Lottomillionär auf der Flucht

29. März 2019 22:06; Akt: 29.03.2019 22:06 Print

«Die sind wie Hyänen über mich hergefallen»

Die Steuerflucht eines Lottogewinners aus dem Kanton Thurgau blieb nicht unbemerkt. Nun rechtfertigt sich der 61-Jährige.

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Das Bundesgericht hat am Donnerstag ein Urteil mit einem Fall eines Steuerflüchtigen aus dem Kanton Thurgau gefällt. Einige Monate nachdem der Mann eine Million Franken im Lotto gewonnen hatte, meldete er sich in einer steuergünstigen Gemeinde im Kanton Schwyz an. So geschehen im Jahr 2015.

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Nach einem jahrelangen Hickhack zwischen dem Millionär und den Behörden schloss das Bundesgericht, dass der Mann das Geld im Kanton Thurgau versteuern muss. Grund: Er hatte sich lediglich als Untermieter bei einer guten Freundin im Kanton Schwyz angemeldet. Die Wohngemeinschaft hatte laut dem Mann allerdings schon vor dem Lottogewinn bestanden.

Quittungen waren nicht Beweis genug

«Natürlich ging es um Steueroptimierung. Ich hatte ausgerechnet, dass von meinem Gewinn rund 120'000 Franken mehr übrig bleiben, wenn ich umziehe», sagt der vermeintliche Glückspilz gegenüber dem «Blick». Und dennoch beteuert er, über drei Jahre erst in Freienbach, danach in Pfäffikon SZ gelebt zu haben. Einkaufsquittungen und eine Vereinsmitgliedschaft hat das Gericht als Beweisgrundlage jedoch nicht akzeptiert.

Gewinnbestätigung bei Nachbarin gelandet

Der Lottogewinner ist frustriert, sagt, der Streit habe schon kurz nach seinem geglückten Spiel begonnen. Die Gewinnbestätigung von Swisslos war laut Bericht nämlich fälschlicherweise im Briefkasten einer Nachbarin, einer Coiffeuse, gelandet. Danach habe sich der Lottogewinn schnell im Dorf herumgesprochen. Auch das Steueramt habe nicht lange auf sich warten lassen und die provisorische Steuerrechnung von 350'000 Franken geschickt. «Die sind wie Hyänen über mich hergefallen», so der 61-Jährige.

Doch hilft alles Jammern nichts. Nach dem Urteil vom Bundesgericht muss der Mann seine Steuern für das Jahr 2015 im Kanton Thurgau bezahlen. Die Vorinstanz habe «in diesem Zusammenhang zu Recht erwogen, es mute aussergewöhnlich an, dass ein Lottomillionär mit Jahrgang 1958 sich mit einem Zimmer in WG-ähnlichen Verhältnissen begnüge».

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • clini am 29.03.2019 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geier

    Ja wenn es um Geld geht, dann sind die Geier nicht weit.Das Steueramt ist immer sehr schnell wenn sie Geld wollen. Hoffe das er sich trotzdem über seinen Gewinn freuen kann.

  • Laura am 30.03.2019 01:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lottomillionär?

    Mit nur 1Mio ändert sich das Leben nicht grundlegend, ausser man wandert damit aus und kann günstig sein Dasein geniessen. So richtig lohnt es sich erst ab ein paar Millionen nach Abzug der Steuern.

  • Pizza am 30.03.2019 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lotto Millionär

    Mit nur einer Million so ein Bahnhof!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martina am 30.03.2019 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Happy

    Das deine Nachbarin den Brief geöffnet hat, geht gar nicht! Und keine Angst, das meiste von den 350000 Fr. erhältst du ja wieder retour. Also, be happy ;-)

  • Mack am 30.03.2019 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatshyäne

    Ich begreife den Glückspilz. Die grösste Hyäne ist immer der Staat. Saufrech die hohle Hand machen bei einem Gewinn. Die unter Umständen jahrelang getätigten Einsätze kann man aber nicht von den Steuern abziehen.

  • giorgio1954 am 30.03.2019 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kompliziert

    Wenn er es schon so kompliziert macht wegen einer Mio., hätte er sich besser vollständig abgemeldet und wäre ein Jahr nach Thailand.

  • Coco am 30.03.2019 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern zu hoch

    Wir Zahlen genug Steuern, Finde ein Verdienst unter 100'000 sollte auch mit max. 1000 versteuert werden. Lottogewinn über 10 Mio 300'000 wäre auch schon genug versteuert.

  • Romano am 30.03.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will...

    Steuerharmonie! Es kann doch nicht sein, dass Leute, die finanziell Glück haben, den Wohnort hinterfragen müssen. Einheitliche Lösung: Mehrwertsteuer und Kapitalsteuern rauf, denn wer sich viel leisten kann oder hat, soll auch mehr bezahlen. Egal, ob er in Schwyz oder im Thurgau wohnt. Übrigens finde ich, dass auch die Pauschalbesteuerung der reichen Ausländer abgeschafft gehört.