Tür-Probleme

01. September 2019 19:55; Akt: 01.09.2019 23:07 Print

«Ein Desaster für SBB-Chef Andreas Meyer»

Die SBB wurde bereits letztes Jahr über Probleme bei Waggon-Türen informiert. Nun muss sie sich der Frage stellen, wieso sie lange nichts dagegen unternahm.

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Die SBB wurde bereits letztes Jahr über Probleme bei Wagon-Türen informiert. Nun muss sie sich CEO Andreas Meyer der Frage stellen, wieso nichts dagegen unternommen wurde. Die SBB habe bereits im Januar 2018 gewusst, dass bei Türen in den EW-IV-Wagen Probleme bestehen, wie aus einem internen Dokument hervorgeht, das dem «SonntagsBlick» vorliegt. Die SBB betont, dass es in dem Dokument nicht um einen ungenügenden Einklemmschutz geht, sondern auf einen Mangel verwiesen wurde, der in seltenen Fällen zu einer spaltbreit geöffneten Türe führen kann. Mitarbeiter gedenken dem verstorbenen SBB-Zugbegleiter, der in einer Wagontür eingeklemmt worden war. Abhilfe gegen offene Türen während der Fahrt sollte ein Türblattkontrollschalter schaffen, mit dem man überprüfen kann, ob alle Türen geschlossen sind. Hier zu sehen ist ein Anzeiger in der Zugkabine, der die Türrschliessung anzeigt. Stefan Spoerri, Chef Kundenbegleitung SBB, zeigt seinen Ablauf bei der Türschliessung anlässlich eines Point de Presse zur Sicherheit von Zugtüren nach dem Unglück von Baden. SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher sagt: «Ich erwarte, dass die SBB-Leitung uns eine klare Auskunft über den sicherheitsrelevanten Bereich gibt und ihre Hausaufgaben endlich macht.» «Dass das Unternehmen über Probleme mit Wagontüren bereits informiert war und nichts unternahm, schockiert mich. Das ist ein Desaster», sagt Jürg Hurni von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). Für Kommunikationsspezialist Roger Huber steht fest, dass die SBB und ihr Chef einen grossen Reputationsschaden davontragen werden. Die Frage sei nun, «ob die SBB fortan nicht besser einen Krisenmanager als einen Schönwetterkapitän als Chef haben möchte».

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Die SBB habe bereits im Januar 2018 gewusst, dass bei Türen in den EW-IV-Wagen Probleme bestehen – also lange vor dem tödlichen Unfall von Baden, meldet der «SonntagsBlick». Das geht aus einem internen Dokument hervor, das auch 20 Minuten vorliegt.

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Ein Ingenieur hielt fest, dass nicht überwacht werden könne, ob die Türen bei der Abfahrt geschlossen seien. Dies könne zu schwerwiegenden Unfällen führen. Abhilfe sollte ein Türblattkontrollschalter schaffen, so der Ingenieur. Diesen Juli hat die SBB begonnen, die Vorrichtung in ersten Wagen einzubauen.

Trotz dieser Sachlage sagte SBB-Chef Andreas Meyer noch vor zwei Wochen und damit nach dem Unfall von Baden, dass er von defekten Zugtüren nichts gewusst habe. Er hält an dieser Aussage fest.

SBB sieht keinen Zusammenhang

Die SBB betont, dass es in dem Dokument nicht um einen nicht funktionierenden Einklemmschutz gehe, sondern um einen Mangel, der in seltenen Fällen zu einer spaltbreit geöffneten Türe führen könne. Man habe die Öffentlichkeit schon vor mehr als einer Woche über den Mangel informiert und noch vor dem Unfall mit dem Einbau des Schalters begonnen. Ein Zwischenfall im Zusammenhang mit einer spaltbreit offenen Türe sei der SBB aktuell nicht bekannt.

Es sei nicht korrekt, dass der Einbau des Türblattkontrollschalters hinausgeschoben worden sei. Der Umsetzungsprozess für das Türverriegelungs-Meldesystem sei komplex und habe Zeit in Anspruch genommen, so ein SBB-Sprecher zu 20 Minuten.

Politik und Gewerkschaft verlangen Antworten

Die neusten Entwicklungen beschäftigen auch die Politik. Edith Graf-Litscher, Präsidentin der Verkehrskommission, hat die SBB-Chefetage auf den 2. September vorgeladen. Thema sind auch die Gründe für den tödlichen Unfall von Baden. Sie sagt: «Ich erwarte, dass die SBB-Leitung uns eine klare Auskunft über den sicherheitsrelevanten Bereich gibt und ihre Hausaufgaben endlich macht. Es kann nicht sein, dass wegen Sparmassnahmen und Effizienzsteigerungen nicht gehandelt wird.»

Wichtig sei aber, dass man deswegen nun nicht das ganze Unternehmen SBB schlechtrede, denn es verfüge insgesamt über gut ausgebildetes und motiviertes Personal.

«Dass das Unternehmen über Probleme mit Waggontüren bereits informiert war und nichts unternahm, schockiert mich. Das ist ein Desaster», sagt Jürg Hurni von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). «Wir wollen von der SBB nun genau erfahren, weshalb die Sicherheitsmassnahmen nicht umgesetzt wurden und wer das entschieden hat.»

Schliesslich sei die SBB verpflichtet, die Mitarbeitenden über Sicherheitslücken zu informieren und diese zu beheben. «Nur dann kann sie das Personal ausreichend schützen.»

«SBB braucht Krisenmanager als Chef»

Für Kommunikationsspezialist Roger Huber steht fest, dass die SBB und ihr Chef einen grossen Reputationsschaden davontragen werden. Natürlich befinde sich Meyer in einer Zwickmühle: «Wenn er sagt, er habe von den Defekten gewusst, hat er ein Problem. Sagt er, er wusste nichts davon, ebenso.»

Er ortet zudem Defizite bei der Kommunikation. «Es kann nicht sein, dass man erst auf Druck von aussen auf Missstände reagiert, gegen die man zuvor trotz Gefahrenpotential nichts unternahm. Das ist keine zeitgemässe Kommunikationskultur.»

Die Kritik weist SBB-Sprecher Oli Dischoe zurück: «Die SBB hat seit dem Unfall in kurzen Abständen offen und transparent über die Untersuchungen und deren Resultat informiert.»

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 01.09.2019 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das gesamte Management muss weg

    die gesamte Chefetage hat leider null Bezug zum Bahnfahren und rasselt so die SBB in die Sackgasse. Meyer hat bereits mit der DB ein Desaster hinterlassen. Meyer muss weg.

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  • Herbie Rudin am 01.09.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitsingenieur

    Nicht nur Ingenieure, sondern jede Menge Sicherheitsingenieure arbeiten bei der SBB. Diese zu ignorieren, heisst für Meyer jetzt zu gehen. Hat die Verantwortung nicht wahrgenommen.

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  • Sändy am 01.09.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel bitte

    In meinen Augen macht Herr Meyer oftmals nur Versprechungen oder reagiert auf Druck von Medien. In meinen Augen eine Marionette, die gelenkt wird. Es wäre an der Zeit für einen neuen Chef. Nicht nur so ging er von der Deutschen Bahn weg.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Motzen am 02.09.2019 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Motzen

    Sowas liegt aus meiner Sicht an denn Verantwortlichen in der Werkstatt?

  • Rob de Bob am 02.09.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterrad ÖV

    Die SBB sowie alle andern ÖV Betreiber sollten so ehrlich sein und auf Infrastruktur Mängel hinweisen und dem Ausbau Wahn der Politik einen Riegel schieben. So gehts definitiv nicht immer mehr und mehr und Personal fehlt auch und muss aus dem Ausland rekrutiert werden. Das Hamsterrad ÖV muss gestoppt werden.

  • Ehemaliger Mit-ARBEITER am 02.09.2019 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Arrogante Manager

    Gewisse Manager (viele) meinen ihre Fähigkeiten würden über die Höhe des Salärs bestimmt - deshalb sind sie so unverschämt. Hochnäsigkeit kommt selten gut an! Einzige Devise: ICH zuerst in Anlehnung an America First - alle Anderen interessieren nicht.

  • Rob de Bob am 02.09.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbau Stopp

    Im ganzen ÖV Angebot wäre dringend ein Ausbau Stopp angesagt, ansonsten wirds gefährlich und das nicht nur bei der Bahn.

  • Kunde am 02.09.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KAFFEE lechz

    IC 1 1.Kl. heute, kein Kaffee, keine Ruhezone, niemand fühlt sich veantwortlich, eben SBB.

    • Kunde am 02.09.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kunde

      PS: Die Probleme der SBB sind tiefer. Ein IC-Zug ist doch eigentlich Routine. Durch die Nacht könnte man die einfachen Sachen flicken, die Kaffeemaschine putzen und der Kaffee wird dann parat sein. Es fehlen Crews, die für ihren Zug schauen dürfen. Ständig wird alles reorganisiert. Seit neustem verstehen gewisse Kondukteur/innen nicht einmal das SBBApp. Niemand mehr ist verantwortlich.

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