Coronavirus

24. Februar 2020 04:54; Akt: 25.02.2020 11:39 Print

«Die Schweiz muss vor Italien-Reisen warnen»

Politiker fordern Reisewarnungen für Italien sowie Passagierkontrollen an der Grenze. Das Bundesamt für Gesundheit wartet zu.

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Hast du Angst vor dem Coronavirus? 20 Minuten hat im Tessin nachgefragt. Enrico, Bellinzona: «Meine Freunde und Familie in Italien sind sehr verängstigt. Ich hier in der Schweiz noch nicht so. Die Behörden sind alarmiert, in Italien wie in der Schweiz. Ich glaube, dass sie das in den Griff kriegen. Wir gehen morgen chinesisch essen, auch wenn ich es nicht besonders mag. Ich finde, man sollte die Chinesen jetzt unterstützen, sie leiden unter etwas, für das sie nichts können.» Mario Rossi, Bergamo (IT): «Ich habe Angst und versuche, so wenig wie möglich aus dem Haus zu gehen. Wir haben viele Masken gekauft, in Bergamo wird es teilweise aber schon schwierig, noch welche zu kriegen. Es braucht jetzt Quarantänen und Kontrollen, um das Virus in den Griff zu bekommen.» Maela, Lugano: «Ich habe grosse Angst. Doch es bringt nichts, sich jetzt zu Hause zu verkriechen. Die Menschheit wurde schon immer von Krankheiten heimgesucht, das ist normal. Wir sollten unser Leben geniessen, solange wir noch können.» Anna-Rita und Gaetan, Frankreich: «Wir sind besorgt, dürfen uns vom Virus aber nicht paralysieren lassen. Wir denken nicht, dass die Atemschutzmasken etwas bringen und haben deshalb keine gekauft.» Federica aus Lugano und Maurizio aus Chiasso: «Wir sind schon ein wenig besorgt. Die Gesundheitsbehörden in der Schweiz wollen nichts machen. Wir denken, dass Kontrollen an der Grenze gut wären. Das wäre aber wohl schwierig umzusetzen.» Giada und Max, Stabio (Mendrisio): «Solange in der Schweiz keine Fälle bekannt sind, haben wir nicht gross Angst. Grenzkontrollen fänden wir aber gut.» Christian, Lugano: «Ich habe überhaupt keine Angst. An der Grippe sterben jedes Jahr viel mehr Menschen. Bis im März oder April wird das Virus wieder verschwunden sein.» Vincenzo, Napoli: «Meine Familie hat grosse Angst. Italien hätte die Grenzen schon im Dezember schliessen müssen, jetzt ist es zu spät. Die Schweiz könnte die Grenzen jetzt noch dichtmachen und sollte das auch tun.» Bruno aus Lugano und Christina aus der Lombardei: «Es ist schlimm, was man in den Medien hört. Aber wir leben unser Leben bis jetzt normal weiter. Wir sorgen uns erst, wenn das Virus hier ist.»

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Mehr als hundert Ansteckungsfälle, elf abgeriegelte Städte, drei Tote: Das Coronavirus sorgt in Norditalien für den Ausnahmezustand. Das Virus rückt damit nahe an die Schweizer Grenze: Im nur 25 Kilometer entfernten Veltlin wurde ein 17-Jähriger angesteckt.

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Das ruft auch Schweizer Politiker auf den Plan. Der Lega-Nationalrat Lorenzo Quadri will für italienische Grenzgänger, die im Dienstleistungssektor arbeiten, die Grenze dicht machen. Und CVP-Nationalrat Marco Romano fordert vom Bund Massnahmen, denn es sei sehr gut möglich, dass sich das Coronavirus über die Grenzgänger auch in der Schweiz verbreite.

Passagierkontrolle an der Grenze

«Der Coronavirus-Ausbruch in Italien ist brandgefährlich», findet auch SP-Gesundheitspolitikerin Yvonne Feri. Wenn die Schweiz nicht handle, habe das Tessin ein Problem. «Die Grenze zu schliessen, halte ich zum jetzigen Zeitpunkt aber für verfrüht.» Es brauche jetzt Coronavirus-Kontrollen an der Grenze zu Italien. «Möglichst bei allen Einreisenden sollte Fieber gemessen werden. Sowohl Autos als auch Züge müssen auf Passagiere mit Coronavirus-Symptomen überprüft werden.» Mögliche Verdachtsfälle sollen dann in die Spitäler verteilt werden: «Die Spitäler in der Schweiz und in Italien müssen sich dafür nun vorbereiten.»


Über 100 Infizierte, 4 Tote: Italien kämpft mit dem Coronavirus. Video: Tamedia

Die konkrete praktische Umsetzung müsse das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ausarbeiten, so Feri. Mit dem Einsatz von Sanitätstruppen oder dem Zivildienst solle dies aber machbar sein. «Es braucht diese Massnahme zum Schutz der Bevölkerung.» Sie habe Vertrauen in den Bundesrat, dass er die richtigen Schritte einleiten werde.

Ist eine Reisewarnung nötig?

Der Tessiner SVP-Kantonsrat Tiziano Galeazzi findet, die Schweiz müsse nun Reisewarnungen erlassen. «Dass die Schweiz bisher keine Warnung ausgesprochen hat, ist beunruhigend», sagt er. Die Bevölkerung brauche unbedingt detailliertere Reisehinweise. «Vorstellbar wäre eine Empfehlung, unnötige Reisen nach Italien zu unterlassen.» Italien ist das Land mit der höchsten Zahl an bestätigten Erkrankten in Europa.

Beim Bundesamt für Gesundheit heisst es auf Anfrage, es seien derzeit keine Massnahmen geplant. Man beobachte die «ernste» Situation in Italien aber genau. Am Montagvormittag werde man zum weiteren Vorgehen informieren. Auch haben die Behörden keine Reisewarnungen für Italien ausgesprochen.

Jeder Zöllner erhält Desinfektionsmittel

Roland Liebi, Präsident des Verbands des Zoll- und Grenzwachtpersonals, hält nichts von der gänzlichen Grenzschliessung, verstärkten Grenzkontrollen oder Temperatur-Checks. «Wir sollten nicht überreagieren.» Ohnehin hätte das Zollpersonal nicht annähernd die Ressourcen, solche Mammut-Aufgaben zu stemmen: «Das ist utopisch.» So sei das Personal beispielsweise schon am Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 mit den eigenen Mitteln an den Anschlag gekommen – einem Unterfangen, das im Vergleich zu flächendeckenden Coronavirus-Kontrollen nun aber noch als Klacks erscheine.

Liebi vertraut auf die Massnahmen der Behörden. «Bei Epidemien erhalten Zöllner klare Verhaltensanweisungen, etwa regelmässig die Hände zu waschen und zu desinfizieren.» Jeder Zöllner erhalte persönliches Desinfektionsmaterial. «Die Zollbehörden bestellen jeweils entsprechend nach, damit keine Engpässe entstehen.» Dies liege in der Verantwortung der Dienststellen.

Welche weitere Massnahmen am Zoll zur Eindämmung des Coronavirus möglich seien, liege in der Verantwortung des Bundesamts für Gesundheit, sagt Liebi. Beim Ebola-Ausbruch seien die Zollstellen mit speziellem Notfallmaterial versorgt worden. Zudem kann der Bund auch die Sanitätstruppen der Armee für Einsätze aufbieten, wie dies etwa an den Flughäfen möglich ist.


Strassenblockaden, Hamsterkäufe und Bars, die früher schliessen müssen: Norditalien kämpft gegen das Coronavirus. Video: Tamedia

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(pro/pam/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cat's Eye am 24.02.2020 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handeln

    Wirksame Massnahmen hätte es schon vor 2 Monaten gebraucht. Da man sich aber weiterhin mit händen und füssen gegen (zumindest) eine Kontrolle vehement wehrt, rechne ich mit den bald ersten Fällen bei uns..

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  • Akitemurt am 24.02.2020 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    augen auf

    Wir müssen nicht nur nach italien aufpassen sondern schon hier... Wenn ich jetzt weiss wie Quarantäne wirklich abläuft in der schweiz, haben wir das problem schon hier und müssen nicht bei denn anderen vorsichtig sein

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  • Zorro am 24.02.2020 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen Zu!

    Lieber Vor- als Nachsicht. Punkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Vonarburg am 04.03.2020 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Reisewarnung Italien vom BAG überfällig

    Es wäre wirklich nun ander Zeit, dassdas BAG eine Reisewarnung zumindest für Norditalien ausspricht. Reisebüros allen voran Voyage- Prive, verweigern die Stornierung von Reisen zum Beispiel nach Venedig mit 100% Rückerstattung. Auch Reiseversicherungen machen nichts bis dies geschieht. Hallo was muss eigentlich noch passieren bis es so weit ist!! Ich sprechen nicht von Grenzschliessung, sondern von einer einfachen REISEWARNUNG NACH ITALIEN. Somit könnten sicher hunderte Reisen welche vielleicht letztes Jahr schon gebucht wurden gecancellt werden. Und weniger Reisen = weniger Überträger.

  • marcel meuler am 26.02.2020 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bund schläft

    Es ist traurig zu sehen, wie der Bund reagiert. Anstelle die Bevölkerung zu schützen wartet er zu und tut das, was er am besten kann: beobachten. Zumindest eine Reisewarnung für Italien wäre dringend notwendig. Ebenso Temperaturkontrollen an der Grenze.

  • Cavallo am 26.02.2020 05:51 Report Diesen Beitrag melden

    Grenze zu

    Vielleicht merkt ja sogar BR Berset jetzt, dass es höchste Zeit ist sofort Grenzkontrollen mit allen nötigen Mitteln ( Militär) einzuführen !

  • Jürg am 26.02.2020 02:35 Report Diesen Beitrag melden

    Panik mache!

    Liebe Medien,, ichbin gerne informiert! Aber weniger ist mehr!! Panik braucht niemand..... aber leider ist geld geil!

    • marcel meuler am 26.02.2020 08:04 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Das hat doch nichts mit Geld zu tun. Zu informieren ist Pflicht der Medien und ich habe lieber etwas mehr Informationen als zuwenig.

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  • Ruth am 26.02.2020 01:19 Report Diesen Beitrag melden

    GRÜNE-PARTEI MACHT/SAGT GAR NICHTS

    Die Steuergelder müssen / sollten jetzt in diesen Virus von A-Z gesteckt werden und nicht für Grüne-Umwelt-Politik, und zwar subito