Kriminalität

30. Mai 2017 19:49; Akt: 30.05.2017 19:49 Print

«Die hohe Rückfallquote ist erschreckend»

von A. Schawalder - Jugendliche Wiederholungstäter landen als Erwachsene mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder vor Gericht. Lassen sie sich stoppen?

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Begeht ein Minderjähriger mehrere Straftaten, ist die Chance gross, dass er als Erwachsener rückfällig wird. Das geht aus einer neuen Studie des Bundesamts für Statistik hervor. Dieses hat die Urteile von über 6000 Straftätern mit dem Jahrgang 1992 verglichen.

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Zwar geht die Jugendkriminalität seit 2010 zurück. Allerdings zeigt die Untersuchung, dass rund ein Viertel aller minderjährigen Verurteilten im Alter zwischen 18 und 23 rückfällig wird. Frappierend ist: Je öfter eine Person im Teenager-Alter vor dem Richter stand, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch als Volljährige wieder kriminell wird. Bei den 225 Personen des Jahrgangs, die mindestens vier Vorstrafen im Jugendalter haben, liegt die Rückfallquote bei 64 Prozent (siehe Bildstrecke oben).

«Hohe Rückfallquote ist erschreckend»

Dass beinahe zwei von drei jungen Wiederholungstätern auch als Erwachsene auf der schiefen Bahn bleiben, bereitet Politikern Sorgen. «Die hohe Rückfallquote ist erschreckend», sagt etwa SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Er will diese Gruppe härter anpacken. Man müsse darum schon im Jugendalter stärker abschrecken: «Die heutigen Massnahmen nehmen die Täter oft gar nicht ernst.» Härtere Strafen würden den Jugendlichen jene Lektion erteilen, die sie benötigten – und damit einem späteren Rückfall vorbeugen.

FDP-Ständerat Andrea Caroni dagegen hält härtere Strafen – namentlich bei schweren Verbrechen wie schwerer Körperverletzung – für sinnvoll. Auch bei Wiederholungstätern könnten harte Strafen durchaus eine Abschreckungswirkung haben. Das heutige System, bei dem die Jugendlichen teilweise eng betreut werden, habe jedoch auch seine Berechtigung: «Wenn ein Jugendlicher dank guter Betreuung später keine Straftaten mehr begeht, ist das in unser aller Interesse.»

«Gefängnisstrafen gibt es praktisch keine»

Patrik Manzoni, Kriminologe an der Universität Zürich und der ZHAW, sieht keinen Anlass für eine Verschärfung des geltenden Rechts. Das Jugendstrafrecht setze weniger auf Strafe, sondern schaue «den persönlichen Bedarf des Täters» an: «Bei der ersten Straftat wird oft verwarnt. Möglich sind auch Bussen oder dass die Jugendlichen wohltätige Arbeit leisten müssen.» Zu Gefängnisstrafen komme es praktisch nie, auch wenn solche möglich wären. Bei schlimmen oder wiederholten Vergehen würden die Jugendlichen in ein Massnahmenzentrum geschickt.

«Es gibt zwar eine sehr kleine Gruppe von Straftätern, die schon in jungen Jahren und später im Erwachsenenalter immer wieder straffällig werden – härtere Strafen sind aber nicht zielführend.» Studien hätten gezeigt, dass man die Rückfallquote mit den bestehenden Massnahmen verringern könne.

Jugendliche, die bereits wiederholt verurteilt wurden, haben laut Manzoni oft psychische Störungen. Diese müssten behandelt werden, denn eine normale Gefängnisstrafe würde in diesen Fällen die Situationen eher verschlimmern. «Das Ziel ist es, dass die Jugendlichen irgendwann dann wieder auf eigenen Beinen stehen, ohne erneut straffällig zu werden», sagt Manzoni.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 30.05.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Auf Täter nimmt man Rücksicht - die Opfer lässt man hängen. So läuft das heute leider.

    einklappen einklappen
  • Remo Kaiser am 30.05.2017 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Three Strike Gesetz

    Die three strike Regelung wäre hier anzuwenden. Ja das ist hart, aber wenn jemand zum 3. die gleiche Tat begeht, dann auch ein 4. und 5. mal - Nicht immer Täterschutz sondern die Gesellschaft schützen.

  • Dr. Dr. am 30.05.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Die Studie hätte man sich sparen können

    Das hätte ich auch so sagen können. (irgendwie gesunde Menschenkenntnis)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mona Lisa am 31.05.2017 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufmerksamkeit....

    Früher nahm man sich die Zeit für die Erziehung der Kinder. Heute steht das Geld und die Karriere im Vordergrund. viele Jugendliche raten in die Kiminalität weil sie keinen halt finden und so ihre Aufmerksamkeit suchen.

  • Milli am 31.05.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    Ich denke das es einfach mal zeit ist die Strafen den taten anzupassen. Weniger Geld für die Täter ausgeben. Viel mehr würde es nützen wenn man die Jugendlichen zur Arbeit bewegt. Geimeinnütziges dazu brauchen denn Jugendlichen zu zeigen das man mit den richtigen Taten auch echte anerkennung bekommen kann. Hört auf mit Sondersetings. Ausländische Jugendliche härter dran nehmen und ausschafen. Wer sich nicht benehmen kann sol gehen. Schweizer sollen Arbeiten und sich ihre Settings verdienen.

  • Domdom am 31.05.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht lernfähig

    Resozialisierung klappt nicht wär hätte das gedacht. Tausende von Jahre und es geht immer noch nicht. Steine klopfen statt kuschel justitz.

  • Dk10 am 31.05.2017 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichtszusagen

    Vielleicht würden ja strengere gesetze etwas bringen. Habe in der zeitung mal gelesen das ein minderjähriger nach gezieltem mord 1 jahr auf bewärhung war kein wunder wird der nichts draus lernen. KUSCHELJUSTIZ

  • Alt-68er am 31.05.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gruftys passt euch an!

    Wir müssen uns nun endlich einmal an die neue Generation von Jugendlichen anpassen! Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Die jungen Leute lassen sich von der Gesellschaft eben nicht mehr alles gefallen. Recht so!