogar 40%. SpeedReading, Mnemotechnik, Loci-Methode, Mindmapping etc. wäre das wichtigste. Leider wurde diese Werkzeuge nie in unserer Schule beigebracht. Da man heute mit viel Informationen, als früher, überflutet wird, sollte man auf Strategien setzen. sonst sind und werden die Schüler immer überfordert sein.

  • Loredana am 29.10.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Umkrempeln des Lehrplans

    Man sollte das Wasser nicht ins Meer tragen. Sicher nicht im Lehrplan, die Jungen wissen heute sehr wenig und haben von nichts eine Ahnung, ausser eben die PC-spezifischen Dinge (was auch gut ist!). Vielmehr sollte Oekologie und Ethik gelehrt werden. Mathe, Geometrie, Physik, Bio und Sprachen zum Abrunden. Geschichte ist halt ... na ja: "Geschichte". Die wird immer aus der Perspektive des Erzählers zu seinen Gunsten ausgelegt. Vielleicht sollte analytische Geschichtskritik anstatt Geschichte unterrichtet werden. Wer wirklich keni Internet zuhause hat, soll Nachhilfeunterricht bekommen.

  • PennyPolkadot am 29.10.2013 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein eigenes fach  

    Ganz ehrlich, für medienkompetenz könnte man ein informatikfach einrichten, für sonstige konflikte gibt es nachrichten und die möglichkeit bei ernsthaftem interesse sich selst aussers hulisch zu informieren. Eigentlich könnte man das ganze auch in einer wiche abkürzen. Ab einer bestimmten klasse 1w lang konfliktthemenworkshop und 1mal medien, damit hat mans dan aber auch durch. Man könnte aber auch ein fach namens politik 1mal wöchentlich einführen.

  • Valnes am 29.10.2013 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Grundausbildung

    In der Schule sollen Kinder lernen, was sie später für das Leben brauchen. Es ist eigentlich schon befremdend, dass der Umgang mit dem wichtigsten Arbeitsinstrument, dem Computer, nicht vermittelt wird. Und zu einer soliden Grundausbildung gehört halt auch, dass man den Kindern sagt, was sie im Internet dürfen und was nicht. Es kann auch nicht sein, dass die Kinder im Detail lernen, wie man in der Steinzeit gelebt hat, sie aber keine Ahnung haben, was aktuell in der Welt läuft.