Südgrenze

15. Juli 2016 20:40; Akt: 15.07.2016 20:40 Print

«Die Schweiz schickte mich viermal zurück»

von Filippo Suessli, 20 minuti - Die Schweiz überstellt illegale Migranten, die in Chiasso einreisen, an Italien. Ein Eritreer erzählt, wie er trotzdem versucht, nach Norden zu reisen.

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An der Südgrenze führen die Schweizer Grenzwächter einen Kampf gegen Windmühlen: Allein in der ersten Juli-Woche mussten sie 966 Personen wegweisen, die illegal in die Schweiz eingereist waren. Das Grenzwachtkorps will mit den Kontrollen verhindern, dass sie zu einem Transitland für Schlepper wird.

Im italienischen Como campieren die Weggewiesenen mittlerweile im Freien. Sie versuchen immer und immer wieder, die Schweiz zu durchqueren – kürzlich wurden Migranten gar zu Fuss auf der Autobahn aufgegriffen. 20 minuti hat in Como eine Gruppe junger Eritreer getroffen, die in einem Park übernachtet hat. Wie seine Kollegen will Haden (17) nach Deutschland oder Holland reisen. Er erzählt, wie er die Situation erlebt.

Wie sind Sie hergekommen?
Wir haben den Sudan durchquert, dann Libyen. Zum Teil zu Fuss, zum Teil auf Lastwagen.

Und von Libyen?
Auf einem Boot. Wir waren 460 Personen. Angst hatte ich nicht, aber es war hart. Wir waren zusammengepfercht, und wir hatten eineinhalb Tage, um nach Sizilien zu gelangen.

Wie viel haben Sie bezahlt?
2200 Dollar. Jetzt habe ich kein Geld mehr. Keiner von uns hat noch Geld.

Warum sind Sie geflohen?
Meine Familie hat Probleme. Eritrea hat Probleme. Es gibt dort keine Demokratie.

Sind Sie in Italien in ein Zentrum gekommen?
Ja, aber das war kein Leben. Das Zentrum war sehr voll, wie das Gefängnis, die Menschen dort sind verrückt geworden. Jeder von uns hat viele Probleme. Dann haben sie uns aufgefordert zu gehen. Dann sind wir durch Italien gereist, Rom, Ravenna und jetzt sind wir hier. In Rom war wenigstens das Rote Kreuz, das uns etwas zu essen gab.

Seit wann sind Sie in Como?
Seit fünf Tagen.

Haben Sie versucht, die Schweiz zu passieren?
Viermal, aber ich kenne welche, die es zehnmal versucht haben. Die Polizei ist jedes Mal gekommen und hat uns aus dem Zug genommen. Es gab ein Foto, Fingerabdrücke und ein blaues Bändelchen um den Arm. Jene mit dem blauen gehen nach Como, jene mit einem gelben bleiben in der Schweiz.

Wohin wollen Sie gehen?
Nach Deutschland oder Holland, wenn uns die Schweiz durchlässt. Es heisst, dass wir dort bleiben können.

Werden Sie es morgen noch einmal versuchen?
Ich weiss nicht, ich bin müde. Vielleicht gehe ich nach Rom zurück. Einige von uns wollen nach Rom gehen, andere wollen es noch einmal probieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Ironiker am 15.07.2016 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will ich will ich will

    Ich will Asyl an der zürcher Goldküste. Gebt mir Millionen und eine Villa damit ich mich bei euch integrieren kann.

  • Blattherz am 15.07.2016 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja da muss man einen Riegel stossen

    Richtig so

  • Stadex am 15.07.2016 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Way

    Italien ist ein Sicheres Land somit ist das dass Problem der Italos.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Old Jack am 16.07.2016 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich möchte

    ich will auch noch viel haben, aber von nichts kommt nichts.

  • Jane38 am 16.07.2016 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt 4 mal?

    reicht es nicht wen man einmal abgewiesen wird um es zu verstehen?

  • D. Schnyder am 16.07.2016 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen zu!

    Italien soll dem Schengen-/Dublinabkommen nachkommen. Dann erübrigt sich jede Diskussion! In Tat und Wahrheit schieben uns die Italiener zigtausende unregistrierte Wirtschaftsasylanten jährlich unter! Die Tausenden von Migranten, die wir hier haben, kommen alle aus Italien. Auf solche Partner kann die Schweiz verzichten. Es gibt nur ein Mittel dagegen, Grenzen zu!

  • Cherokee am 16.07.2016 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich wil, ich will, ich will

    Ich will raus aus meinem Land. Ich will in ein sicheres Land. Ich will Unterkunft. Ich will Essen. Ich will (vielleicht) Arbeit. Herrschaft nochmal. Die sind bereits durch verschiedene sichere Länder gezogen. Somit Grundlagen als Flüchtling zu gelten bereits erfüllt. Kann mir niemand sagen, dass jemand der an Leib und Seel bedroht ist, in dieser Situation noch sagen kann "ich will, ich will, ich will", wenn man froh sein kann, in Sicherheit zu sein.

  • Karlsson am 16.07.2016 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und noch einmal.

    Wir wissen gar nicht wie gut wir es hier haben. Aber dennoch kann man nicht einfach mal jeden aufnehmen!