Energiestrategie

26. April 2017 08:52; Akt: 26.04.2017 08:52 Print

«Die Windanlagen hören sich an wie Düsenflieger»

von D. Pomper - Anwohner klagen im Schwarzwald über Schlafstörungen und Kopfschmerzen, an denen Windkraftanlagen schuld sein sollen. Befürworter der Windenergie halten dagegen.

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«In den Nächten werden wir mehrfach wach und können nicht mehr einschlafen, auch die Kinder nicht», sagt Markus Schätzle. In seinem Heimatdorf im Badischen Schuttertal wurden letzten Sommer sieben Windkraftanlagen installiert. Anwohner klagen über störende Geräusch und kämpfen mittels einer Bürgerinitiative gegen die Anlagen an. Das Geräusch beschreibt Schätzle als wummern, als ein widerkehrendes «Wusch, wusch». Je nach Windstärke höre es sich an wie ein Düsenflieger. Betroffene klagen auch über Kopfschmerzen, Übelkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Windkraft soll mit der Energiestrategie auch in der Schweiz gefördert werden. Auf der Karte sehen Sie, wo bereits jetzt Windkraftanlagen stehen. Entstehen würden neue Projekte dort, wo ausreichend Wind vorherrsche, also «vor allem im Jura und dem Alpenraum und nicht in den Städten.» Kurz vor der Baubewilligung stehen fünf Windräder am Gotthardpass. Auf dem Grenchenberg soll ein weiterer Windpark entstehen. Geplant sind auch zwei Windräder - die bisher grössten der Schweiz – mit einem Rotordurchmesser von 127 Meter in Oberegg (AI) (im Bild/ Fotomontage). Befürworter der Windenergie betonen, dass Windenergieanlagen in den letzten Jahren effektiv geschützt würden. http://www.suisse-eole.ch So laut sind Windenergieanlagen im Vergleich. Quelle: http://www.suisse-eole.ch In der Schweiz wurde das Thema Windenergie und Lärm schon untersucht. Hundert Menschen, die von ihrem Wohnort aus das Windrad von Calandawind im Churer Rheintal sehen, wurden gefragt, wie sie die Geräuschemissionen beurteilten. 7 Prozent beantworteten die Frage mit «negativ», 35 Prozent mit «neutral» und 58 mit «positiv». Die Produktion durch Windenergieanlagen in der Schweiz ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Noch aber fristet die Windkraft in der Schweiz ein Nischendasein: Ende 2015 waren in der Schweiz 37 Gross-Windenergieanlagen installiert. Ihre Jahresproduktion entsprach 2015 dem Verbrauch von rund 36'000 Schweizer Haushalten oder weniger als 2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz.

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Das Badische Schuttertal ist ein beschauliches Gebiet im Schwarzwald. Seit aber letzten Sommer sieben Windkraftanlagen installiert wurden, ist die Idylle getrübt. Anwohner klagen über störende Geräusche und kämpfen mittels einer Bürgerinitiative gegen die Anlagen.

Umfrage
Würde es Sie stören, wenn in Sichtweite von ihrem Wohnort Windkraftanlagen gebaut würden?
17 %
16 %
25 %
40 %
2 %
Insgesamt 3402 Teilnehmer

«In den Nächten werden wir mehrfach wach und können nicht mehr einschlafen, auch die Kinder nicht», sagt Markus Schätzle in einem Beitrag des Nachrichtenportals Badisches.de. Das Geräusch beschreibt Schätzle als Wummern, als ein widerkehrendes «Wusch, wusch». Je nach Windstärke höre es sich an wie ein Düsenflieger.

Schätzle – im Grunde ein Befürworter der grünen Energiegewinnung – klagt über Kopfschmerzen, Übelkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Obwohl er ein ruhiger Mensch sei, reagiere er plötzlich schnell gereizt. «Wenn sich nichts ändert, sehen wir uns gezwungen, mein Elternhaus zu verlassen.»

Über 90 Prozent haben kein Problem mit Windkraftanlagen

Windkraft soll mit der Energiestrategie auch in der Schweiz gefördert werden (siehe Box). Doch was für Konsequenzen haben Windenergieanlagen für die Anwohner?

Der deutsche Arzt und Mitbegründer von «Ärzte für Immissionsschutz» Thomas Carl Stiller hat dazu auf der Website des Deutschen Arbeitgeberverbandes einen Gastkommentar verfasst. Gemäss Stiller sind 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung Infraschall-empfindlich. Diese litten bei «niederfrequente Schwingungen aus Kompressoren und Windkraftanlagen» an Schlafstörungen, Übelkeit, Tinnitus, Sehstörungen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Depressionen oder Ohrenschmerzen.

Auch in der Schweiz wurde schon untersucht, wie Anwohner auf Windenergieanlagen reagieren. Im Rahmen einer Studie der Universität St. Gallen wurden hundert Menschen, die von ihrem Wohnort aus das Windrad von Calandawind im Churer Rheintal sehen, gefragt, wie sie die Geräuschemissionen beurteilten. 7 Prozent beantworteten die Frage mit «negativ», 35 Prozent mit «neutral» und 58 mit «positiv».

«Windanlagen machen nicht krank»

«Dass Windenergieanlagen gewisse Menschen stören können, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber krank machen sie sicher nicht, sofern die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden», sagt Benjamin Szemkus von der Schweizerischen Windenergie-Vereinigung Suisse Eole. Es gebe weltweit keine wissenschaftlichen Studien, die belegten, dass Windenergieanlagen krank machten.

Aus Studien wisse man zwar, dass 6 Prozent der Anwohner sehr sensibel auf Windanlagen reagierten. «Natürlich wäre es schön, wenn es noch weniger wären. Aber wegen einer kleinen Minderheit auf den Ausbau von Windenergie zu verzichten, wäre absolut falsch», sagt Szemkus. Schliesslich gewinne man daraus sauberen, einheimischen Strom, insbesondere im Winter. Szemkus verweist weiter auf eine Studie, die zeigt, dass drei Viertel der Anwohner von bestehenden Windenergieanlagen in der Schweiz angeben, dass die Anlagen keine oder nur geringfügige Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben.

«Abstände von mindestens 450 Metern»

Auch müssten Schweizer Bürger dank dem föderalistischen System nicht befürchten, dass plötzlich ein Windrad in ihrem Garten stünde. «Hier kann jeder mitreden.» Zwar dauere das Bewilligungsprozedere deswegen zwar doppelt so lang wie etwa in Deutschland – dafür geniesse der Bau eine hohe Akzeptanz. Im Vergleich zu anderen Ländern sei zwar kein fixer Abstand zwischen Häusern und Windanlagen gesetzlich vorgegeben, es gelte aber, die Lärmschutzverordnung einzuhalten. Das führe zu Abständen von mehr als 450 Metern. «Anwohner werden durch die strengen gesetzlichen Vorgaben effektiv geschützt», sagt Szemkus.

Entstehen würden neue Projekte dort, wo ausreichend Wind vorherrsche, also «vor allem im Jura und dem Alpenraum und nicht in den Städten.» Kurz vor der Baubewilligung stehen fünf Windräder am Gotthardpass. Auf dem Grenchenberg soll ein weiterer Windpark entstehen. Geplant sind auch zwei Windräder – die bisher grössten der Schweiz – mit einem Rotordurchmesser von 127 Metern in Oberegg AI .

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 26.04.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen...

    "Hier kann jeder mitreden". Stimmt doch überhaupt nicht. Wenn die Behörden, Deinen Garten wollen, bekommen sie ihn auch. Enteignung nennt man das. Selbst erlebt.

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  • Michi am 26.04.2017 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Der berühmte Satz

    "Im bin ich für erneuerbare Energien" aber bestimmt nur wenn sie nicht in meiner Nähe ist, stimmts? Herrlich

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  • Ein Gegner am 26.04.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bachab

    Ich hoffe doch sehr das unsere Abstimmung bachab geschickt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michel am 27.04.2017 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das Energiegesetz muss abgelehnt werden

    In der Tat würden wir nachhaltig erhebliche Kostensteigerungen berappen müssen; die Landschaft würde nachhaltig durch Wälder von zu 80% stillstehenden Windmühlen zerstört; und der Staat würde sich, auch nachhaltig, in unser Konsumverhalten und Privatsphäre einmischen. Und keine Vorteile werden als Gegenleistung angeboten.

    • Skywalker99 am 27.04.2017 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michel

      wo 80% der Zeit die Windgeschwindigkeit unter der Cut-in Geschwindigkeit einer Windturbine ist, stellst keine Windturbine hin. So einfach ist das.

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  • Niklaus am 27.04.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Energielüge

    ich stimme Nein das ganze stinkt bis zum Himmel die in Bern wollen doch gar keine Lösungen sondern nur eine neue Geldquelle erschliessen.

    • Skywalker99 am 27.04.2017 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niklaus

      "die in Bern". soso. die sind wohl auch Schuld, dass Gas, Öl, Kohle und Uran endlich sind auf dieser Welt.

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  • M.G. am 27.04.2017 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Marktverzerrung

    Falsche Subventionspolitik bringt die Märkte in Schieflage. So wie in Deutschland wo der Strom nicht für den Verbraucherbedarf sondern für Subventionen produziert wird. Dort hat es eine hohe Überkapazität. Da Strom nur dann generiert werden kann wenn gleichzeitig Verbrauch da ist werden zukünftige Stromkontingente zu Dumpingpreisen verkauft damit man den neuen Stromerzeugern keine Abschaltprämien zahlen muss. Die Schweiz ist geographisch viel zu klein um in diesem Subventionswettlauf mithalten zu können, gegen die Gigawatt aus den Offshoreanlagen von RWE oder Vattenfall kann man nicht bestehen

    • Zukunftsorientierter am 27.04.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      Die Verzerrung läuft schon seit vielen Jahren, nämlich seit dem Tag als man begann Atomstrom zu subventionieren!!! Dann doch lieber erneuerbare Energien unterstützen anstelle in unsicheres und veraltetes System!!!

    • Skywalker99 am 27.04.2017 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zukunftsorientierter

      und ich unterstütze die energetische Verwertung überzähliger Ausrufezeichen in Kommentaten :-)

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  • Zukunftsorientierter am 27.04.2017 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    mehr als nur Wind!

    Mit diesem Bericht haben die Gegner genau das erreicht was sie wollten, es wird nun dauernd behauptet dass bei einem JA überall Windräder aufgestellt werden. Das ist aber FALSCH!! Der Artikel war ein Beispiel und nichts anderes!!! Diese einseitige Diskussion ist total nervig! Es gibt noch mehr, denkt an Fernwärme (man friert halt nicht im Winter!) oder Biogas und Biomasse!! Auch das sind erneuerbare Energien! Hört also auf mit dem Tunnelblick und seht richtig hin!!!

  • Felix Schweizer am 27.04.2017 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Neu Wege beschreiten

    Strom aus Windkraft könnte auch anders als mit riesigen Windmühlen erzeugt werden. Warum werden nicht Windfarmen mit baumhohen, leisen Windtürmen gebaut, deren Flügel um die senkrechte Achse drehen? Und wieso wird nicht für jedes neue Hausdach eine Solaranlage vorgeschrieben? Und was hindert die Politik, dezentrale, autonome Solarstromanlagen (Batteriesysteme) zu fördern?

    • Skywalker99 am 27.04.2017 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Felix Schweizer

      die technischen Antworten: Weil der Wirkungsgrad und der Ertrag vertikaler Maschinen geringer ist Weil das Windangebot in Bodennähe deutlich geringer ist als in der Höhe, Stichwort Grenzschicht. Unter dem Strich könnten mit kleinen vertikalen Windturbinen deutlich weniger Strom zu viel höheren Kosten produziert werden. Und tönen würden übrigens auch die.

    • Felix Schweizer am 27.04.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer Lösung

      Skywalker99: Wie wärs mit einem guten Schweizer Kompromiss? Man verzichtet auf Riesenanlagen, bezahlt etwas mehr für den Strom, schont unsere noch meist wunderschöne Landschaft und damit auch den Tourismus, der vom Verkauf der Landschaft lebt.

    • Skywalker99 am 27.04.2017 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Felix Schweizer

      Das Thema Riesenanlagen in der CH entschärft sich schon dadurch, dass die dafür notwendigen Riesenteile sich oft gar nicht sinnvoll zu den geeigneten Standorten bringen lassen.

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