SRF-Verjüngungs-Kur

21. November 2014 05:50; Akt: 21.11.2014 08:43 Print

«Diese Gebühren können eingespart werden»

von Nicolas Saameli - Das SRF möchte sich vermehrt in Richtung urbane Jugend ausrichten und löst damit eine Debatte aus. Rechte kritisieren den Vorschlag, Linke die Einmischung der Politik.

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Ein internes Positionspapier von SRF, das der «Weltwoche» vorliegt, sorgt für Diskussionen in der Schweizer Politik. Die Idee, die öffentlichen Medien stärker auf ein junges Publikum aus den Städten anzupassen, erzürnt bürgerliche Politiker.

Für Natalie Rickli, die Zürcher SVP-Nationalrätin und Vizepräsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, sind die Pläne ein Fehlschlag.
Ziel des SRF-Papiers sei es, ein junges Publikum anzusprechen, das der Organisation im Moment fehle. So eine Verjüngung sei aber gar nicht die Aufgabe der öffentlichen Medien. «Ein Unterhaltungs-Angebot für das junge, urbane Publikum gibt es bereits von den Privaten.» Mit solchen neuen Unterhaltungssendungen würde die gebührenfinanzierte SRG auf den Markt der Privaten drängen. «Diese Gebühren können schlicht eingespart werden.»

«Das war für mich wahrer Service Public»

Das veröffentlichte Papier liefere aber einen willkommenen Anstoss, um auf ein Anliegen aufmerksam zu machen: «Wir müssen endlich die Diskussion über den Service Public führen», sagt Rickli, die auch als Führungsperson in einem Medienunternehmen arbeitet, das auf private TV-Werbung spezialisiert ist.

Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas sieht die Swissness-Ausrichtung von SRF als eines der Qualitätsmerkmale des Senders. «Guter Service-Public zeichnet sich bei der Unterhaltung genau dadurch aus, dass er dort stattfindet, wo die privaten Veranstalter nicht hinkommen.» Eine Programmumstellung auf Unterhaltung, die vorwiegend in den Städten stattfinde, sei deshalb «absolut falsch». «Wo viele Leute leben, drängen sich auch andere Player um den Markt.» Seiner Meinung nach solle das SRF aber vermehrt Sendungen wie die «SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten» SAC-Hütten-Doku anbieten. «Das war für mich wahrer Service Public.»

«Man sollte immer alle Seiten zeigen»

Eine andere Meinung hat Regula Rytz, Co-Präsidentin der Grünen und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. Sie sieht den Grundauftrag des Service Public darin, den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken. «Dafür muss das SRF alle Bevölkerungsgruppen erreichen – also auch das junge urbane Publikum.» Wichtig sei es für SRF, einen Mix zu finden, der alle Gruppen anspreche. «Ein Tag hat 24 Stunden. Da sollte es doch möglich sein, für alle etwas anzubieten.»

Wichtig ist für Rytz auch, dass die öffentlichen Medien einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen leisten. «Es ist nicht so, dass auf dem Land alles idyllisch ist und in der Stadt alles schwierig», sagt sie. Oft sei es sogar gerade umgekehrt. «Deshalb sollte man immer alle Seiten zeigen.»

Zu viel möchte Rytz aber gar nicht sagen. Was sie nämlich grundsätzlich störe, sei die Einmischung der Politik in die Berichterstattung von SRF. «Die Politik darf die Programmgestaltung nicht beeinflussen. Der Service Public muss zuverlässig und unabhängig berichten können.» Wie das SRF seinen Auftrag wahrnehme, sei deshalb ausschliesslich die Sache des Senders.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.S. am 20.11.2014 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billag soll weg!

    Genau darum muss die Billag abgeschafft werden. SRF kann es nicht allen recht machen, aber heute müssen ALLE dafür bezahlen.

    einklappen einklappen
  • Ameliore am 20.11.2014 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sollen sich ein Beispiel

    an ORF nehmen - Kultur und aktuelle Serien/Filme gehen da sehr gut nebeneinander her!

    einklappen einklappen
  • Herr R. am 20.11.2014 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mist

    Mit dem Wort ist das alles umschrieben was Sie da planen. Identität zerstören/nicht mehr vermitteln wollen sie und mehr RTL Formate. Warum dann nicht gleich das RTL Programm komplett einkaufen ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hamlet am 22.11.2014 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Quoten, Privatfernsehen

    Ja man produziert doch nur für die Quoten, das lässt sich auch immer wieder an den Äusserungen der SF Führung ablesen. Nichts von Verfassungauftrag die Leute zu informieren. SF ist ein privates Fernsehen das von den Bürgern Zwangsfinanziert wird. Ich bin für ein Werbungsverbot im SF.

  • Oliver Borries am 21.11.2014 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser als Hartz 4tv

    Ich z.b. Schaue SRF...jeder Freitag auch bi de lüt... Das ist mein Highlight im Einheitsbrei und Hartz 4 tv von rtl 2 und wie die Sender alle heissen. Ich bin deutscher und wohne seit 10 Jahren im Grossraum zürich...und für solches tv Format zahle ich gern billig... Auf alle Fälle besser als irgendwelche amerikanischen pseudo komischen Serien zu schauen

  • Walter Spahni am 21.11.2014 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Billag muss weg!

    SRF kann gleich auch aufglöst werden. Wer schaut denn noch SRF??

  • Rentner am 21.11.2014 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    titel

    Wenn's bloss noch für die Jungen ist, will ich aber keine Gebühren mehr bezahlen.

  • Thomas Germann am 21.11.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Service Public

    ist für mich Nachrichten, Abstimmungsresultate, Meteo und Notfallprogramme im Falle von Naturkatastrophen und im Kriegsfall. Alles andere ist Entertainment, und das ist NICHT Auftrag von Service Public !!! Daher mein Vorschlag; SFInfo behalten, den rest kippen. Macht Platz für private und reduziert die Billag um 99%.