Neuer Swiss-Jet

15. Oktober 2019 18:33; Akt: 15.10.2019 19:09 Print

«Die Triebwerk-Probleme sind beunruhigend»

Aviatik-Experte Hansjörg Bürgi sagt, die Triebwerk-Probleme beim Airbus A220 seien beunruhigend. Indem die Swiss als Erste den Jet kaufte, sei sie bewusst ein Risiko eingegangen.

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Herr Bürgi, drei Zwischenfälle mit dem Triebwerk innert weniger Monate: Ist der Flüsterjet ein Pannenjet?
Die Swiss hat zweifellos ein Problem. Sie ist der erste und grösste Betreiber des Flugzeugs und muss das Problem schnell lösen. Ein Problem hat auch der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney. Bei einem Zwischenfall am 25. Juli sind auch Teile eines Triebwerks weggeflogen, die Folge war eine Notlandung in Paris. Solche Meldungen sind beunruhigend. Dass es zu Zwischenfällen kommt, ist bei einem von Grund auf neu entwickelten Flugzeug aber nicht überraschend.

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Ist man bei der Entwicklung des Triebwerks zu sehr auf Effizienz gegangen?
Man versucht schon, bezüglich Effizienz an die Grenze zu gehen. Das neue Flugzeug ist sehr sparsam und sehr leise. Dafür ist es offenbar noch nicht sehr zuverlässig.

Was kosten die Flugannullationen die Swiss?
Das ist schwer zu sagen, da die Airlines ihre Erlöse nach Strecken niemals öffentlich machen. Es kommt auch darauf an, wie viele Reserveflugzeuge zur Verfügung stehen. Nach den Herbstferien dürfte sich die Situation entspannen, zudem wird die Swiss Regress auf den Hersteller der Triebwerke nehmen. Das ist in der Regel vertraglich geregelt.

Ist das Management ein zu grosses Risiko eingegangen, indem es als erste Airline weltweit ein komplett neues Flugzeug in Betrieb gestellt hat?
Das Management ist das Risiko bewusst eingegangen. Als Erstbetreiberin hat die Swiss respektive die Lufthansa Group sicher einen guten Preis für die Flugzeuge ausgehandelt. Dafür muss sie jetzt die Kinderkrankheiten ausbaden. Unter dem Strich dürfte die A220 wegen der Effizienz für die Swiss aber rentieren. Abgesehen von den Triebwerkproblemen, ist man bei der Airline mit dem modernen Flugzeug sehr zufrieden.

Das Flugzeug wurde wie der Doppelstockzug Dosto, der wiederholt mit Pannen für Schlagzeilen sorgte, von Bombardier entwickelt. Zufall?
Ich kenne mich bei der Bahn nicht aus. Eine Parallele gibt es aber: Beide sind Neuentwicklungen, die erst noch erprobt werden müssen. Dass es denselben Hersteller trifft, ist wohl Zufall. Bombardier kann aber froh sein, dass jetzt Airbus das C-Series-Programm übernommen hat.

Hat Airbus einen Fehler gemacht?
Nein. Seit Airbus die Modellreihe übernommen hat, gibt es neue Bestellungen. Der kleine Jet passt perfekt in die Produktpalette von Airbus.

Neben Airbus hat auch Boeing ein Problem mit der Boeing 737 MAX. Gibts Parallelen?
Nicht direkt: Bei Boeing ist eine jahrzehntealte Modellreihe an ihre Grenze gelangt. Aber beide Entwicklungen haben zum Ziel, möglichst effiziente Flugzeuge zu bauen.

Viele Passagiere dürften nach der Pannenserie ein mulmiges Gefühl haben.
Das ist möglich. Aber die Swiss überprüft jetzt alle Flugzeuge, zudem haben die Luftsicherheitsbehörden schon zuvor Sicherheitsauflagen verhängt. Der Imageschaden für die Swiss wird sich in Grenzen halten, wenn den Passagieren gute Flugalternativen angeboten werden können.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pyrat am 15.10.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SWISS kann nichts dafür

    Nur mal kurz an alle Nörgler zum klarstellen: SWISS kann herzlich wenig dafür, wenn die Triebwerke des US Hersteller Pratt & Whitney Probleme machen. Lieber die Flieger am Boden lassen bevor etwas passiert.

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  • Walter Bucher am 15.10.2019 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment an SWISS-Kundendienst

    Bin in Mailand und habe ein eMail von SWISS erhalten, dass mein Flug von Malpensa nach zürich wegen dieser Probleme annulliert ist. Zum Glück konnte ich telefonisch das Reisebüro von SWISS auf den ersten Morgenflug um 07:10 umbuchen und erreiche so trotz der Annullatiomn in Zürich meinen Weiterflug nach Miami. Wurde sehr freundlich am Telefon bedient - Kompliment an den SWISS-Kundendienst

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  • Tom am 15.10.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig von der Swiss

    Swiss hat eine gute Entscheidung getroffen. Sicherheit geht vor. Schuld ist ja nicht die Swiss sondern der Hersteller.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robin Roth am 16.10.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wird schon werden

    Lieber die Probleme werden am Boden festgestellt, statt erst nach einem Absturz am Boden. Das wird sich schon bessern. Hab ich gar keine Befürchtung. Übrigens ist der Flieger echt toll, wenn er fliegt.

  • Robin Roth am 16.10.2019 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sieht voll wie schräg aus

    Schaut man das Bild des Triebwerks von Vorne an, mit etwas Schalk. würde man sagen: Die haben das Teil einfach schräg eingebaut:o)) Ja Technik hat halt so ihre Tücken. Nicht alles Neue ist immer das Beste. Ich wäre bei Rolls Royce-Triebwerken geblieben. Die laufen noch mit warmer Luft. Hoffentlich wird es bald besser, sonst warte ich wieder stundenlang auf meine Frau am Flughafen.

  • Flieger am 16.10.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Triebwerksproblem

    Warum schreibt ein "Aviatik-Experte" schlecht über C-Serie Flieger jedoch nicht über den Triebwerkshersteller? Das Triebwerk von Pratt&Whitney (PW 1000) wurde nämlich schon eher und unabhängig von der C-Serie getestet und zertifiziert...

  • ROLAND am 16.10.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr SWISS-Lufthansa

    SWISS - für mich ein No-Go. Es ist halt nicht mehr SWISSAIR mit guter Qualität. SWISS=Lufthansa offerieren nicht mehr die Qualität der ehemaligen SWISSAIR. Deshalb andere Fluglinie wählen, was wir bereits mehrfach mit Erfolg gemacht haben.

  • Alberto am 16.10.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer Chaos!

    Mir egal fliege seit September 2016 eh nicht mehr und habe es auch nicht mehr vor, nicht wegen den Klimahysterikern aber wegen dem ständigen Stress und Chaos auf den Flughäfen!! Gibt noch andere Möglichkeiten zu verreisen !!!