Botellón-Debatte

20. August 2008 17:22; Akt: 21.08.2008 13:38 Print

«Doppelmoral!» – Jugendliche zielen auf Stapi

von Adrian Müller - Saufende Holland-Fans auf dem Berner Bundesplatz: Dagegen hatte Alex Tschäppät nichts – im Gegenteil. Ein jugendliches Saufgelage kommt dem Berner Stadtpräsidenten jedoch nicht in die Tüte. Notfalls will er mit Polizeigewalt dagegen vorgehen. Heuchlerisch, meinen die Botellón-Organisatoren.

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Bern Bundesplatz, 9. Juni 2008, die Euro 2008 erlebt in der Schweiz ihren ersten Höhepunkt: Die orange Welle rollt über Bern. Zu Tausenden feiern die Holländer auf dem Bundesplatz. Viele von ihnen sind bereits am Mittag sturzbetrunken. Niemand stört sich daran – im Gegenteil. Im Nachhinein wird Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät dem Oranje-Supporterclub dafür danken und auf einer Pressekonferenz erklären: «Wir werden die niederländischen Fans in hervorragender Erinnerung behalten.»

Diese Ehre wird den Botellón-Organisatoren wohl nicht zuteil werden. Denn Tschäppät hat bereits erklärt, dass die Berner Stadtregierung das angekündigte Saufgelage der Berner Jugend nicht auf dem Bundesplatz dulden werde.

Stadtpräsident aufs Korn genommen

Dieses Verbot stösst den Mitgliedern der Berner Botellón-Gruppe sauer auf. Sie werfen Berns Stapi in einem Brief Doppelmoral vor: «Als die Holländer den Bundesplatz mit ihrem Saufgelage überschwemmten, sprachen sie vom unglaublichen Image, welcher ein solcher Anlass auf die Schweiz werfe. Und nun, wo Jugendliche einen ähnlichen Anlass planen, sprechen sie von einer Gefahr für die Allgemeinheit und drohen mit der Polizei.»

Dabei ist Tschäppät mittlerweile selbst Mitglied der Botellón-Community: Unbekannte haben ein entsprechend gefälschtes Facebook-Profil des Stadtpräsidenten erstellt. «Dies erschüttert mich nicht», meint dieser trocken – und holt zum verbalen Gegenschlag aus: «Wir schreiben den Jugendlichen nicht vor, was sie in ihrer Freizeit machen sollen. Das Problem ist der Ort, nicht das Phänomen.» Die Stadt wolle nicht Hand bieten und den symbolträchtigen Bundesplatz für Massenbesäufnisse zur Verfügung stellen.

Und zum Vorwurf der Doppelmoral meint Tschäppät: Natürlich sei während der Euro das Bier in Strömen geflossen, aber: «Der Bundesplatz war umzäunt, man durfte keinen eigenen Alkohol mitbringen. Die Bars schenkten überdies nur Bier aus, keinen Schnaps.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pesche am 20.08.2008 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Geng ds gleiche

    Wer sagt das man sich immer komplett besaufen muss um Spass zu haben? Stimmt das darf man ja nur an kommerziellen Anlässen wie ein Bar & Pub oder Barstreet. Wenn man unsummen von Geld zahlen muss um reiche Menschen noch reicher zu machen - da drückt man ein oder auch zwei Augen zu...

  • Markus Fischer am 20.08.2008 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Seit 5 Tagen wird auf Tele Züri und auch sonst in der Presse kein Thema so intensiv diskutiert wie dieses. Ich frage mich schon ob wir in der Schweiz keine wirklichen Probleme haben. Macht etwas Spass, wird es in der Schweiz verboten!

  • hans meier am 19.08.2008 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    die machen doch etwas super. weiter so

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sarah am 31.08.2008 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    =)

    Ich war gestern da und es war gemütlich. Es ist nirgeds wirklich aus dem Ruder gelaufen und niemand hat grossen Schaden davon getragen. Ausserdem habe ich dort sehr viele neue Leute kennen gelernt!

  • Joggeli vo Züri am 30.08.2008 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Prost

    S'neu Rivella isch vill besser als ALK und häsch kein schwere Chopf am Morgä!

  • Hansjürg am 29.08.2008 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild

    Wenn die harte Drogenszene auf der Schützenmatte toleriert wird, ist es irrwitzig die Versammlung von Jugendlichen, die auf einem öffentlichen Platz preiswerten Alkohol konsumieren wollen, zu verbieten. Wenn sich alle schön orange anziehen, wird auch der Herr Tschäppät wieder Freude haben...

  • Stefan am 23.08.2008 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Freizeitbeschäftigungen mehr

    Das Problem ist, dass die heutigen Jugendlichen keine sinnvollen Hobbys und Freizeitbeschäftigungen mehr haben. Es gäbe so viele Möglichkeiten, in einem Verein mitzumachen oder in der Pfadi, Sport zu treiben etc. Dann kämen sie nicht auf eine so hirnrissige Idee, ein Massenbesäufnis zu organisieren.

  • Roman am 23.08.2008 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    freunde seit fröhlich.. feiert das leben

    ich danke den medien fürs anheizen des Botellón! nun weiss ich wenigsten auch wann und wo das ganze stattfinden soll. habe jetzt schon mächtig durst...proscht und der tschäppu soll das ganze nur nicht zu eng sehn. denn wenn nicht gerade eine EM in der stadt ist , ist bern langweilig.