Samenspende

14. Februar 2019 18:34; Akt: 14.02.2019 19:09 Print

Die Homo-Ehe ist einen grossen Schritt weiter

von J. Käser - Im Zuge der «Ehe für alle» fordern Linke und LGBTI-Organisationen den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin für homosexuelle Paare. Das sei unnatürlich, warnen Rechte.

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Die «Ehe für alle» soll die Ehe für Homosexuelle öffnen. Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde bereits im Dezember 2013 von der grünliberalen Fraktion eingereicht. Seither steckt sie im Parlament fest.(Symbolbild) Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin soll homosexuellen Paaren vorerst verwehrt bleiben. So sieht es der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative vor. Im Juli 2018 hatte die Rechtskommission des Nationalrats entschieden, dass eine schrittweise Umsetzung der «Ehe für alle» eher eine Mehrheit im Parlament finden würde. LGBTI-Organisationen und linke Politiker sind damit nicht einverstanden und fordern die vollständige Öffnung der Ehe in einem einzigen Schritt. Diese würde den Zugang zur künstlichen Befruchtung gewähren und auch die Hinterlassenenrente regeln. Ein gleichgeschlechtliches Brautpaar, Nalini (l.) und Alexia, protestiert im Schwimmbad Marzili in voller Brautmontur mit der Aktion «Die Schweiz wartet» dagegen, dass es mit der «Ehe für alle» in der Schweiz nur so langsam vorwärts geht. Heutzutage ist es gleichgeschlechtlichen Partnern nicht möglich, im klassischen Sinn zu heiraten. Sie können ihre Partnerschaft auf dem Zivilstandsamt «eintragen» lassen. Im Gegensatz zur Heirat ermöglicht die eingetragene Partnerschaft aber keine erleichterten Einbürgerungen für den ausländischen Partner. Auch ist dem gleichgeschlechtlichen Paar die Adoption oder die künstliche Befruchtung untersagt. Gleichgeschlechtliche Paare aus der Schweiz mit Kinderwunsch suchen heute häufig Fruchtbarkeitskliniken im Ausland auf, etwa in Spanien oder Österreich, um dennoch eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen zu können. Das ist nicht strafbar. Auch die Anspruchnahme einer Leihmutterschaft im Ausland ist in der Schweiz nicht strafbar. Die Rechtskommission hatte im Juli 2018 entschieden, dass die Umsetzung der «Ehe für alle» auf Gesetzesstufe angegangen werden könne und keiner Verfassungsänderung bedürfe. Damit kommt es zu keinem obligatorischen Referendum. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass die Gegner der «Ehe für alle» ein fakultatives Referendum ergreifen werden und die Angelegenheit so doch noch vor dem Volk landen wird. Wann eine mögliche Volksabstimmung stattfinden würde, lässt sich noch nicht sagen.

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Die Rechtskommission des Nationalrats hat heute über den Gesetzesentwurf zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» entschieden. Zankapfel war unter anderem der Zugang zur Samenspende für lesbische Paare. Dieser ist nicht Teil des Vorentwurfs der Initiative, wird aber von verschiedenen Seiten vehement gefordert. In einem offenen Brief riefen die nationalen LGBTI-Organisationen die Parlamentarier dazu auf, im Zuge der «Ehe für alle» homosexuellen Paaren den Zugang zur künstlichen Befruchtung zu ermöglichen. Nur so würde diesen eine «geregelte Form der Familiengründung» ermöglicht.

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Soll Fortpflanzungsmedizin für Homosexuelle zugänglich werden?

Nun hat die Rechtskommission entschieden: Der Vorentwurf wurde mit 19 zu 4 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Zudem soll auch eine Variante mit Zugang zur Samenspende für lesbische Paare in die Vernehmlassung gehen.

«Das ist gegen die Natur»

SVP-Nationalrätin und Rechtskommissions-Mitglied Andrea Geissbühler stellt sich dagegen. «Gegen eine Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren habe ich nichts einzuwenden. Sobald aber Dritte involviert sind, hört es für mich auf. Ein Kind hat ein natürliches Recht auf einen Vater und eine Mutter.» Ein Kind könne schliesslich nicht gefragt werden, ob es tatsächlich gleichgeschlechtliche Eltern haben möchte.

Geissbühler ist deshalb nicht nur gegen die Samenspende, auch ein Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren lehnt sie ab. «Die Frage ist doch, wie viele homosexuelle Paare sich tatsächlich ein Kind wünschen. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der Paare mit Kinderwunsch viel kleiner ist als der Raum, den die Thematik bekommt», sagt Geissbühler. Die Verfassung sehe vor, dass die Samenspende nur für Paare in Frage komme, die von Unfruchtbarkeit betroffen seien. Dieses Kriterium würden homosexuelle Partnerschaften in der Regel nicht erfüllen.

«Light-Version reicht noch nicht aus»

Sibel Arslan, Nationalrätin der Grünen und Mitglied der Rechtskommission des Nationalrats, ist anderer Meinung. Sie sagt: «Nichts spricht dagegen, dass homosexuelle Paare denselben Zugang zur künstlichen Befruchtung erhalten sollen wie heterosexuelle Paare.» Im europäischen Vergleich hinke die Schweiz diesbezüglich hinterher. Arslan kritisiert, dass der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin ausschliesse. Um konsequent gegen die Diskriminierung vorzugehen, müsse auch der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin im Entwurf garantiert werden.

«Wenn die ‹Ehe für alle› eingeführt wird, dann richtig: Gleichgeschlechtliche Paare sollen dieselben Rechte und Pflichten haben wie heterosexuelle Paare – auch, was den Kinderwunsch und die Kinderbetreuung anbelangt.» Die sogenannte Light-Version, wie sie der jetzige Vorentwurf darstelle, reiche noch nicht aus, sagt Arslan. Früher oder später würde die Frage der künstlichen Befruchtung ohnehin politisch abgehandelt werden. Die Nationalrätin ist sich sicher, dass die «Ehe für alle» inklusive Zugang zur künstlichen Befruchtung für gleichgeschlechtliche Paare auch beim Volk gute Chance hätte.

Falls Sie mehr über die «Ehe für alle» wissen wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • walter45 am 14.02.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Kinderwunsch

    bei homosexuellen Paaren soll künstliche Befruchtung helfen. Wie sieht das wohl bei einem Männerpaar aus?

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  • w/hetero am 14.02.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Why not

    Ich hätte als Waise wohl lieber zwei liebe Mamis oder Papis als dass ich im Heim aufwachse. Meine homosexuellen Freunde gäben allesamt tolle Eltern ab.

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  • Tim am 14.02.2019 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dem Kind ist es egal!

    Ich wurde auch nicht gefragt ob ich geschiedene Eltern möchte. Das ist aber doch kein Grund die Scheidung zu verbieten. Das einzige was zählen sollte ist, dass sich die Eltern gut um das Kind Kümmern. Denn am Kind ist es schlussendlich egal wie sich seine Eltern zusammenstellen. Es wird seine Eltern lieben wie Sie Ihr Kind lieben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arianna Moreno am 15.02.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja!

    Es ist egal ob die Eltern homosexuelle sind,Hauptsache ist das die Kinder gut erzogen werden!

  • Roman am 15.02.2019 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht natürlich...

    ist nur das Leute die es mal wieder absolut 0 betrifft ihren Senf dazu geben müssen. Als würde es eure (heterosexuelle) Rechte beschneiden Kinder zu kriegen. Und erzählt mir nicht von Mutter und Vaterfigur. Dann sollte man das Alleinerziehen ebenfalls verbieten!

  • Konsi am 15.02.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will....

    Es ist unglaublich, nein eben normal geworden was unnormal ist.Ich empfehle das Buch von Manfred Lütz, Leiter einer Psychiatrischen Klinik und Autor. Er schreibt, dass heutzutage eher die sogenannten Normalen einer Therapie bedürfen. Eben die normalen Irren. Der Mensch setzt Naturgesetze ja Schöpfungsgesetze aus.Hochmut kommt vor dem Sturz.

  • Siegfried am 15.02.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überzeugung

    Wenn man Kinder fragen würde, sie wünschten sich einen Papi und ein Mami. Das Kindsrecht und das Kindeswohl ist über alles zu stellen.

  • Roman S am 15.02.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heteros im Nachteil?

    Mein Gott, was nehmen denn die Homos den Heteros genau weg, wenn alle heiraten dürfen? Sind die Heteros dann im Nachteil oder die Homos im Vorteil? Verstehe die Diskussion echt nicht!