Swiss Arctic Project

07. August 2018 11:04; Akt: 08.08.2018 00:35 Print

«28 Grad am Abend – das ist doch verrückt!»

von D. Krähenbühl - Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project waren in Spitzbergen den Folgen des Klimawandels auf der Spur. 20 Minuten berichtete hautnah von den Erlebnissen der Crew.

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Am Strand von Saarstangen dösen einige Walrosse. Die Tiere sind sehr jung und haben noch keine grossen Erfahrungen mit Menschen, Die Teilnehmenden: Jasmin Huser (20) aus Rapperswil-Jona SG, Tessa Viglezio (21) aus Lugano TI, Joëlle Perreten (22) aus Bussigny VD, Janine Wetter (21) aus Fehraltdorf ZH und Antoine Carron (19) aus Fully VS. Fast ist alles gepackt: Am 16. Juli geht es mit dem Flugzeug auf die Insel Spitzbergen. Im Rahmen des Swiss Arctic Projects sollen die Teilnehmenden über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels berichten. 20 Minuten ist live dabei und berichtet im Live-Ticker von der Reise. Während der Reise gibt es drei Möglichkeiten, in Kontakt mit der Aussenwelt zu treten: Kurzwellen. Pro: Relativ günstig und zuverlässig. Contra: Extrem langsam. Option 2: Das Satellitentelefon. Pro: Mobil, kann überallhin mitgenommen werden. Contra: Auch sehr langsam und relativ teuer. Option drei: Iridium Pilot, die Satellitenanlage auf dem Boot. Pro: Relativ schnell – verglichen mit Glasfaser jedoch immer noch extrem langsam (134 kbit/s ist das Maximum). Contra: Extrem teuer. Wie teuer? ... ... so teuer. Rund 14'000 Euro für ein Gigabyte. Die Reise beginnt am 16. Juli 2018 und führt am 7. August 2018 wieder zurück in die Schweiz. Longyearbyen ist die grösste Stadt auf Spitzbergen. Die meisten Bewohner sind zwischen 20 und 45 Jahre alt. Der Leiter des Swiss Arctic Projects, Charles Michel, arbeitete über 30 Jahre lang für das Schweizer Fernsehen und war auf der ganzen Welt im Einsatz. Er berichtete aus Krisengebieten oder machte Newsbeiträge, Dokumentarfilme und Reisereportagen. Seine Frau, Doris Codiga, ist ebenfalls eng am Projekt beteiligt und wird in die Arktis mitkommen. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen, die mit schwermetallhaltigem Treibstoff fahren, darf die MV San Gottardo auch abseits der Grossschiffahrtslinien fahren. So zum Beispiel zur Engelsbucht. Zwar ist die MV San Gottardo nicht das grösste Schiff, dennoch ist sie mit allen technischen Finessen ausgerüstet und hat sich schon mehrere Male in der Arktis bewährt. Hier beispielsweise die Wasseraufbereitungsanlage. Das Schiff bietet Platz für etwa 10 Personen. Eine Vierer-Kabine... ...und das Zweier-Zimmer. Das Bad ... ... und das WC. In der Arktis wird man zahlreiche imposante Naturphänomene beobachten können. Auf der Expedition werden aber leider keine Polarlichter zu sehen sein, weil die Sonne während des ganzen Tages nie untergehen wird. Eine verlassene Marmor-Mine. Die Vegetation nimmt wegen des Klimawandels in Arktis-Nähe immer mehr zu. Und natürlich ganz viele Tiere. Walrosse ... ... die sich gemütlich an der Sonne ausruhen ... Rentiere ... Und ihre Jungtiere. Vögel ... Pottwale ... Zwergwale ... Und natürlich herrscht auf ganz Spitzbergen Eisbären-Gefahr. Aufgrund der schmelzenden Eiskappen im Sommer werden immer mehr Eisbären auf das Festland gedrängt. «Während der Expedition erarbeiten sie gemeinsam den ‹Students Climate Report 2018›», sagt Michel. So würden die Teilnehmer alle Fakten zum Klimawandel ermitteln und mit Politikern, Betroffenen und Forschern vor Ort Interviews darüber führen. Während dreier Wochen werden die Teilnehmenden hautnah erleben, welche Konsequenzen der Klimawandel für die Umwelt und die Tiere in der Arktis hat. «Wir starten die Arktis-Expedition mit fünf Jugendlichen aus den drei Sprachregionen.» Die Personen kommen aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin. Hier eines der Beiboote der MV San Gottardo. Mit dem Expeditionsschiff kann auch an ungewöhnlichen Orten an Land gegangen werden. Die Crew hat die Stadt Pyramiden erreicht. «In nur drei Jahren ist das Eis also mehrere hundert Meter geschrumpft – ein solcher Anblick öffnet einem schon die Augen.» Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project. 18'000 Touristen besuchen die russische Stadt Barentsburg und Pyramiden jedes Jahr. Polarfüchse spielen miteinander.

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20 Minuten berichtet vom 16. Juli bis zum 7. August im Liveticker von der Arktis-Reise!

Zum Liveticker im PopupGefütterte Stiefel, Schal, Mütze, Gletscherbrille und lange Unterhosen: Die Packliste lässt erahnen, dass die Reise mitten im Sommer nicht auf die Seychellen oder Mauritius führt, sondern weiter nördlich – viel weiter. Heute fliegen die fünf Teilnehmer des Swiss Arctic Project mit einem CO2-kompensierten Flug nach Spitzbergen und gehen dann an Bord des Forschungsschiffes MV San Gottardo.

Haben sie die 3440 Kilometer hinter sich gebracht, bleibt ihnen jedoch keine Zeit, um sich an Deck zu sonnen: Im Rahmen des Swiss Arctic Projects sollen die Teilnehmenden über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels berichten. Und zwar direkt auf Social Media: Jede und Jeder soll sich so eine eigene Meinung zum Thema bilden können.

Astronomische Preise

Die Arktis-Reise fordert ihren Besuchern jedoch alles ab: Es erwarten sie tobende Stürme auf dem Polarmeer, Temperaturen im Minusbereich und hungrige Eisbären an Land. Nervös sind die Teilnehmenden im Vorfeld der Expedition jedoch nicht: «Unser Team kennt sich noch nicht sehr lange, aber wir verstehen uns trotzdem schon fast blind», sagt Antoine Carron (19) aus Fully VS. Jasmin Huser (20) stimmt ihm zu: «Am meisten freue ich mich darauf, Zeit mit dem Team verbringen zu können – die letzten Tage waren nämlich recht stressig.»

In den letzten Tagen mussten die Teilnehmenden einige Vorbereitungen für ihre Reise treffen. Sie mussten sich beispielsweise einem ärztlichen Check-up unterziehen. Bei einem Notfall würde es rund zwei Tage dauern, bis man Hilfe organisieren könnte. Ein weiteres Problem während der Expedition stellt die Internetverbindung dar.

Heutzutage ist es alltäglich, entweder per Smartphone oder Computer unbegrenzt Daten zu empfangen oder zu versenden. In der Arktis gilt dies nicht: Für 1 Gigabyte bezahlt man auf dem Boot bis zu 16'000 Franken (14'000 Euro). Dass die internationalen Forscher in Ny-Ålesund und Longyearbyen ihre Glasfaserkabel auch für die Klima-Forscher aus der Schweiz freigeben, ist daher ein Glücksfall.

Diverse Experimente geplant

Die Teilnehmenden surfen jedoch nicht den ganzen Tag auf Instagram, sondern betreiben diverse Experimente mit dafür mitgebrachtem Labor-Equipment während der Expedition. «Mit einem Netz sammeln wir Mikroplastik und analysieren, welche Bakterien auf dem Plastik leben. So wird man vielleicht eine Bakterienart finden, die den Mikroplastik abbaut», sagt ETH-Studentin Janine Wetter (21), die nach Ende der Klima-Expedition ein Austauschsemester an der Uni Spitzbergen verbringen wird.

Andere Experimente beinhalten das Sammeln von Wasserproben für eine norwegische Universität, die Entnahme von Bodenproben und Temperatur-Messungen im arktischen Permafrost in Zusammenarbeit mit lokalen Forschern. «Unsere Leser sind auf jedem Schritt der Reise dabei – langweilig wird es sicher nicht», sagt Wetter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • slash am 16.07.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    co2 kompensiert?

    ich frage mich immer wieder wie das gehen soll? ein "co2 kompensierter" Flug? wie bitte soll das gehen? reinigen denn diese Geldnötli die Umwelt? die Umwelt interessiert Geld nicht! Und diese "co2 kompensiert" Geschichte ist einerseits Heuchelei und andererseits reine Geldmacherei!

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  • Grün Schnabel am 16.07.2018 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Plauschreise

    Und wer bezahlt diese Ferienreise. Hoffentlich nicht mit meinen Steuern!!

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  • Teutates am 16.07.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Stumpfsinn im Quadrat!

    Ein RIESEN Brimborium für NIX! Ich fasse es nicht. Der Planet Erde verändert sich seit Millionen von Jahren und mehr als einmal war das Leben bis zu 90% ausgelöscht. Was soll also der Tanz??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Philipp am 08.08.2018 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    dümmer geht nimmer

    ich glaubs ja nicht, die haben in den 3 Wochen gleich viel CO2 ausgestossen wie ich in ein paar Jahren...

  • W.Meili am 08.08.2018 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler

    Klimawandeltourismus per Flugzeug. Da ist der Lerneffekt aber sehr gering.

  • Kühlschrankseilhüpfer am 08.08.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der Countdown hat begonnen

    Entweder macht der Mensch das gewisse etwas gegen diesen Klimawandel, den er auch mitverursacht hat, oder Mutter Erde richtet uns. Es ist eher das letztere. Der Mensch ist doch nicht flexibel, sein Leben umzugestalten.

  • Eskimo_1968 am 07.08.2018 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin die wohl gehen?

    Lustig, wir standen am 16. Juli vor dieser Gruppe beim Check-in für den Flug nach Oslo an und fragten uns wohin die mit ihrem mega Gepäck wohl hinwollen .... Nun haben wir die Antwort

  • Erwin B am 07.08.2018 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Sache

    Wenn ich all die Ignoranten des Klimawandels höre, finde ich es wichtig, dass uns diese jungen Leute berichten was sie in der Arktis erlebt haben. Im Gegensatz zu den vielen klugen Kommentatoren war ich 2015 auf Spitzbergen und habe die Situation mit eigenen Augen gesehen.