Beitritt zur Schweiz

30. Juli 2014 11:50; Akt: 07.08.2014 15:49 Print

«Die Schweiz wäre eine starke Wirtschaftsmacht»

von Nicole Glaus - Verschiedene Nachbarregionen wollen der Schweiz beitreten. Das würde das EU-Gefüge schwächen, sagt Politgeograf Michael Hermann.

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Nach Baden-Württemberg oder der Lombardei zeigt nun auch das Südtirol Interesse an einem Beitritt zur Schweiz. Wieso ist die Schweiz für das Ausland so attraktiv?
Hermann*: Ein Faktor ist die wirtschaftliche Stärke. Gerade in der Euro- und Wirtschaftskrise hatte sich die Schweiz als sehr robust erwiesen. Attraktiv ist zudem das politische System der Schweiz mit der direkten Demokratie und dem Föderalismus. Viele Nachbarregionen liegen weit weg von der eigenen Hauptstadt, sind kritisch gegen Europa eingestellt und haben oft ein konservatives, bürgerliches Profil.

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Was wäre überhaupt nötig, damit eine Grossmacht Schweiz zustandekommt?
Es bräuchte eine starke separatistische Bewegung in den abtrennungswilligen Gebieten, die eine Mehrheit der eigenen Bevölkerung gewinnen muss. Auch beide betroffenen Staaten müssten auf nationaler Ebene einem Übertritt zustimmen. In der Schweiz bräuchte es dazu eine Volksabstimmung. Es ist nicht nur eine regionale Angelegenheit. Denn es gibt im internationalen Recht das Grundprinzip der territorialen Integrität der Staaten und der Unverletzlichkeit ihrer Grenzen. In Italien und Deutschland, anders als etwa in Grossbritannien, ist eine Abtrennung einer Region gar nicht vorgesehen. Das heisst, es müssten die Verfassungsgrundlagen dazu geschaffen werden.

Wenn nun alle Grenzregionen der Schweiz tatsächlich beitreten würden, wie sieht ein solches Szenario aus?
Das würde die Schweiz zu einer der stärksten Wirtschaftsmächte in Europa machen. Denn viele der Nachbarregionen, die Interesse an einem Beitritt der Schweiz äussern, sind selber die wirtschaftsstärksten in ihren eigenen Ländern – wie etwa Baden-Württemberg oder die Lombardei. Diese wirtschaftliche Stärke würde auch den politischen Einfluss der Schweiz stärken. Gleichzeitig würde aber sehr vieles in Frage gestellt, wenn sich auf einmal die wirtschaftsstarken Regionen ablösen und zusammentun würden. Zudem würde dies das EU-Gefüge verändern und schwächen. Wer weiss, welche Dynamiken dies auslösen würde.

Wie stehen die Chancen, dass Süddeutschland, das Südtirol, die Lombardei und Sardinien bald zur Schweiz gehören?
Das ist praktisch ausgeschlossen. Man sieht das selbst in Regionen, wo der Wille nach politischer Unabhängigkeit vom eigenen Staat gross ist, wie etwa Katalonien in Spanien oder Schottland in Grossbritannien. Dort basieren die Trennungswünsche auf historischen Gegebenheiten und selbst da sind die Hürden extrem hoch. Wenn es hart auf hart kommt – das zeigen vergangene Beispiele – dann ermöglicht der Zentralstaat mehr Autonomie und beruhigt die Gemüter. Eine Abtrennung passiert typischerweise aus einer Krisensituation, die mit Gewalt und Bürgerkriegen verbunden ist – etwa die Trennung des ehemaligen Jugoslawien.

Liegt es denn überhaupt im Interesse der Schweiz, ihr Staatsgebiet zu vergrössern?

Es gab in der Vergangenheit verschiedene Debatten etwa um die Aufnahme des Veltlin oder des Voralberg in die Schweiz. Ein Argument dagegen war damals, dass die Schweiz nicht noch mehr katholische Regionen wollte. Die Schweiz hat zwei Konfessionen, vier Sprachen und 26 Kantone. Dieser Flickenteppich der Kulturen hat sich über 150 Jahre eingependelt. Würden nun plötzlich andere, grosse Regionen dazustossen, würde dieses Gleichgewicht verschoben. Abstimmungen zu institutionellen Fragen zeigen zudem, dass die Schweizer Bürger diesbezüglich immer sehr konservativ entscheiden.

*Michael Hermann ist Politologe und Geograf an der Universität Zürich

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • freier Schweizer am 30.07.2014 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    macht das Sinn ??

    Komisch, dauernd motzt die EU über die ach so freie Schweiz und will uns mit allen Mitteln zu einem Beitritt zwingen. Scheinbar haben einige jetzt realisiert, dass die EU ein Fass ohne Boden ist. Jetzt ist die Schweiz auf einmal wieder attraktiv!

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  • Ticinese am 30.07.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist Erfolgsmodell !

    Die EU würde lieber unseren Federalismus kopieren. Das wäre eine gute Regierungsform für die EU. Direkte Demokratie ! Aber davor haben sie höllisch Angst.

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  • Ticinese am 30.07.2014 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Piemont, Friuli-Venezia Giulia, Genua,

    Florenz, Veltlin, Vorarlberg wären auch noch zu haben. Ich habe schon vor über 20 Jahren mit Kollegen darüber nachgedacht. Ist spannend. Schweiz mit Meeranstoss. Sagenhaft !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 31.07.2014 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Turbo doof

    Ja bilden wir eine EU2 um die EU1 zu stürzen. So dumm möchte ich auch mal sein...seufz.

    • Louis Cyphre am 11.06.2015 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Nur weil....

      die EU Probleme hat un womöglich scheitert, heisst es nicht, dass eine Gemeinschaft von Staaten schlecht ist. Sind wir ehrlich: "Kantönligeist" hat auf einem globalisierten Planeten keine Zukunft. Damit der Mensch Überleben und sich konstruktiv Weiterentwickeln kann, müssten alle Grenzen niedergerissen werden, der Mensch müsse über seinen eigenen Tellerrand hinausblicken und Banalitäten wie Xenophobie und religiöser Fanataisms endlich überwinden. Ein Planet ein Land. Doch der Mensch ist zu Machtgierig, lebt den falschen Egoismus und zu Naiv. Somit ist das ganze Utopie.

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  • Ralph am 31.07.2014 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    wer glaubt denn, dass an diesem Bericht auch nur ein Wort Tatsache ist. Das ist ein Sommerlochfüller. Ich garantiere, dass für mich ein Anschluss von Baden ein Grund wäre, sofort auszuwandern. Und jeder meiner Landsleute hier, die jeden Samstag unter den CH Einkaufstouristen leiden, wird mir zustimmen Glaubt mir, Euer System ist nur anders, nicht besser. Und Ihr seid auch nicht besser als wir (auch wenn die Nase sehr hoch reckt)

  • Mr. am 31.07.2014 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PFZ

    Das wäre was, dann können wir die PFZ neu verhandeln, mal schauen ob die EU dann immer noch so strickt dagegen wäre :-)

  • VS/IT am 31.07.2014 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    och

    Neee dann würde die Schweiz ja gar nicht mehr aussehen wie ein Schweinchen :-)

  • baden württemberger am 31.07.2014 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    schweiz, nein danke

    als baden württemberger möchte ich nicht, dass mein heimat-bundesland der schweiz beitritt, die nur ihre vorteile sucht und sich nach aussen abschotten möchte. ich möchte nicht von einer SVP beherrscht werden. dann noch lieber die deuschen parteien.

    • kudi am 01.12.2014 17:27 Report Diesen Beitrag melden

      Neidisch

      Sobald etwas über die Schweiz gesprochen wird, hört man von den Deutschen nur negatives. Das zeigt deutlich, dass sie neidisch sind und nicht zugeben, wie es mit Deutschland steht. Wir Schweizer hoffen, dass wir nie von einer EU oder SPD/CDU - Regierung ins Elend regiert werden.

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