Umfrage

17. November 2014 16:06; Akt: 17.11.2014 16:13 Print

«Eifersucht ist bei Paaren Streitthema Nummer 1»

von N. Glaus - Durch neue Medien wird die Eifersucht in der Beziehung immer zentraler. Das sagen Experten. Insbesondere Jugendliche wollen darum den Partner vermehrt kontrollieren.

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Durch neue, soziale Medien gäbe es heute viel mehr Möglichkeiten, an Informationen über den Partner zu gelangen. «Dies kann auch mehr Anlass zur Eifersucht geben»,erklärt Valentina Anderegg, Psychologin an der Universität Zürich. (Bild: dpa Picture-alliance / Lucenet Patrice/oredia)

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Die SMS des Partners lesen und bestimmen, welche Kleider er im Ausgang trägt: Jeder Zehnte in der Schweiz würde seinen Partner oder Partnerin mit dem Handy überwachen, wenn er könnte. Das zeigt eine Umfrage von 20 Minuten mit über 47 000 Teilnehmer. Demnach sind Frauen eifersüchtiger als Männer. Junge Leute haben ein grösseres Kontrollbedürfnis gegenüber ihren Partnern als ältere.

«Die Eifersucht ist oft Streitthema Nummer eins in der Partnerschaft», erklärt Valentina Anderegg, Psychologin an der Universität Zürich. Durch neue, soziale Medien gäbe es heute viel mehr Möglichkeiten, an Informationen über den Partner zu gelangen. «Dies kann auch mehr Anlass zur Eifersucht geben.» Anderegg definiert Eifersucht in der Partnerschaft als ein Gefühl, dass die Beziehung bedroht ist. «Die Illusion ist: Je mehr ich über den Partner weiss, desto eher kann ich die Bedrohung ausschliessen – etwa das der Partner mich betrügt.»

Junge tendieren vermehrt zur Kontrolle

Da gerade bei der jüngeren Generation der Umgang mit neuen Medien selbstverständlich ist, sei bei ihnen der Hang zur Kontrolle in diesen Bereichen grösser, erklärt der Leiter der Deutschschweizer Beratungsstelle von Pro Juventute Thomas Brunner. «Früher sind die Unterhaltung zwischen zwei Leuten privat gewesen.» Bei Instant Messenger oder Facebook aber würden diese Dialoge öffentlich zugänglich. «Die Hemmschwelle, etwa die Nachrichten des Partners zu kontrollieren, sinkt somit.» Die Altersgruppe 35 plus habe dagegen noch eine andere Auffassung von Privatsphäre. «Für sie gilt das mitlesen von Gesprächen als eher unanständig.»

Zudem würden jüngere Menschen noch eine andere Beziehung führen als ältere. «Junge Leute sind eher in kurzen Partnerschaften und hatten auch noch nicht so lange Zeit in ihrem Leben, um Vertrauen zu fassen», sagt Valentina Anderegg. Erwachsene, die schon länger in einer Partnerschaft leben, könnten ein grundsätzlich grösseres Vertrauen aufbauen und würden deshalb tendenziell weniger zur Eifersucht neigen.»

Evolution mach Frauen eifersüchtiger

Dass Frauen eifersüchtiger sein sollen als Männer, wurde laut Anderegg auch in eigenen Studien bestätigt. Ein möglicher Ansatz zur Erklärung dieses Phänomens sei die Evolutionsbiologie: «Die Frauen waren früher darauf angewiesen, dass der Mann bei ihr bleibt, wenn sie ein Kind bekommt. Denn die Frau konnte nicht ein Kind auf ziehen und gleichzeitig jagen.» Der Mann habe dieses Problem nicht.

Ganz grundsätzlich gebe es aber – unabhängig ob Frau oder Mann – bestimmte Charaktere, die zur Eifersucht neigen: «Das sind Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl, solche die in der Beziehung unsicher sind, aber auch Leute mit sehr konservativen Wertvorstellungen.»