Cannabis-Legalisierung

06. Januar 2018 12:21; Akt: 06.01.2018 12:21 Print

«Die Diskussion kann nun sachlicher werden»

von V. Fehlmann - Der Startschuss zur Volksinitiative für die Legalisierung von Cannabis ist gefallen. Würde sie angenommen, könnten neue Wirtschaftszweige entstehen.

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Herr Koch, der Verein Legalize it! hat genügend Geld gesammelt, um eine Volksinitiative zur Legalisierung von Cannabis zu starten. Ab April sollen Unterschriften gesammelt werden. Was würde eine Legalisierung für die Schweizer Wirtschaft bedeuten?
Der Staat profitiert generell davon, wenn man Wirtschaftszweige von der Illegalität in die Legalität holt. Wären THC-haltige Produkte schweizweit überall frei erhältlich und konsumierbar, ist von einem grossen Boom auszugehen, gerade in der Anfangsphase. So ähnlich wie wir dies nun beim CBD-Hanf erleben. Das hätte natürlich auch positive Konsequenzen für die staatlichen Steuereinnahmen, dank der Geldströme, die vom Schwarzmarkt in die reguläre Wirtschaft umgelenkt würden. Zudem könnten sich neue Wirtschaftszweige in der Schweiz etablieren, etwa im Bereich der Cannabis-Forschung und im Cannabis-Anbau.

Umfrage
Soll Cannabis in der Schweiz legalisiert werden?

Welche Herausforderungen würden sich ergeben, sollte das Volk Ja stimmen?
Die Frage ist, wie weit man die Legalisierung durchsetzen kann und möchte. Es gäbe zum Beispiel auch die Möglichkeit einer abgeschwächten Legalisierung, bei der THC-haltiger Hanf etwa nur unter gewissen Voraussetzungen bei lizenzierten Verkaufsstellen (Apotheken) erhältlich wäre. Dies hätte sicher eine dämpfende Wirkung auf den Cannabis-Boom. Eine gewisse Regulierung ist aber auch wünschenswert. THC-haltige Produkte setzen eine bestimmte Reife beim Konsumenten voraus. Ein Mindestalter – ähnlich wie beim Alkohol – wäre also wünschenswert und unumgänglich.

Heimat produziert ja bereits CBD-Zigaretten. Einmal angenommen, Cannabis würde dank dem Volksentscheid legalisiert: Was würde das für euch bedeuten?
Heimat würde bei einer Legalisierung sicher prüfen, ob und in welcher Form wir ein THC-haltiges Produkt auf den Markt bringen möchten. Wir haben aber noch nichts Konkretes in der Pipeline.

Ist es überhaupt möglich, Cannabis im grossen Stil auf Feldern anzubauen, wenn es in den Nachbarländern noch als illegal gilt?
Das Diebstahl-Risiko besteht bei jedem Rohstoff mit hohem Wert. Die Situation kennt man bereits vom CBD-Hanf. Teure Güter muss man vor Diebstahl schützen. Da der Anbau häufig Indoor (also in Hallen) stattfindet, ist dies aber gut zu bewerkstelligen.

Wie lange würde es dauern, bis die ersten Cannabis-Produkte erhältlich wären?
Für unsere Produktionsanlage macht es keinen Unterschied, ob wir THC-haltigen oder CBD-Hanf verwenden. Produktionsseitig wären wir also sofort bereit, eine THC-haltige Zigarette auf den Markt zu bringen. Man müsste aber zuvor noch die Rohstoffbeschaffung klären sowie alle nötigen Bewilligungen vom Bundesamt für Gesundheit einholen.

Wäre der CBD-Boom damit vorbei?
Der Schweizer CBD-Markt würde davon nicht gravierend tangiert. Es gibt viele Konsumenten, die es schätzen, vom Cannabis-Konsum nicht berauscht zu sein. Diese mögen einfach den Geschmack oder geniessen die positiven gesundheitlichen Effekte des Hanfs und sind nicht scharf auf den psychotropen Effekt.

Sollte es zur Abstimmung kommen, hat die Legalisierung von CBD einen Einfluss darauf?
Die CBD-Legalisierung hat zur Entmystifizierung von Hanf beigetragen. Es war jedem, vom Studenten bis zur Rentnerin, möglich, das ominöse Kraut einmal auszuprobieren – natürlich immer mit der Einschränkung, dass der CBD-Hanf keinen psychotropen Effekt hat. Die CBD-Legalisierung hat also sicher dazu beigetragen, dass die Diskussion nun unaufgeregter und sachlicher geführt werden kann.

Was würden Sie stimmen?
Heimat ist für die Legalisierung. Wir halten eine liberale Gesellschaft für erstrebenswerter als eine restriktive. Der Bürger wird nicht mündig, wenn man ihn vor allem verschonen und beschützen möchte. Freiheit kommt vor Sicherheit. Für eine Prognose ist es jetzt noch zu früh. Wir hoffen aber, dass die Initiative durchkommt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lu Cie am 06.01.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it!

    Endlich legalisieren. Ich kiffe seit 30 Jahren jeden Abend. Meinem Leben und meiner Karriere hat das in keiner Weise geschadet, im Gegenteil, es ist eine Bereicherung, so wie es für viele das Glas Wein oder Bier ist. Ist immer die Menge, die das Gift ausmacht. Je älter ich werde, umso mehr wünsche ich mir, das Zeugs endlich legal im Laden kaufen zu können, auswählen zwischen verschiedenen Sorten wär mal schön... Damit wären die Leute weg vom Schwarzmarkt, wo auch andere Drogen angeboten werden. Das Thema Einstiegsdroge wäre damit endgültig vom Tisch. Zudem könnte die Qualität kontrolliert werden, was der Gesundheit der Konsumenten zugute kommt. Wer kiffen will, macht es eh. Dann, Cannabis als Heilmittel. Es gibt unzählige Studien dazu. Diejenigen, die es nutzen wollen, sollten wirklich die Möglichkeit dazu erhalten. Und zuletzt... Steuereinnahmen! Wie kann man sich bloss überlegen, das nicht zu wollen? Gelder für die AHV, die wir so dringend benötigen. Also mir fällt kein einziges vernünftiges Argument ein, warum man nicht endlich legalisieren sollte... ;-)

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  • EBAF am 06.01.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Befürworter..

    ..hört doch bitte endlich damit auf, ständig den Vergleich mit Alkohol/Tabak zu forcieren. Cannabis als Pflanze hat unzählige Möglichkeiten zu bieten, welche eine Legalisierung und den damit einhergehenden liberaleren Umgang mehr als legitimieren würden. Das "Diskriminierungs-Argument" hat daher, wenn es nach mir geht, im Wahlkampf höchstens eine untergeordnete Rolle zu spielen. Und nun: Legalize!

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  • Sowieso am 06.01.2018 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Heilpflanze

    Es ist und bleibt eine Heilpflanze für alle ,es ist ein witz eine Heilpflanze zu verbieten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wayne am 08.01.2018 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Liebe Befürworter

    Bin eigentlich auch dafür das man es lagalisieren soll denn rauche selber doch werde es ablehnen. Denn wir kennen die Schweiz und es wird dann alles regestriert und das Gras wird schlechter. Ich will nicht kontrolliert werden und so wird es kommen. Ausserdem wird es so teuer wie CBD also holt man es lieber auf dem Schwarzmarkt. CHF 100.00 Strafe tut niemandem Weh deshalb werde ich es ablehnen. Hole mein Zeug lieber bei zuverlässigen Quellen als beim Kontrollstaat der wahrscheinlich noch Outdoor zu Indoor Preisen verkauft.

    • Dalila am 25.01.2018 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Das beste Beispiel ist Holland!

      Das Gras wird bestimmt nicht schlechter bei einer Legalisierung! Sondern du wirst zum ersten Mal richtiges Gras bekommen. Gutes Beispiel: Holland. Eine zuverlässige Quelle bedeutet, dass ich ganz genau weiss wie das Gras heisst, wieviel der THC- Gehalt ist, ob es Indica oder Sativa ist, etc. In den meisten Fällen weiss der Dealer ja nicht mal, was das für eine Sorte das ist, die er da gerade verkauft. Ausserdem muss der Verkauf bei Legalisierung nicht vom Staat kontrolliert sein, sondern einfach nur besteuert werden, genau wie der Alkohol! Den der Alkohol ist die grössere Droge!

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  • Heiri Tanner am 07.01.2018 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaaaa!

    Den Drogendealer ist es egal, wie alt seine Konsumenten sind. Wird der Markt legalisiert und die Drogen kontrolliert verkauft (mit mindest Alter natürlich) entzieht man den Dealer ihren Markt und sie werden es nicht mehr verkaufen (fals die Preise für legales Gras nicht zu hoch angesetzt werden). So kann ein Jugendschutz erst überhaupt funktionieren.

  • Kurt am 07.01.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorwärts!

    Wer intelligent ist, der weiss das es immer Süchtige/Konsumenten geben wird. Ob es legal ist oder illegal spielt dabei keine Rolle. Das derzeitige Problem am Cannabis ist das man nie weiss ob es auch sauber ist. Deswegen gefährden wir alle Kiffer solange es illegal ist.

  • Tom am 07.01.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugendschutz, statt Freiwild für Dealer

    Haben sich die Gegner dies mal überlegt? Wenn es legal wird verlieren Gras-Dealer und die Mafia, denen Alter und Qualität total egal sind. Aber im jetzigen Zustand des Verbotes verliert, der Jugendschutz, die Prävention, der Staat, sowie auch der mündige Konsument. Ich weiss, nur wer einmal gekifft hat kann hier etwas weiter überlegen als die ganzen Gegner die null Selbsterfahrung damit haben! Ganz klares JA für saubere Ware, deklaration der Stärke und Inhaltsstoffe und kontrolliertem Jugendschutz.

  • Sam am 07.01.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird Zeit!

    Warum pflanze ich seit Jahren wider selber an? Weil ich den Dealern nicht traue! Nur Geld schaffeln! Keine Qualitätskontrolle! Zu hohe THC Werte! Keine Deklaration!

    • Karl Karli am 07.01.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sam

      Wenn die THC werte höher sind umso besser! So genügen nur einige Züge und somit könnte man sogar weniger rauchen mit gleicher Wirkung!

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