Zersiedelungsinitiative

27. November 2018 18:01; Akt: 27.11.2018 18:01 Print

«Schöne Landschaften werden verschandelt»

von E. Kempf - Innert 33 Jahren ist die Siedlungsfläche in 21 Kantonen explodiert. Die Initianten der Zersiedelungsinitiative sehen sich bestätigt.

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Neue Zahlen des Bundesamts für Statistik befeuern den Streit um die Zubetonierung der Schweiz. Laut BFS hat die Siedlungsfläche in der West-, Zentral- und Nordschweiz zwischen 1982–2015 um 31 Prozent zugenommen, was 2700 Fussballfeldern pro Jahr entspricht.

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Diese Ergebnisse alarmieren die Initianten der Zersiedelungsinitiative, die am 10. Februar 2019 zur Abstimmung kommt. Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, fühlt sich durch die Resultate bestätigt: «Die neuen Zahlen zeigen, dass die Zersiedelung ungebremst weitergeht und dass die Massnahmen aus dem revidierten Raumplanungsgesetz nicht greifen.» Mit der Volksinitiative möchten die Jungen Grünen erreichen, dass neues Bauland nur noch dann eingezont werden darf, sofern ein qualitativ vergleichbares Stück Land ausgezont wird.

Schöne Landschaften würden verschandelt

Die Fläche des bebaubaren Landes soll damit eingefroren werden. «Die Zersiedelung ist das Umweltproblem Nummer eins in der Schweiz. Sie führt dazu, dass die zurückgelegten Autokilometer pro Kopf steigen. Das schadet der Umwelt massiv», meint Franzini. Im Argumentarium für die Initiative warnen die Jungen Grünen vor den gravierenden Folgen: Die schönen Landschaften der Schweiz würden verschandelt und aufgrund verschwenderischer Bauweise würden Grünflächen geopfert.

Die Angst vor der Zubetonierung der Schweiz war bereits bei der Ecopop-Initiative 2014 ein Thema. Die Wachstumskritiker sahen in der Zuwanderung das Hauptproblem. Gegen dieses Argument wehrt sich Luzian Franzini. Er sieht den Treiber der Zersiedelung nicht in der Zuwanderung, sondern im steigenden Flächenverbrauch pro Person: «Wenn wir die vorhandenen Bauzonen effizienter nutzen, würden nicht immer mehr Grünflächen der Zersiedelung zum Opfer fallen.»

Im Parlament hatte die Initiative keine Chance. Nur die Grünen und ein Teil der SP stimmten dafür. Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur Ablehnung.

«Initiative ist radikal und kontraproduktiv»

Die neuen Zahlen stimmen die Gegner nicht um. CVP-Nationalrat Thomas Egger anerkennt, dass die BFS-Zahlen zeigen, dass «zwischen Romanshorn und Genf ein unübersichtlicher Siedlungsbrei» entstanden sei. «Diese Entwicklung gibt einem zu denken.» Trotzdem hält er die starren Bestimmungen der Zersiedelungsinitiative für zu radikal und gar kontraproduktiv.

«Der Konstruktionsfehler der Initiative ist, dass sie viel zu starr ist, die Bauzonen auf ewige Zeiten einfrieren will und in die Kompetenzen der Kantone und Gemeinden eingreift.»
Für Egger ist der Handlungsbedarf zwar gegeben, das Problem der Zersiedelung werde aber bereits mit der ersten Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG) angegangen, das 2014 in Kraft trat. «Die Kantone und Gemeinden werden schon verpflichtet, die Zersiedelung zu stoppen und die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken.» Die Kantone und Gemeinden seien daran, diese Vorgaben umzusetzen. «Die Initiative ist deshalb überflüssig»

Für CVP-Nationalrat ist 10-Millionen-Schweiz möglich

Das RPG besagt unter anderem, dass grosse Bauzonen verkleinert werden müssen und nur so viel Bauland eingezont werden darf, wie für die nächsten 15 Jahre benötigt wird. Dazu kommt, dass neue Einzonungen regional abgestimmt werden müssen und Gemeinden nicht mehr im Alleingang entscheiden können.

Auch längerfristig hat Egger keine Bedenken, dass die Schweizer Landschaft durch Wirtschaftswachstum und Zuwanderung verschandelt würde. Laut BFS könnte die Schweiz 2035 10 Millionen Einwohner zählen. Platz habe es noch genug, sagt Egger. Er geht davon aus, dass einerseits das Verdichtungspotenzial nach innen ausgenutzt wird und andererseits mit steigenden Wohnungspreisen und zunehmend verdichteter Bauweise in den Städten ein Trend zurück aufs Land stattfinden könnte.

Mitarbeit: P. Michel

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sybille am 27.11.2018 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ländli

    Stoppt die Zuwanderung es kann doch nicht sein das die kleine Schweiz vermutlich jetzt schon 10 Millionen,wenn es eine Hungersnot gibt ist nicht einmal eine Versorgung für die Bevölkerung gewährleistet,ich bin sehr traurig was ist aus unserem schönen Land geworden,

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  • Max Power am 27.11.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In 20 Jahren

    Wo kommen sie her? Aus der Schweiz. Und welche Stadt? Na Schweiz...

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  • ernst streuli am 27.11.2018 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Stadtstaat Schweiz?

    Ein überbevölkerter 10 Millionen Stadtstaat Schweiz? Dazu zunehmende Tropensommer der Klimakatastrophe? Ohne mich, da wandere ich lieber nordwärts aus!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Luca. B am 01.12.2018 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder.

    Dürfte man bei uns riesige Hochhäuser wie in anderen Ländern bauen, müssten wir auch nicht jeden Quadratmeter unseres Landes überbauen. Geld haben wir ja mehr als genug.

  • MadChengi am 28.11.2018 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Überdachen

    Frage: Wie baut man das grösste Irrenhaus der Welt? Antwort: Einfach Österreich überdachen! Spass beiseite, wieso nicht einfach die Schweiz unterkellern und 2-3 Untergeschosse bauen, dazu mehrstöckig komplett überdachen. Die Baubranche würde begeistert mitmachen! Mit modernster Technik und ETH Ingenieuren kriegt ihr das locker hin.

    • Feriengeniesser am 28.11.2018 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      ... im schönen Tirol ...

      MadChengi: Die Österreicher nehmen sich im Gegensatz zu den Schweizern oft an der eigenen Nase. Sie haben auch die Nase vorn, wenn es geht, harmonische Landschaften zu schützen und zu pflegen. Wenn man ständig den Bausünden der vergangenen Jahrzehnte in der Schweiz begegnen muss, schätzt man erholsame Ferien in idyllisch gebliebenen österreichischen Alpentälern. Es braucht keine Unterkellerung der Schweiz, aber mehr Liebe zu Heimat und verträglicher Architektur.

    • Daisydream am 28.11.2018 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadChengi

      Man muss sich das bildlich vorstellen und schon ist man in einem Horror-Fantasy-Film. Dann würden wir erfahren, wie sich Batteriehühner fühlen. Hoffentlich liest das keiner, der es dann unbedingt umsetzen will.

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  • Sepp Trub am 28.11.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist kaputt, liebe Eidgenossen

    La Suisse n'existe plus. Nix mehr Briefkaesten mit Mueller's & Meier's, nix mehr Geruch von Gerstensuppe im Innenhof und der Milchmann kommt auch nicht mehr morgens ins Treppenhaus der miesen Wohnsilos.

    • Trudi Trub am 28.11.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      trauriges Schwiizerlaendli

      @Sepp: und die Kindern sind nicht mehr Heidi, Vreneli, Ursina, Hans oder Ueli.

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  • Bärbel am 28.11.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Zuwanderung keine verbaute Schweiz

    Leider will unsere Regierung eine total verbaute Schweiz,sonst hätten sie die Zuwanderung schon längst stoppen können.Sie wollen den Rahmenvertrag,den Migrationspakt unterschreiben und die Kohäsilionsmilliarde an Juncker verschenken.Lieber keine Regierung als eine schlechte Regierung.

    • Engstirnosaurier am 28.11.2018 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Binnödschuldneiichnödnie

      Wie wärs, wenn man einfach mal verhindern würde, dass Leute überhaupt Gründe zum Auswandern haben? Aber man braucht ja sein billig H&M Tshirt, seine Bananen und Mangos und brasilianisches Chicken für Zweifrankefüfzg, global Ausbeuten aber lokal verschanzen. Peinlich.

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  • Schweizer am 28.11.2018 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch der Grünen

    Warum wollen ausgerechnet die Grünen mit ihrer Zuwanderungs-Politik der offenen Grenzen unsere einmalige Natur mit Überbevölkerung zerstören. Mit Wohnbauten und Erweiterung der Infrastruktur , wird der natürliche Lebensraum zerstört.