Schwierige Schüler

29. April 2019 07:11; Akt: 29.04.2019 14:57 Print

«Ein Kindergärtler warf einen Stuhl nach mir»

von B. Zanni - Verhaltensauffällige Kinder machen Lehrpersonen den Alltag zur Hölle. Eine Kindergärtnerin und ein Oberstufenlehrer erzählen.

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Jeder fünfte Schüler überspannt den Bogen. Im Schulunterricht sind diese Kinder renitent, werfen Mobiliar durch das Klassenzimmer, beschimpfen Lehrer und Mitschüler. Verhaltensauffällige Schüler sind für 60 Prozent der Klassenlehrer der grösste Belastungsfaktor. Lehrpersonen mit Nerven wie Drahtseil berichten von ihrem täglichen Kampf:

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N. P. (27), Kindergärtnerin aus dem Kanton Zürich:

«Ich erlitt eine schmerzhafte Prellung»

«Ich habe in meinen sechs Jahren als Kindergärtnerin bereits mehrere aggressive und gewalttätige Kinder in meinen Klassen erlebt. Ich wurde angespuckt, geschlagen und getreten. Das ist aber noch nicht alles. Als ich mit den Kindern einmal im Wald war, wies ich einen Jungen zurecht, der sich mit einer anderen Kindergärtlerin stritt. Darauf warf er einen handgrossen Stein nach mir.

Einst hatte ich auch einen Jungen in der Klasse, der immer wieder austickte. Einmal sogar warf er einen Stuhl nach mir, der mich am Fuss traf. Ich erlitt eine schmerzhafte Prellung und wurde vom Arzt danach vier Tage krank geschrieben. Mein Schulleiter unterstützte mich dabei kaum. Er sah die Verletzung einfach als Arbeitsunfall.

«Ich war auch schon den Tränen nahe»

In solchen schwierigen Situationen weiss man teilweise nicht mehr weiter und kommt an seine pädagogischen Grenzen. Ich war auch schon den Tränen nahe oder wollte am liebsten einfach den Klassenraum verlassen und in Ruhe durchatmen. Zweifel an der Berufswahl tauchen auf, obwohl man das Unterrichten und die Arbeit mit den Kindern sehr gerne ausführt. Es wundert mich nicht, dass viele Lehrpersonen der Kindergartenstufe an ihre Grenzen kommen und die Freude am Beruf verlieren.

«Für die Eltern ist man teilweise als Lehrperson schuld»

Im System der Schule gibt es kaum Unterstützung oder Entlastung mit solchen Kindern – man ist als Lehrperson ausgeliefert. Man leidet nicht nur selber bei der täglichen Arbeit und kommt an seine Grenzen, sondern die ganze Klasse leidet darunter. In den Augen der Eltern solcher Kinder ist man teilweise als Lehrperson schuld an der Situation.

Regelmässig stehen mühsame Gespräche, Telefonate und Auseinandersetzungen an. Trotz allem ändert sich selten etwas an der Situation. Erst wenn die Eltern ihre Fehler erkennen und annehmen können, kann man auch den Kindern helfen und alle können an einem Strick ziehen.»

C.L.* (32), Oberstufenlehrer aus dem Kanton Aargau:

«Teils wusste ich nicht mehr weiter»

«Aktuell haben wir auf allen Schulstufen, von der Realschule bis zur Bezirksschule, renitente Schüler. Als ich anfing, gab es Momente, in denen ich als Lehrer alleine nicht mehr weiter wusste.

Gerade auch auf der progymnasialen Stufe rechnete man früher nicht mit solch renitenten Schülern. Manche Schüler fliegen deswegen von der Bezirksschule. Teilweise waren sie so passiv, dass sie ein Jahr später in der Realschule landeten.

«Schüler versteckte sich hinter dem Vorhang»

Einst hatte ich sogar einen 14-Jährigen, der sich in der ganzen Stunde hinter dem Vorhang versteckte. Zuvor hatte ich ihn zurechtgewiesen, was er nicht ertrug.

In der Realschulklasse, die ich zurzeit unterrichte, verhält sich die halbe Klasse doof. Während des Unterrichts machen diese Schüler gar nichts, schwatzen mit den Nachbarn und verhalten sich demonstrativ desinteressiert.

«Sie werfen Papierflieger und Gümmeli»

Oft versuchen solche Schüler, mich zu provozieren. Sie werfen in der Stunde Papierflieger, schmeissen einander Gümmeli an und spielen am Natel herum. Manche Schüler erscheinen auch gar nicht im Unterricht. Ob sie wirklich krank sind oder ob sie einfach keine Lust haben, zur Schule zu gehen, weiss ich nicht. Jedenfalls unterschreiben ihre Eltern die Absenzen.»

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pinguine am 29.04.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problemschüler

    Leider werden viele Kinder nicht mehr erzogen. Anstand und Respekt sollte von den Eltern vorgelebt werden. Wurden diese wohl auch nicht erzogen? Für das Lehrpersonal ist das ein sehr grosses Problem. Leider!

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  • Marg am 29.04.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierige Schüler

    Liebe Eltern, Kinder brauchen Grenzen. Wenn z.B. Ein kleines Kind im Einkaufszentrum laut und lange rumschreit, ist es an euch, Massnahmen zu ergreifen. Man könnte z.B. Das Kind ins Auto zurückbringen, es angurten und eine Minute allein lassen, ohne dass man es aus den Augen verliert. Dann geht man wieder zu ihm, fragt es, ob jetzt alles gut sei. Das Kind kommt dann gerne wieder mit Ihnen. Wenn es erneut schreit, dasselbe wiederholen. Spätestens nach dem dritten Mal ist ihr Kind geheilt, und Sie können problemlos Mit ihrem Kind einkaufen. Könnte noch viele Beispiele bringen

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  • Lehrer am 29.04.2019 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massnahmen stehen zur Verfügung, Anwenden!

    Ich bin selber seit über 20 Jahren Lehrer und kann nur sagen, dass 95% der Schülerinnen und Schüler und derer Eltern anständig sind. Vielerorts ist das Problem mit renitenten Schülerinnen und Schüler Schulgemacht. Das Kollegium arbeitet nicht zusammen, Eltern werden nicht mit dem Verhalten ihrer Sprösslinge konfrontiert, Verhaltensänderungen werden nicht mit letzter Konsequenz eingefordert, Timeouts werden nicht verhängt, Schulleitungen und Schulsozialarbeit zu spät oder gar nicht beigezogen. Etc. Den Schulen stehen entspr. Massnahmen zur Verfügung. Anwenden liebe Kolleginnen und Kollegen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vatervondrei am 29.04.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing der Erziehung

    Es ist sehr bedauerlich, dass gute Kindergärtnerinnen wie N.P. (Hatte 2 bei ihr) keine Unterstützung von der selbst total überforderten Schulleitung erhalten. Aber leider wird ja von gewissen Eltern die Erziehung an die Kindergärten delegiert. Dies ist hald bequemer als sich selbst mit dem renitenten Kids auseinander zu setzen ..

  • Realist am 29.04.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie und wahre Begebenheit

    In meiner Jugend war es anders. Bei uns waren die Lehrer die Unerträglichen, wenigstens manchmal gut, selten. So wurden wir als ganze Klasse zweimal des Schulzimmers verwiesen! Im ersten Fall mit den banalen Worten: "use, use!", beim zweiten mit dem literarischen Satz: "Ihr ko... mich alle an!" Danke für alles "Blächueli" und "Pfludi"!

  • Hexxäbäsä am 29.04.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    johoo

    habe ich am gymi 90er jahre in frauenfeld erlebt. aus dem 4. stock wurden die stühle rausgeschmissen... da aber kein ausländer dabei war, sondern nur richkids, wurde es nicht einmal in der zeitung erwähnt. gab es schon immer. nur lehrer mit 50% pensum und 100 % anschiss die gibt es heute zuhauf! mein sohn hatte einen klassenlehrer, welcher clown werden wollte und darum halbtags gearbeitet hat und die andere klassenlehrerin mochte einfach nicht mehr arbeiten... "schreib-wie-du-willst" sagt ja schon alles über die qualität.

  • Nationless am 29.04.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Undankbarer Beruf

    Lehrer zu sein ist so was wie im ÖV-Branche oder Polizist tätig zu sein. Man braucht viel dicke Haut und Nerven. Nur man muss zusätzlich Matur und studiert haben zu haben. Allerdings arbeitet man nicht unregelmässig an Feiertagen oder gar in der Nacht.

    • Lehrer am 29.04.2019 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Sicher arbeitet man auch ausserhalb der Bürozeiten! Bei mir: 2x im Jahr Lager, 26 x Elterngespräch nach 19 Uhr, Elterntelefonate abends, Schulausflüge, Lesenacht, Abschlussfeier...

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  • Gaudenz am 29.04.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Erstaunlich das niemand merkt, das solches Verhalten immer ein Hilferuf ist. Kinder brauchen nicht nur Grenzen, nein sie wollen sie. Kein Kind liebt es, das es machen darf was es will. Das sind massive Hilferufe.