Zensur-Vorwürfe

03. Oktober 2019 18:13; Akt: 03.10.2019 18:49 Print

Trans-Studierende liegen mit der ETH im Clinch

Des ETH-Verein Queer*z wirft der Hochschule vor, im neuen Mitarbeitermagazin totgeschwiegen zu werden. Die Hochschule wehrt sich.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein LGBTQ-Verein legt sich mit der ETH-Leitung an. In einem Beitrag auf der Website schreibt der Verein Queer*z, dass man von der Hochschule zensiert worden sei. So sei Queer*z für die neuste Ausgabe des ETH-Mitarbeitermagazins «Life» zum Thema befragt worden, wie es um die Inklusion von Transmenschen an der ETH stehe. Das kritische Zitat sei dann nicht erschienen. Angeblich mit der Begründung, dass «es nicht zu einem konstruktiven Dialog» beitrage.

Stein des Anstosses war laut der Gruppe ein Zitat, in dem von diskriminierenden Strukturen an der ETH die Rede war: «Menschen mit den für sie falschen Pronomen anzusprechen, ihnen den Zugang zu WCs zu verweigern oder keine dritte Geschlechtsoption auf Uni-Dokumenten zuzulassen, ist Diskriminierung», lautet einer der Sätze, den die ETH nicht abdrucken wollte.

«Keine Posterkinder für Diversity-Points»

Im Post auf der Website wirft der Verein der ETH vor, dass sie Transmenschen gerne als «Diversitätstrophäen herumzeigen würde, um sich progressiv zu geben». Transmenschen, die ihre Rechte einforderten, seien für die ETH aber zu viel. Sie stünden aber nicht als «Posterkinder für mehr Diversity-Points zur Verfügung».

Der Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern sieht die Rechte von Transmenschen an der ETH nur unzureichend gewahrt. «An der ETH gibt es keine nicht-binäre Geschlechtsoption auf Uni-Dokumenten, und es gibt keine geschlechtsneutralen Umkleidekabinen.» Es gebe laut einer Umfrage Studierende, die mit falschem Namen, mit falschen Pronomen angesprochen würden. Für die Änderung des Geschlechtseintrages werde ein psychiatrisches Gutachten verlangt – «ein nicht zu rechtfertigender Übergriff». Weiter heisst es: «All das ist Diskriminierung, die durch die ETH ausgeübt oder von ihr toleriert wird.»

ETH bedauert Missverständnis

Die ETH weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, was die ETH im Bereich Diversity bereits tue. So sind alle geschlechtsneutralen Toiletten am Campus auf einer Website aufgelistet. Die Anrede und den Vornamen innerhalb der ETH können Studierende und Mitarbeiter auch ohne amtliche Namensänderung wechseln. Die ETH-Karte oder Diplome ändern sich dadurch. Noch nicht möglich ist eine dritte, nicht-binäre Option.

In Bezug auf den Artikel im Magazin «Life» betont Franziska Schmid, ETH-Sprecherin und Co-Autorin des Artikels, dass Queer*z das Zitat zurückgezogen habe, nachdem kein Kompromiss gefunden worden sei. «In der Titelgeschichte war es uns ein grosses Anliegen, die positiven Aspekte von Diversität und Inklusion aufzuzeigen und möglichst vielen verschiedenen Minderheiten eine Stimme zu geben. Der Artikel sollte das Bewusstsein für Anliegen von Minderheiten stärken und zu einem konstruktiven Diskurs beitragen.» Aus Platzgründen habe man nicht alle Interviewpartner in den Artikel aufnehmen können. Man habe versucht, die Anliegen möglichst gut zusammenzufassen und auch kritische Punkte anzusprechen.

«Die Missverständnisse in Bezug auf die Entstehung des Artikels bedauern wir. Wir möchten diese aus dem Weg räumen und weiterhin in einem konstruktiven Dialog stehen. Deshalb haben wir Queer*z auch ein persönliches Gespräch angeboten», sagt Schmid.

(daw)