Stadt-Land-Graben

20. Oktober 2015 17:26; Akt: 21.10.2015 11:32 Print

«Die Schweiz ist tief gespalten»

Hätten nur Städter gewählt, wäre nicht die SVP, sondern die SP die grosse Siegerin. Stadt und Land sind sich zunehmend fremd.

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Wenn in der Schweiz die Bevölkerung in den grösseren Städten das Sagen hätte, wäre bei den Wahlen eine andere Geschichte geschrieben worden: Die Schlagzeilen vom Rechtsrutsch wären ausgeblieben. Stattdessen hätte SP-Präsident Christian Levrat ausgelassen feiern dürfen.

Denn die Sozialdemokraten legten in den fünf grössten Schweizer Städten teils stark zu. In Zürich, Bern und Basel kommen sie auf über 30 Prozent und sind die mit Abstand stärkste Kraft. Der Wähleranteil der SVP dümpelt dagegen zwischen 12,3 (Bern) und 17,9 Prozent (Zürich), während sie schweizweit historische 29,4 Prozent erreichte. Die Zahlen zeigen: Die Bevölkerung in den Städten denkt anders als jene in den Agglomerationen und ländlichen Gebieten. Und der Graben ist am Sonntag noch tiefer geworden.

«Die Schweiz ist tief gespalten»

«Wir sind froh, dass wir in den Städten so gut abgeschnitten haben. Das hat dazu beigetragen, dass wir trotz des Trends nach rechts ein respektables Ergebnis erzielt haben», sagt SP-Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen. Das Auseinanderdriften von Stadt und Land bereitet ihr aber auch Sorgen: «Es besteht die Gefahr, dass wir ganz andere Realitäten haben zwischen Stadt und Land – ähnlich wie in den USA.»

Auch die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz sagt: «Die Schweiz ist tief gespalten.» Viele Städter fühlten sich in Bundesbern schlecht vertreten – obwohl der Wohlstand vor allem in den Städten geschaffen werde.

Dass man heute mehr über den Stadt-Land-Graben als den Rösti-Graben spricht, führt Fetz unter anderem auf die Zuwanderungs- und Asyldebatte zurück: «In den Städten haben die Leute seit Jahrzehnten direkt mit Migranten zu tun – deshalb ist man viel offener und weiss, dass man auch eine Flüchtlingskrise bewältigen kann.» Auf dem Land regiere dagegen eine «Phantomangst» von bösen Ausländern, die einem den Job wegnehmen. «Diese Ängste bewirtschaftet die SVP systematisch.»

«Links-grüner Filz in den Städten»

Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer weist dies zurück: «In der Agglomeration legt die SVP zu. Dort ist der Migrationsdruck mindestens so gross wie in den Städten.» Die Städte seien traditionell Hochburgen von Links-grün, die nur schwer zu erobern seien.

Dies habe auch damit zu tun, dass die linken Regierungen die eigene Klientel anlockten, etwa mit dem Bau von Sozialwohnungen. Auch wohnten in der Stadt viele Kulturschaffende und Sozialarbeiter, die vom Staat lebten. «In diesem Filz zu punkten, ist schwierig.» Die SVP müsse sich aber auch an der eigenen Nase nehmen und in den Städten wieder besser mobilisieren.

Blockaden drohen

Gemäss Politologe Lukas Golder ist das Auseinanderdriften von Stadt und Land in der Deutschschweiz seit längerer Zeit zu beobachten – selbst in mittelgrossen Städten wie Thun oder Solothurn. Er sieht es als Folge eines neuen urbanen Lifestyles: «Es ist wieder angesagt, in den Städten zu leben – gerade bei Kreativen, Marketingfachleuten oder Selbständigen.» Diese sähen die internationale Öffnung als Chance, seien gut situiert und wählten eher links. «In dieser Welt herrschen andere Wertvorstellungen vor als in den Agglomerationen, wo die SVP stärker punktet.»

Entfremden sich Städte und Umland, birgt dies laut Golder Konfliktpotenzial: Wenn etwa die Bevölkerung der Städte bei Abstimmungen immer als Verliererin dasteht, könne sie dies frustrieren. «Das kann zu einer politischen Blockade führen.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas Fontana am 21.10.2015 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    langsam genug.

    ewiges gejammert. Was hätte man in der jetzigen Situation die in Europa herrscht gewählt. Es wird und wurde alles dchön gesprochen,egal ob es einen Rechtrutsch gegeben hat. Die normalen Schweizer/inne oder Familien die es nicht gut geht den wird so oder so nicht geholfen,egal ob Stadt oder land. Die offene Meinung zählt nicht mehr unser Land investiert lieber ins Ausland anstatt ins eigene Volk.

    einklappen einklappen
  • giftzwerg am 21.10.2015 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer wieder

    wenn nach den wahlen die SVP siegerin war,hat man irgendwas entdeckt um sie schlecht zu machen. Die SVP ist als sieger hervor gegangen BASTA. würde mich nicht wundern wenn neider nochmals plötzlich herrausfinden die abstimmung muss wiederholt werden.

  • Bruno Winkler am 21.10.2015 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzausgleich

    Ja klar! Darum zahlt der Kanton Zürich der Stadt einen dreistelligen Millionenbetrag damit des SP-Wählers Gilde weiter wursteln kann!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Lenzin am 22.10.2015 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe CH-Bürger

    Wäre der Wähleranteil 80% gewesen, sähe es etwa ähnlich aus. Bedenkt, dass viele Leute einfach zu faul waren um wählen zu gehen! Vielleicht wäre es noch viel besser für die SVP gelaufen?! Mir macht eher die Übermacht im Ständerat und die Aussage von Frau Fetz Sorgen: "wenn meine Kollegen mehr Sitze holen, oder sie halten können wäre das sensationell" Es muss in beiden Räten eine gewisse Harmonie herrschen, bevor man von einem echten Rechtsrutsch sprechen kann. So ist es nur wieder ein hin und her der beiden Kammern und kein richtiges vorwärts kommen in wichtigen politischen Fragen.

  • Zürcherin am 22.10.2015 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stadtzürcherin....

    ...und überzeugte SVP Wählerin

  • ErwinS am 21.10.2015 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Stadt - Land

    Falsch heute lebt man nicht wie früher das ganze Leben an einem Ort. Es kommt immer auf die Arbeit an. Es ist auch kein Problem 100 km zur Arbeit zu fahren. SVP-Wähler gibt es in der Stadt und auf dem Land. Es sind Leute die die Schweiz so lieben wie sie heute ist und nicht als Untertan in die EU wollen.

  • Franz Xaver am 21.10.2015 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!!!

    Viele Medien suchen immer nur einen "Graben", sei es der Röste- Stadt und Land-, Jung- und Altgraben usw. Hört endlich auf damit, wir gehören doch alle zusammen.

  • Z aus A am 21.10.2015 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    drei Kantona Schweiz

    wie glücklich bin ich das die Schweiz nicht nur aus diesen drei Kantonen besteht,und jetzt wieder groß reinhauen und nicht merken das der grössere Rest andersdenkend ist. aber von dieser Partei kann man ja nicht viel mehr erwarten