Guantánamo-Uiguren

31. März 2010 13:12; Akt: 31.03.2010 14:08 Print

«Die beiden waren aus dem Häuschen»

von Joel Bedetti - Die beiden uigurischen Ex-Häftlinge aus Guantánamo haben sich in Delémont eingelebt, besuchen bald die ersten Französisch-Lektionen und freuen sich über ihr grosses Los.

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Die neue Heimat der uigurischen Guantanamo-Veteranan: Das schöne Delémont. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Am Dienstag vor einer Woche sind die beiden uigurischen Brüder Bahtiyar und Arkin Mahnut nach acht Jahren Haft in Kloten gelandet und danach in ihre neue Heimat, den Kanton Jura, gefahren. Seither hat man nichts mehr von ihnen gehört. 20 Minuten Online hat bei Endili Memetkerim, dem Sprecher der Uiguren in der Schweiz, nachfragt.

20 Minuten Online: Herr Memetkerim, haben sie schon etwas von ihren beiden Landsleuten im Jura gehört?
Endili Memetkerim: Ja! Am Sonntag habe ich sie das erste Mal besucht. Es geht ihnen gut. Sie leben in einer Wohnung in Delémont und freuen sich, dass sie eine feste Bleibe haben.

Was haben Sie mit ihnen gemacht?
Wir haben ihnen uigurisches Essen mitgebracht. Die beiden waren ganz aus dem Häuschen, sie haben sich unglaublich gefreut, nach Jahren wieder einmal mit Landsleuten zu essen. Dann gingen wir in Delémont spazieren, tranken Kaffee und redeten.

Über was haben sie geredet?
Über die Situation der Uiguren in China, aber vor allem über ihre Zukunft natürlich. Sie haben mir immer wieder versichert, wie froh sie seien, in der Schweiz zu sein. Andere Landsleute hätten ihnen gesagt, dass sie von allen ehemaligen Guantánamo-Uiguren wohl das beste Los gezogen hätten.

Haben sich die beiden schon eingelebt?
Ja, die Stadt gefällt ihnen. Sie bewegen sich frei, machen Spaziergänge.

Werden die beiden in ihrem Alltag betreut?
Begleiter vom Migrationsamt stehen ihnen zur Seite. Ausserdem ist ein Mitglied unseres Vereins der Exil-Uiguren für einige Zeit in den Jura gezogen, der geht zum Beispiel mit ihnen einkaufen. Wir haben ihnen aber auch klargemacht, dass sie möglichst rasch selbstständig werden müssen. Es können nicht ständig Landsleute um sie herum sein.

Lernen die beiden jetzt französisch?
Sie werden wohl bald beginnen. Wir haben ihnen gesagt, dass sie in einer komfortablen Situation sind, um die Sprache zu lernen. Viele Uiguren in der Schweiz sind Asylbewerber, sie wissen nicht, ob sie bald wieder ausgeschafft werden. Dieser Druck macht es schwer, die Sprache zu lernen. Dieses Problem haben die beiden aber nicht.

Trotzdem; sie haben acht Jahre Guantánamo hinter sich. Wie geht es den beiden?
Der Ältere ist psychisch etwas angeschlagen, und natürlich brauchen die beiden noch ein paar Wochen, um zur Ruhe zu kommen. Man wird noch sehen, was für Auswirkungen die Jahre in Guantánamo haben. Am Sonntag haben die beiden aber einen gefassten Eindruck gemacht. Wir Uiguren werden auch in der Heimat verfolgt – wir haben starke Nerven.