SVP-Hardliner Glarner

08. Juli 2016 18:00; Akt: 23.11.2016 16:03 Print

«Die Zustände in den Camps gehen mir nahe»

SVP-Asylchef Andreas Glarner besuchte Flüchtlingscamps in Griechenland. Es sei ihm eingefahren – seine Positionen will er aber nicht grundlegend ändern.

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Andreas Glarner besuchte im Sommer zwei Flüchtlingscamps in Griechenland. Mit diesem Flyer ermuntern die Gemeinde und Private die Bevölkerung nun, zu spenden. Glarner hat während der Reise auch selbst Fotos geschossen. «Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen», berichtet er. Er sprach mit den syrischen Familien in den Zelten. Auch Zeit für Selfies blieb während der viertägigen Reise. «Wenn Sie dieses Camp sehen, die Babys, dann fährt das ein. Das ist heavy - die Leute haben keine Privatsphäre, nichts, 600 Leute in einer Halle bei einer Bruthitze», so Glarner. «Ich bin überzeugter denn je, dass wir das Problem vor Ort lösen müssen. Die Schweiz muss mehr tun - um Syrien herum und auch in Griechenland - und das Geld dafür in der Entwicklungshilfe einsparen.» Glarner zieht den Hut vor den Volontären und dem Hilfswerk Swisscross.help, die in einem der Lager das Leben der Flüchtlinge erträglicher machen. Autorin und Helferin Andrea Fischer Schulthess hatte Glarner via Facebook aufgefordert, mal einen Augenschein vor Ort zu nehmen, weil sie sich über Aussagen des Aargauers aufgeregt hatte. Glarner sagte zu, die Reise bezahlte er selbst. Nun will er in Oberwil-Lieli eine syrische Familie aufnehmen. «Jedem einzelnen Flüchtling merkt man an, dass er zwar nicht zufrieden ist mit der Situation, aber doch froh ist, in Sicherheit zu sein.» Die Volontäre sorgen für eine Tagesstruktur und gemeinsame Aktivitäten für die Flüchtlinge.

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Fehler gesehen?

Herr Glarner, auf Einladung der Autorin und Helferin Andrea Fischer Schulthess besuchten Sie zwei Flüchtlingscamps in der Nähe von Thessaloniki. Was haben Sie gesehen?
Es handelte sich um alte Fabrikhallen, wo man Zelte aufgestellt hat. Im Lager in Frakaport sind die Flüchtlinge praktisch sich selbst überlassen, weil Griechenland das Geld gar nicht hat, um sie zu versorgen. Die Armee liefert einfach etwas Wasser und Verpflegung. Im anderen Camp sorgt das Hilfswerk Swisscross.help mit seinen Volontären für eine gewisse Tagesstruktur – da merkt man einen riesigen Unterschied. Ich habe mit einigen syrischen Familien mit Kindern geredet, von denen wohl alle Anrecht auf Asyl haben. Jedem Einzelnen merkt man an, dass er zwar nicht zufrieden ist mit der Situation, aber doch froh ist, in Sicherheit zu sein.

Haben Sie so ein Lager schon einmal gesehen?
Nein. Wenn Sie dieses Camp sehen, die Babys, dann fährt das ein. Das ist heavy – die Leute haben keine Privatsphäre, nichts, 600 Leute in einer Halle bei einer Bruthitze. Das ist der Mensch 1:1 und nicht die globale Asylpolitik. Zum Vergleich: Wenn ein Flugzeug abstürzt und man jemanden gekannt hat, ist die emotionale Betroffenheit auch viel grösser. Zugleich muss man realistisch bleiben und sagen: Wir können nicht die ganze Welt retten.

Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?
Ein Syrer hat erzählt, wie er x-mal versucht hat, übers Meer zu kommen, ihn aber Schlepper gnadenlos ausgenommen haben. Er hat fünfmal für die Überfahrt bezahlt – und viermal ging die Reise in die Hose. Das finde ich verrückt.

Einem ARD-Reporter sagten Sie einst, Sie würden einer Mutter mit Kind am Grenzzaun zu Europa sagen, dass sie «die Reise vergebens gemacht hat und umkehren soll». Ist das immer noch Ihre Meinung, nachdem Sie die prekäre Situation vor Ort gesehen haben?
Die Frage bezog sich auf den Grenzzaun, den es auf der Balkan-Route inzwischen gibt. Die Botschaft war: Ihr könnt nicht alle nach Europa kommen. Das ist nicht unmenschlich. Im konkreten Fall kommen die Leute mit dem Boot. Das kann man logischerweise nicht untergehen lassen – da hilft man als Mensch.

Also bleiben Sie ein Hardliner? Oder wird sich die Asylpolitik der SVP nach den Erlebnissen im Camp ändern?
Ich bin überzeugter denn je, dass wir das Problem vor Ort lösen müssen. Die Schweiz muss mehr tun – um Syrien herum und auch in Griechenland – und das Geld dafür in der Entwicklungshilfe einsparen. Ich setze mich auch dafür ein, dass die rund 600 Flüchtlinge aus dem Camp ein Bleiberecht bekommen. Aber es macht keinen Sinn, wenn dann weitere 600 kommen. Vorher muss abgestellt werden, dass man übers Meer fährt.

Als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli AG bezahlen Sie lieber Geld, als Flüchtlinge aufzunehmen. Würden Sie keine der Familien aus den Camps aufnehmen?
Wenn es technisch möglich ist, sehr gerne. Wir möchten im nächsten Jahr auch eine syrische Familie aufnehmen. Das haben wir der Bevölkerung schon gesagt.

Laut dem «Blick» wollen Sie Ihren beiden Töchtern ein Auswanderungskonto anlegen. Im Ernst?
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in wenigen Jahrzehnten ein ernsthaftes Problem haben werden, wenn Europa so weitermacht. Entweder müssen wir Kopftücher tragen oder werden einfach verlumpen. Und dann kann es sein, dass man auch einmal aus Europa flüchten muss. Ich möchte, dass beide einen substanziellen Betrag haben, damit sie auswandern könnten, falls sie das müssten.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 666777 am 08.07.2016 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echte Kriegsflüchtlinge

    Das sind echte Flüchtlinge und nicht Wirtschaftsflüchtlinge. Würden wir richtig selektieren hätten wir Platz für die. Wir sollten endlich härter durchgreifen!

    einklappen einklappen
  • ezok am 08.07.2016 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    titel

    Ich teile seine Ansichten nicht, aber Hut ab, dass er auch wirklich hingegangen ist.

  • Alumdria841 am 08.07.2016 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deftige Aussage

    Das am Schluss ist krass mit dem Auswanderungs Konto. Da bekomme ich schon fast Angst.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Teures Reisli am 09.07.2016 02:34 Report Diesen Beitrag melden

    Spendengeld aus Herrliberg?

    Egal, wieviel Herr Glarner den Medien für diese Schönwetter-Aktion bezahlt: Ich mag ihn nicht mehr hören! Übrigens: Wer hat sein Schulreisli finanziert?

  • Seppetoni am 09.07.2016 02:27 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaundlich, diese Wendung

    Ich hatte ja schon die Hoffnung verloren bei Herrn Glarner. Konnte mir echt nicht erklären was im Kopf dieses Mannes - notabene Vater zweier Töchter - so vorgeht. Bin heute sehr positiv überrascht worden. Dass sich Glarner, aber auch Meyer und Wermuth die Situation vor Ort ansehen und darüber berichten ist wichtig. Kompliment. Nun müssen aber Taten folgen. Einige Ansätze wurde ja genannt, es gibt noch andere. Man muss jetzt einfach schnell, konsequent und wirksam unterstützen.

  • Paula T. am 09.07.2016 02:27 Report Diesen Beitrag melden

    Egomane?

    Dieser Mann hat noch nicht gelernt, dass man andere Menschen und ihr trauriges Schicksal nicht billige Werbeaktionen in eigener Sache missbraucht!

  • UInverständlich am 09.07.2016 02:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Aktion

    So ein unglaubwürdiger Politiker und eine PR-Aktion, die an Zynismus kaum noch zu übertreffen ist!

  • Eidgenosse am 09.07.2016 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Oje, die PR-Maschinerie läuft und läuft. Ich möchte einmal viele Wochen und Monate lang nichts von diesem Märchenonkel hören!