Zuwanderung

09. Juli 2014 20:52; Akt: 09.07.2014 20:52 Print

«EU-Zuwanderer machen die Schweiz attraktiv»

von N. Glaus - Im vergangenen Jahr sind so viele Menschen in die Schweiz gekommen wie noch nie. Laut der Seco-Direktorin hat dies für unser Land fast nur Vorteile.

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Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Staatssekretaerin und Direktorin des SECO, spricht an einer Medienkonferenz zu den Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt 2013. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Frau Ineichen-Fleisch*, letztes Jahr sind aufgrund der Personenfreizügigkeit 66’200 Zuwanderer aus der EU in die Schweiz gekommen – ein neuer Rekord. Was bedeutet dies für unseren Arbeitsmarkt?
Die Personenfreizügigkeit hat den Wirtschaftsplatz der Schweiz attraktiver gemacht. Schweizer Unternehmer kamen leichter zu den nötigen Fachkräften, neue Arbeitsplätze konnten geschaffen werden. Die neusten Untersuchungen zeigen auch, dass keine Verdrängung der ansässigen Arbeitskräfte stattgefunden hat.

Der Bericht betont, dass besonders die Wirtschaft und die Unternehmen von der Personenfreizügigkeit profitiert. Und die Bevölkerung geht vergessen?
Nein. Der Bericht zeigt auch, dass in der Schweiz mehr Personen erwerbstätig sind, als noch vor zwölf Jahren. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit im internationalen sowie im historischen Vergleich heute sehr tief und wir haben ein hohes Lohnniveau. Hiervon profitieren primär die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Stimmung im Land scheint aber eine andere zu sein, wenn man etwa auf die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative zurück schaut.
Ich denke, es geht der Bevölkerung nicht nur um Zahlen und Wachstum. Die Zuwanderung hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche, wie die Integration, Infrastruktur oder den Wohnungsmarkt. Alle diese Entwicklungen, die unser Bericht nicht abdeckt, waren sicher auch Teile der Entscheidungsfindung der verschiedenen Bevölkerungsschichten und -gruppen im Vorfeld dieser Abstimmung. Das muss man sehr ernst nehmen.

Wo liegen also die Herausforderungen für die Zukunft?
Die Umsetzung der Zuwanderungsinitiative stellt die Beziehungen zur EU auf die Probe. Die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens hätte gravierende Folgen für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Die Bilateralen Verträge zu erhalten, ist deshalb ganz klar das Ziel. Unter Partnern muss man diskutieren können. Wir werden eine Lösung finden müssen.

Welche Rolle spielt da die Ecopop-Initiative, die im November vors Volk kommt?
Eine Annahme dieser Initiative hätte verheerende Folgen. Dann müssten wir höchstwahrscheinlich gar nicht mehr mit der EU verhandeln wollen. Eine solche Politik hat in einer modernen und globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu suchen. Ich bin überzeugt, dass das Schweizer Volk dies auch so sieht und diesen extremen Vorstoss deshalb nicht unterstützen wird.

*Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch ist Staatssekretärin und Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Bieri-Staudenmann am 09.07.2014 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Nicht-Verdrängung von ...

    einheimischen Arbeitskräften ist eine glatte Lüge. Im Bereich der IT-Beratung (die ich aus eigener Erfahrung kenne) stossen ausländische Kräfte mit Dumpingpreisen vor, die sie nur dank ihrem Wohnsitz in Deutschland und Frankreich offerieren können. Die Schweizer Firmen werden dafür mit Billag- und anderen Gebühren richtiggehend drangsaliert. Die nette Dame hat von der Praxis erschreckend wenig Ahnung, wider besseres Wissen stellt sie absurde Behauptungen auf! Qui bono?

  • Viola am 09.07.2014 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Wir das Volk haben von der Einwanderung: Lohndumping, Arbeitsmangel, Wohnungsmangel. Und dauernd diese Geschichten von Wirtschaftserfolgen, die uns Kleinen nichts bringen!

  • Rp am 09.07.2014 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blind

    Was nützt uns witschaftswachstum, wenn die strassen nicht grösser werden, wenn die wohnfläche nicht mehr wird?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Visionär am 10.07.2014 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz im Ausverkauf

    Schade, dass die Redaktion von 20Min. zu diesem Thema keine Umfrage lanciert hat. Da wäre sicher eine dicke Protestwelle deutlich geworden. Mit einer solchen wirklich repräsentativen Abstimmung sollte man die "Volksvertreter" konfrontieren und sie aus ihrer "schönen Welt" herausholen. Da sie aber Angst um ihre eigenen Pfründe haben, wird sich kaum etwas ändern....

  • Cellius am 10.07.2014 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    So so der Wirtschaft bringt es viel? Sie meinen wohl eher die Top Manager können so noch mehr Bonus abkassieren. Dem Volk bringt es gleich gar nichts und auch nicht Wohlstand. Wenn das soviel bringt warum steigen dann die Löhne nicht? Ich kenne mehr als einen Arbeitgeber welcher einen ausländischen Vorarbeiter eingestellt haben und danach nur noch Landsleute von diesem eingestellt wurden! Man will uns wieder Honig ums Maul schmieren hier und das Volk leider mehr darunter als dass es provitieren könnte.

  • Walter Spahni am 10.07.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Attraktivität!

    Mein Sohn, 33J. bestens Qualifiziert findet seit Monaten keinen Job!

  • John007 am 10.07.2014 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Attraktiv?

    Zuwanderer machen die Schweiz attraktiv?!? Also mir persönlich bringen die Zuwanderer überhaupt nichts

  • Hans Lars am 10.07.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    abschätzen

    Fakt ist, dass es seit der Einführung der PFZ viel besser geht. Es gibt hier offenbar Leute, die für ihre latente Fremdenfeindlichkeit auch den Wohlstand opfern würden.