Gastbeitrag

17. März 2011 11:02; Akt: 18.03.2011 12:48 Print

«Die Schweiz braucht keine neuen AKW»

von Eric Nussbaumer, SP-Nationalrat - Bis 2025 könnte die Atomenergie in der Schweiz zu einem Ende kommen. Dazu brauche es ein Gesetz und einen Fonds für Energieeffizienz.

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«Nur der Weg mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien garantiert Energiesicherheit»: Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer ist Vizepräsident der Energiepolitischen Kommission des Nationalrats.

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Die tragischen Vorfälle in Japan sind ein Weckruf an uns alle. Das kalkulierbare Restrisiko gibt es bei der Atomenergie nicht. Was die Japanerinnen und Japaner erleben, erschüttert mich. Es bestärkt mich aber auch darin, dass die im Extremfall nicht kontrollierbare Atomtechnologie zu einem Ende gebracht werden muss. Ob uns dies gelingt und ob wir eine moderne, zukunftsfähige Stromversorgung gestalten können, ist nur eine Frage des politischen Willens. Die technologischen Möglichkeiten mit den erneuerbaren Energien und den Techniken zur Verbesserung der Stromeffizienz sind verfügbar. Sachpolitisch muss daher in der Schweiz Folgendes geschehen:

Die Schweiz braucht ein Atomausstiegsgesetz
Wir müssen die maximal noch zu produzierende Energiemenge in den fünf Atomkraftwerken limitieren. Der genaue Plan wird in einem Atomausstiegsgesetz festgelegt. Das führt dazu, dass Mühleberg sowie Beznau 1 und 2 innert kurzer Zeit stillgelegt werden müssen, weil sie ihre Lebensdauer erreicht haben. Bis 2025 kommt die Atomenergie in unserem Land zu einem geordneten Ende.

Die Schweiz braucht sofort einen Stromeffizienzfonds
Mit der Verbesserung der Stromeffizienz können und müssen wir sofort beginnen. Die Atomstromerzeugung in der Schweiz muss mit einer Stromeffizienzabgabe belastet werden. Damit wird ein zehnjähriges Stromeffizienzprogramm finanziert, welches volkswirtschaftlich den AKW-Ausstieg ermöglicht. Mindestens ein Drittel der heutigen Atomstromproduktion wird damit nicht mehr verschwendet.

Moderne Strompolitik muss auf erneuerbare Energie setzen
Die heutige Zielsetzung für zusätzliche elektrische Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist weder ambitiös noch genügend. Es gibt ein viel grösseres Potenzial. Die Realisierung von neuen dezentralen Stromproduktionsanlagen aus Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie wird heute gebremst durch einen Deckel bei der Einspeisevergütung und durch zu viele Barrieren. Die Erneuerbaren müssen wir befreien, die Limitierung muss weg! Erneuerbare und Stromeffizienz ersetzen dann zusammen unsere Atomkraftwerke innert 15 Jahren.

Nur dieser Weg mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien garantiert Energiesicherheit, schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze, setzt auf innovative und exportfähige neue Energietechniken, schont die natürlichen Lebensgrundlagen, macht unser Land unabhängiger von Preisschwankungen der knapper werdenden Energieträger, stärkt unsere Wirtschaft und trägt in der ganzen Welt zur Vermeidung von Konflikten bei. Und dieser Weg verhindert für immer die Risiken, die sich mit dem Einsatz der Atomenergie verbinden. Diesen Weg müssen wir jetzt gehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean de Carouge am 17.03.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    ineffizienz der jüngeren CH-Politik

    Hervorragendes Beispiel für die ineffizenz der jüngeren CH-Politik. Vor über dreissig Jahren haben Photovoltaik Pioniere, wie z.B. Thomas Nordmann mit seiner TNC, in der Schweiz alles gesagt was es zum Thema Photovoltaik zu sagen gibt. Wir Schweizer waren mal weltweit Photovoltaik Pioniere und haben auch früh Projekte realisiert: an der Autobahn in Chur, entlang des Eisenbahntrasses in Cordola. Kaiseraugst hat zur AKW Problematik Transparenz geschaffen. Und trotzdem gelingt es Politikern auch heute noch, sich mit dem Thema zu profilieren, statt dass sie es nachhaltig lösen.

  • Grenzen.. am 17.03.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Und an der Grenze...

    Für alle Atomgegner! Ihr befürwortet einen Ausstieg der Schweiz aus der Atomenergie,OK. Jedoch was wollt Ihr unseren lieben Französischen Freunden auftischen, welche an unserer Staatsgrenze gleich 5 AKW'S betreiben um Sie dazu zu bewegen Ihre AKW'S stillzulegen?

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  • Tom Schumacher am 17.03.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Das geht so nicht auf...

    Genau die Leute, welche nach erneuerbaren Energiequellen rufen, kämpfen im gleichen Atemzug gegen verschiedene Projekte, wie z.B. die Erhöhung des Grimselstausees, Bau von kleiner Flusskraftwerken. Ich bin sofort für einen Ausstieg aus der Atomenergie. Aber dafür müssen solche Projekte (wie oben angeführt) dann auch realisiert werden können. Ohne Wenn und Aber!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cécile Gross am 20.03.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben nur eine Schweiz!

    Wir haben nur eine Schweiz! Bei einem AKW-Gau bleiben grosse Landstriche für Jahrhunderte unbewohnbar. Natürlich bergen auch Stauseen ein Risiko, aber nach einem Unfall ist das Land immer noch bewohnbar. Ich bin sowieso für Solarstrom. Jedes Haus und alle Lärmschutzwände bieten genügend Fläche dafür! Es gilt endlich all die Hürden für erneuerbare Energie zu beseitigen. Unsere Politiker sind gefordert, bitte macht endlich vernünftige Politik mit der auch nachfolgende Generationen noch leben können!

    • Jürg B am 21.03.2011 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      Alle sind betroffen ...

      Wir haben nicht nur eine Schweiz sondern nur eine Welt..... Es ist an der Zeit die Prioritäten neu zu setzen so dass die neuen Generationen auch etwas von der Welt haben!

    • Benny Westermann am 28.03.2011 21:26 Report Diesen Beitrag melden

      ... und das nicht nur in der Schweiz ...

      wie sehr mir der Text doch aus aus der Seele spricht. =) und das wo ich aus Norddeutschland komme, aber es trifft ja für jede Region zu...

    • Roland Stalder am 31.03.2011 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      Strombarone ohne Visionen

      Leider steht diesen Forderungen eine der best organisierten Lobbies der Schweiz gegenüber. Unsere Stromerzeuger haben schlicht kein Konzept (und kein Interesse)wie dezentrale Kraftwerke für erneuerbare Energie gewinnbringend realisiert werden könnten. Obwohl niemand fordert, dass Treibstoff in der Schweiz erzeugt wird, ist das beim Strom offenbar ein ungeschriebenes Gesetz. Verabschieden wir uns doch von diesem gedanklichen Reduit und beteiligen wir uns an Solarkraftwerken in nicht bewohnbaren Gebieten. Dadurch entstünde eine neue einträgliche Industrie für ökonomisch schwächere Südländer.

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  • simon weber am 20.03.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Saubere Solarlenergie

    Sorry wäre schön wen es so einfach wäre! Aber dann müssten wir enlich von Grüner Seite nicht immer Einsprachen haben wen Windräder augestellt werden sollen oder die Wasserkraft ausgebaut werden sollte! Und ausserdem bezweifle ich, dass in so schneller Zeit mit erneuerbaren Energien die notwendige Lücke ersetzt werden kann! Und vorallem muss bedenkt werden das Solarzellen in China produziert werden! Und wieso? Weil die Produktionskosten niedriger sind und die Umweltauflagen tiefer sind! Viele wissen gar nicht was für ein Chemiecoktail bei der herstellung anfällt! Also so sauber ist Solarenergie

    • Boit am 23.03.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      Sauberere sauber

      Sauberer als Atomstrom auf jeden Fall! Und das ein Ausstieg einfach sein soll hat auch niemand behauptet. Die Schweiz hat ihre sauberen Energieressourcen noch längst nicht ausgeschöpft! Jetzt geht es darum, dass einflussreiche Stromlobbyisten einfach mal bitte zurückstehen! Tipp: Man kann auch mit sauberem Strom Geld verdienen!

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  • Peter Hunziker am 20.03.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gangbarer Weg

    Schon vor der Katastrophe in japan hat man kaum über die Risiken der Endlagerung bei Erdbeben gesprochen. Und bis jetzt gab es auch nie eine Abstimmung, ob wir dies Risiken eingehen wollen! Aber viele wollen nicht! Nationalrat Nussbaumer zeigt einen gangbaren realistischen Weg (im Unterschied zu den Grünen, die nur Wahlpropaganda machen...

  • Jean de Carouge am 20.03.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    auf Flyer und Klimaanlagen verzichten ..

    das könnten alle rot/grünen AKW Gegner schon seit über dreissig Jahren - tun sie aber nicht. Aber auch bei diesem Thema wollen die rot/grünen, dass alle anderen das machen was sie sagen um sich selber dann herzhaft zu bedienen und selbst-verwirklichen zu können.

    • Kloedens am 20.03.2011 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Alles Grosse hat mal im Kleinen begonnen

      Lasst doch mal diese Vorwürfe weg und beginnt konstruktive Lösungen zu finden, und zwar gemeinsam!! Wenn jede/jeder seinen kleinen Beitrag zur Energieeffizienz kontinuierlich leistet, wird es für uns alle ein einfacherer und kürzerer Weg zum Ziel, ohne die umweltschädlichen Energien zu leben. Man muss nur den Willen aufbringen, auf ein kleines bisschen Komfort zu verzichten und so Energie zu sparen. Alles Grosse hat mal im Kleinen begonnen. Also lasst uns daran arbeiten.

    • Cécile Gross am 20.03.2011 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      Schaufenster und Leuchtreklame

      Es sind wohl kaum "rot/grüne", die Schaufenster und Leuchtreklame die ganze Nacht brennen lassen. Da ist auch ein riesiges Sparpotenzial vorhanden!

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  • Philipp am 19.03.2011 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Markt steuert. Risiken versichern

    Der Atomausstieg ist sehr einfach. Das Restrisiko ist mit mindestens 40% zu versichern. Anstelle von 1:100'000 Jahren neu 1:25 Jahre. Schadenssumme gemessen an den Unfällen: 20 Milliarden = 10 Milliarden. Dann baut kein Betreiber mehr ein AKW. Sondern investiert in andere Technologien.