Mumien-Fail

03. Dezember 2018 15:21; Akt: 03.12.2018 15:21 Print

«Das ist eine Blamage für die Schweiz»

Ramsch statt Kulturgüter: Die Rückgabe von Fälschungen an Ägypten schade dem Image der Schweiz, sagt der Zürcher Kunsthändler und Kunsthistoriker Robert R. Bigler.

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Herr Bigler, laut einem deutschen Ägyptologen hat der Bund kürzlich statt archäologischer Kulturgüter billige Souvenirs an Ägypten zurückgegeben. Teilen Sie die Einschätzung des Experten, der im «SonntagsBlick» zu Wort kommt?
Ja, es ist auf den ersten Blick erkennbar, dass der Grossteil der angeblichen Kulturgüter nicht echt ist. Die Übergabe von modernen Kopien in einem symbolischen Akt vor der Augen der Öffentlichkeit ist sehr peinlich. Es ist nicht nur ein bedauerlicher Zwischenfall, sondern die Schweiz blamiert sich in erheblichem Masse. Der Vorfall schadet dem Image unseres Landes, das weltweit als verlässlich und präzise arbeitend wahrgenommen werden möchte.

Wie kann ich als Laie erkennen, dass es sich nicht um Kulturgüter aus vorchristlicher Zeit handelt?
Stark vereinfacht kann man es mit der Bestimmung von Autos vergleichen: Alle haben vier Räder. Trotzdem unterscheidet sich der Oldtimer vom Neuwagen. Bei der Beurteilung antiker Statuetten spielt die Erfahrung eine grosse Rolle. Die Echtheit sieht man vor allem an der Stilistik und der Beschaffenheit der Oberflächen.

Hat das Bundesamt für Kultur (BAK) von Alain Berset versagt?
Die Blamage hätte leicht verhindert werden können, wenn das BAK einen Experten beigezogen hätte. Das macht den Vorfall nur noch bitterer – das sage ich ganz ohne Schadenfreude. Die Sorgfaltspflichten im Umgang mit Kulturgütern, die etwa von Sammlern und Kunsthändlern erfüllt werden müssen, sollten natürlich auch für das Bundesamt selbst gelten. Möglicherweise mangelt es aber auch an Ressourcen. Hinzu kommt, dass einige Staaten die Rückgabe von Kulturgütern aggressiv einfordern. Gerade weil diese Restitutionsforderungen nicht immer begründet sind, wäre eine sorgfältige Abklärung angezeigt.

Das Bundesamt schreibt an 20 Minuten, Interpol Kairo habe die Echtheit der Objekte bestätigt.
Das wundert mich sehr – dann muss man sich fragen, welche «Experten» Interpol beschäftigt. Die feierliche Übergabe durch den Vize-Direktor des Bundesamtes sollte ja der Image-Pflege dienen. Meiner Meinung nach müsste der Bund im Vorfeld auch die Echtheitsfrage abklären.

BAK weist Kritik zurück

Gegenüber 20 Minuten bestätigt auch ein renommierter Schweizer Ägyptologe, der nicht namentlich genannt sein möchte, dass mindestens 25 von 26 Objekten nicht echt seien. «Das sieht man sofort – etwa am Material, dem Aussehen, der Farbe.» So habe es solche Schakalohren, wie sie eine Totenfigur aufweise, nicht gegeben.

Wie konnte es zum Fauxpas kommen? BAK-Sprecher Daniel Menna sagt, Interpol Kairo habe auf Anfrage die Echtheit der Objekte eindeutig bestätigt. «Dies geschah in Einklang mit dem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Ägypten. Aus diesem Grunde wurde die Restitution an den ägyptischen Staat mit dessen Einverständnis durchgeführt.» Eine Gegenexpertise durch die Schweizer Bundesbehörden sei in solchen Fällen nicht vorgesehen.

Dass eine «Einzelperson» aufgrund der Bilder zu einem anderen Schluss komme als die Experten von Interpol Kairo, nehmen man zur Kenntnis. «Es ist nicht an uns, diese Einschätzung zu kommentieren.» Eine Anfrage bei der ägyptischen Botschaft in Bern blieb am Sonntag unbeantwortet.

(daw)