Virus kommt näher

24. Februar 2020 10:04; Akt: 24.02.2020 10:04 Print

«Kontrollen an der Grenze zu Italien wären wichtig»

Tessiner Bürger fühlen sich im Stich gelassen. Einige fordern Grenzkontrollen oder gar die Schliessung der Grenzen zu Italien.

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Hast du Angst vor dem Coronavirus? 20 Minuten hat im Tessin nachgefragt. Enrico, Bellinzona: «Meine Freunde und Familie in Italien sind sehr verängstigt. Ich hier in der Schweiz noch nicht so. Die Behörden sind alarmiert, in Italien wie in der Schweiz. Ich glaube, dass sie das in den Griff kriegen. Wir gehen morgen chinesisch essen, auch wenn ich es nicht besonders mag. Ich finde, man sollte die Chinesen jetzt unterstützen, sie leiden unter etwas, für das sie nichts können.» Mario Rossi, Bergamo (IT): «Ich habe Angst und versuche, so wenig wie möglich aus dem Haus zu gehen. Wir haben viele Masken gekauft, in Bergamo wird es teilweise aber schon schwierig, noch welche zu kriegen. Es braucht jetzt Quarantänen und Kontrollen, um das Virus in den Griff zu bekommen.» Maela, Lugano: «Ich habe grosse Angst. Doch es bringt nichts, sich jetzt zu Hause zu verkriechen. Die Menschheit wurde schon immer von Krankheiten heimgesucht, das ist normal. Wir sollten unser Leben geniessen, solange wir noch können.» Anna-Rita und Gaetan, Frankreich: «Wir sind besorgt, dürfen uns vom Virus aber nicht paralysieren lassen. Wir denken nicht, dass die Atemschutzmasken etwas bringen und haben deshalb keine gekauft.» Federica aus Lugano und Maurizio aus Chiasso: «Wir sind schon ein wenig besorgt. Die Gesundheitsbehörden in der Schweiz wollen nichts machen. Wir denken, dass Kontrollen an der Grenze gut wären. Das wäre aber wohl schwierig umzusetzen.» Giada und Max, Stabio (Mendrisio): «Solange in der Schweiz keine Fälle bekannt sind, haben wir nicht gross Angst. Grenzkontrollen fänden wir aber gut.» Christian, Lugano: «Ich habe überhaupt keine Angst. An der Grippe sterben jedes Jahr viel mehr Menschen. Bis im März oder April wird das Virus wieder verschwunden sein.» Vincenzo, Napoli: «Meine Familie hat grosse Angst. Italien hätte die Grenzen schon im Dezember schliessen müssen, jetzt ist es zu spät. Die Schweiz könnte die Grenzen jetzt noch dichtmachen und sollte das auch tun.» Bruno aus Lugano und Christina aus der Lombardei: «Es ist schlimm, was man in den Medien hört. Aber wir leben unser Leben bis jetzt normal weiter. Wir sorgen uns erst, wenn das Virus hier ist.»

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Während in gut 100 Kilometer Entfernung in Norditalien Dörfer wegen des Coronavirus abgeriegelt werden, herrscht ennet der Grenze in Bellinzona heitere Fasnachtsstimmung: Kostümierte Kinder werfen mit Konfetti um sich, betrunkene Jugendliche grölen die Schlagerhits mit, ein junges Paar steht knutschend in einem Hauseingang. Doch die Nachrichten aus dem Nachbarland lassen die Fasnächtler nicht kalt: Dass in Italien schon über 150 Personen am Coronavirus erkrankt sind, drei Personen starben und die Regierung den Notstand ausgerufen hat, sorgt auch hier für Gesprächsstoff.

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«Es braucht Kontrollen und Quarantänen»

«Klar habe ich Angst», sagt etwa Mario Rossi, der mit seiner Familie aus Bergamo angereist ist. «In den italienischen Nachrichten berichten sie von nichts anderem mehr. Die Menschen haben Angst, ihre Häuser zu verlassen. Auch wir haben uns überlegt, ob wir lieber zu Hause bleiben sollen, als an den Umzug zu kommen, wo es so viele Leute hat. Man weiss ja nie, wer einen anstecken könnte.»

Rossi sagt, dass es in Bergamo schon jetzt schwierig sei, noch an Atemschutzmasken zu kommen. «Es braucht jetzt Kontrollen und wenn nötig Quarantänen, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden», ist Rossi überzeugt. Angst hat auch Maela aus Lugano. Ihr Leben auf den Kopf stellen möchte sie deshalb aber nicht: «Wir haben alles, was wir brauchen: zu essen, Alkohol, Unterhaltung. Geniessen wir das Leben, solange wir können!», ruft sie lachend, bevor sie den Rest ihres Biers hinunterkippt und ihren Freunden nachrennt.

Kritik an Behörden und Sorge um den Tourismus

Federica aus Lugano sorgt sich derweil, dass die Schweizer Behörden nicht genug unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen: «Ich habe gelesen, dass sie gar nichts tun wollen. Ich denke, Temperaturkontrollen an der Grenze wären sinnvoll – auch wenn es vermutlich schwierig wäre, alle Personen, die von Italien in die Schweiz reisen, zu kontrollieren.» Auch Giada und Max aus Stabbio bei Mendrisio sind der Meinung, Grenzkontrollen wären sinnvoll.

In Lugano, das noch näher an der Grenze zum Tessin liegt, ist das Virus Gesprächsthema: «Viele Gäste sprechen besorgt über die jüngsten Entwicklungen», sagt Manuel Alvez, der in einem Restaurant in der Altstadt kellnert. Ihn stört, dass die Behörden bisher kaum informiert hätten. «Wir bekommen die Infos nur aus den Medien. Die Menschen müssen doch wissen, wie sie sich verhalten sollen», findet Alvez. Auch wegen der Gastronomie und dem Tourismus macht er sich Sorgen: «Ist das Virus erst einmal hier, werden die Menschen vermehrt in ihren Häusern bleiben. Das hätte natürlich negative Auswirkungen auf unser Geschäft.»

«Schweiz sollte die Grenzen dichtmachen, solange sie noch kann»
«Italien hat es verpasst, die Grenzen rechtzeitig dichtzumachen. Jetzt haben wir den Schlamassel», sagt Arturo di Mare aus Napoli, der gerade der Seepromenade entlangschlendert. Er ist mit seinem Sohn in Lugano auf Besuch. «Die Schweiz sollte die Grenzen schliessen, solange das Virus noch nicht hier ist. Doch vermutlich ist es dafür bereits zu spät», sagt di Mare. Etwas weniger ernst nimmt Sohn Vincenzo die Sache: «Solange keine Infektionen in meinem Umfeld auftreten, habe ich keine Angst.»

Nicht alle verfallen in Panik

Völlig entspannt reagiert der 84-jährige Christian Jäger: «Wer ein starkes Immunsystem hat, braucht sich nicht zu fürchten. Wäre das Virus tatsächlich so aggressiv, wären schon Millionen weltweit infiziert und viel mehr Menschen gestorben», sagt Jäger. «Ich bin überzeugt, dass das Virus bis spätestens im April wieder von der Bildfläche verschwunden und das ganze Tamtam vorüber ist.» Sagt der 84-Jährige, schliesst die Augen in der hellen Frühlingssonne und zieht genüsslich an seiner Zigarette.

(dgr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Linus am 24.02.2020 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was für Kontrollen?

    die Leute fantasieren aber brutal. Was für Kontrollen sollten das sein? Das Virus haben die Leute schon in sich bevor es überhaupt mit Symptomen ausbricht. So wie bei jeder Grippe. Wie sollte man also überhaupt etwas kontrollieren können? Die kompletten schweizer Grenzen dicht machen wäre das einzige was etwas nutzen würde. Kein Rein und kein Raus aus dem Land auf keinem Weg für niemanden.

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  • Nari Gauber am 24.02.2020 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt Handeln

    Besser wir schliessen die Grenze zu Italien jetzt, als dass wir in 2 Wochen den Gotthard schliessen und das ganze Tessin unter Quarantäne setzten müssen!

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  • Bürgerstimme am 24.02.2020 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das Schweigen irritiert

    Dass das BAG meist verzögert reagiert, sind wir uns gewohnt. Aber das was jetzt in dieser Situation nicht geboten wird aber geboten wäre, ist kontraproduktiv.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas am 25.02.2020 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei

    Ungefähr 3% sterben "aufgrund" der Krankheit. Mehrheitlich handelt es sich dabei um eher ältere und schwächere Personen. Der gesunde Durchnittsmensch muss sich wohl keine Sorgen machen. Also hört auf mit dieser Angstmacherei!

  • Deane am 25.02.2020 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt nur nicht in Hysterie verfallen

    den die verschliesst die Augen und Ohren vor nicht überlegtem Handeln und bringt in der momentanen Lage überhaupt nichts. Klar ist die Situation schon beängstigend, nur haben wir (im Moment) noch keine Möglichkeiten das ganze richtig einzuordnen. Ich hoffe für uns alle dass wir verschont bleiben.

  • DerRealist am 25.02.2020 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, die Schweiz..

    «Die Grenze zu schliessen, halte ich zum jetzigen Zeitpunkt aber für verfrüht.» Wann wäre es denn gehnem??

    • Heddy am 25.02.2020 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DerRealist

      Der Schweizer muss doch erst noch seine Vorräte auffüllen. Dann können wir schliessen.

    • P. Meier am 25.02.2020 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      dann aber alle

      Dann müssten alle Grenzen und die Flughäfen geschlossen werden. Solange eine erkrankte Person ohne z.B. Symptome via Brenner/Arlberg in die Schweiz reisen könnte, ist ein Aufhalten des Virus unmöglich.

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  • bianci am 25.02.2020 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massnahmen

    Gegen das Coronavirus kann nur ein totales Flugverbot von und nach der Schweiz nützen. Weiterhin für die gesamte Schweizer Bevölkerung ein totales Ausreiseverbot.

    • hip am 25.02.2020 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bianci

      Kein Problem für mich! Bleibe sowieso in der Schweiz!!

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  • Dummes Aufwiegeln der Untersten am 25.02.2020 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Es liegt doch nicht an der Regierung

    jede/r einzelne BürgerIn muss sich richtig verhalten. Dazu hilft ein Flyer.