Mundart im Kindergarten

17. Mai 2011 21:27; Akt: 17.05.2011 21:27 Print

«Ein gefundenes Fressen für die SVP»

von Jessica Pfister - Mit den Mundart-Initiativen hat die SVP einmal mehr ein Thema besetzt, das die Schweizer bewegt. Für Politologe Georg Lutz steckt dahinter reine Parteitaktik.

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Mundart im Kindergarten ist das neue Lieblingsthema der SVP. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Nach dem Sieg in Zürich, wollen andere SVP-Kantonalsektionen ebenfalls Mundart-Initiativen lancieren. War das zu erwarten?
Georg Lutz: Ja, das ist typisch SVP. Sie sucht sich systematisch populistische Themen aus, bei denen sie sich erfolgreich gegen die anderen Parteien stellen kann. Das war auch bei der Minarett- sowie bei der Ausschaffungsinitiative der Fall. Auf kantonaler Ebene ist die Mundartoffensive für die SVP ein gefundenes Fressen. Das Anliegen ist mehrheitsfähig, tut niemandem weh und die Partei muss nach einer gewonnenen Abstimmung nicht gross Verantwortung übernehmen.

Ob Verantwortung oder nicht - die Partei steht gegen Aussen trotzdem als Gewinnerin da.
Diese Siege sind symbolisch sicher wichtig und ein Teil der Parteitaktik. Wahrscheinlich war die Abstimmung in Zürich ein strategischer Test und es war schon im Voraus klar, dass bei einem Ja die anderen Kantonssektionen aufspringen.

Also wird eigentlich alles zentral gesteuert?
Sicher häufig. Schon bei der Reform zur Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos) hat die SVP flächendeckend Opposition betrieben – mit Erfolg. Doch ich sehe weder hinter dem Harmos-Nein noch hinter der Mundartinitiative ein ernsthaftes bildungspolitisches Anliegen sondern vielmehr das Ziel, konservative Wähler anzusprechen und die Partei im Hinblick auf die kommenden Wahlen konsequent zu positionieren.

Themen kantonal einheitlich voranzutreiben scheint vor allem eine Stärke der SVP zu sein. Wo stehen hier die anderen Parteien?
Die SP hat die Initiativen zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung ebenfalls flächendeckend vorangetrieben. Oder in den 70-er Jahren als gleich in mehreren Kantonen Abstimmungen über zusätzliche Atomkraftwerke anstanden. Andere Parteien gehen aber auf jeden Fall weniger systematisch und konsequent vor.


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton Keller am 18.05.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Anschauung

    Weshalb soll die SVP mehrheitsfähige Themen der EVP, welche zu ihrer Anschauung passen, nicht unterstützen? Das ist doch genau die Aufgabe der Partei!

  • Peter Zimmermann am 18.05.2011 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Forschung in den Sozialwissenschaften?

    Wenn nun der Direktor der FORS behauptet, die SVP spreche konservative Wähler an um sich damit auf die kommenden Wahlen zu positionieren so ist das einfach eine oberflächliche Forschung. Der Anzug im Kanton Zürich kam von einer " engagierten Fachgruppe". Erst später sind EVP und SVP auf den Zug aufgesprungen. Mit der An- nahme haben die vielen anderen Parteien einen klassischen "Nasenstüber" bekommen. Oder aber diesen Parteien fehlt der "Riecher" und politisieren am Volk vorbei.

  • Robert Pichler am 18.05.2011 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Georg Lutz: Partei?

    Sie stellen Georg Lutz mit Bild vor, was er ist und was er tut. Könnte man auch noch erfahren, in welcher Partei er ist (oder welcher Partei er sich zugehörig fühlt)?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chrigu am 26.06.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme erfinden

    Wenn man die realen Probleme nicht lösen kann, dann muss man halt andere Probleme erfinden, die man dann unter allgemeinen Applaus löst. Übrigens stört es mich nicht, wenn meine Tochter schon im Kindergarten von ihrer liebevollen deutschen Kindergärtnerin ein geschliffeneres Deutsch mitbekommt. Nichts gegen Schweizerdeutsch, aber so wie mir die Haltung von SVP und Co rüberkommt ist das ein zelebrieren von Hinterwäldlertum.

  • Thomas M am 19.05.2011 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die einzige Partei für Volksanliegen

    Jetzt heisst es wieder, die Angelegenheit sei populistisch. Ich sehe das als ein Bedürfnis der Bevölkerung zur Wahrung ihrer Kultur und Identität. Die Sprache ist ein grosser Teil userer Kultur. Das Thema würde allen Parteien offen stehen sich zu profilieren. Aber anscheinend wird das Thema von den anderen Parteien nicht gewünscht, dafür werden andere Themen wie Gendering vorangetrieben, was unserer Kultur eher schadet.

    • Papierlischweizer am 20.05.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Die einzige Partei für Unwesentliches

      Bevor das Thema nicht von der EDU, EVP und SVP zum Problem hochstilisiert wurde, hat sich komischerweise keiner daran gestört. Wenn einem konsensfähige Lösungen zu wirklichen Problemen fehlen, lässt sich mit solchen Initiativen bestens von der eigenen Unfähigkeit ablenken, die wirklichen Probleme der Zukunft zu erkennen und Schritte zur Lösung derselben einzuleiten. Daher ein klar populistisches Ablenkungsmanöver zu Ungunsten unserer künftigen Generationen.

    • P.Vögelin am 26.06.2011 06:22 Report Diesen Beitrag melden

      Darum geht es

      Bravo, genau auf den Punkt gebracht, gruess us Basel

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  • Steff am See am 19.05.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Tempo des Lebens

    Es geht hier um unseren Dialekt.Wer sich nicht bewusst ist wo seine sprachlichen Wurzeln sind dem wurde zu früh die Bereitschaft genommen in seiner Sprache zu kommunizieren.Es gibt immer Leute die glauben alles besser zu wissen und deshalb ihr Eingreifen in das Tempo des Lebens so rechtfertigen.Egal ob nun Wahlen sind oder nicht diese Figuren sollten sich ein wenig zurückhalten und den Dingen ihren Lauf lassen.

  • dixi am 19.05.2011 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Pfui

    Jetzt mal ehrlich! Es geht ja nicht darum das Schweizerdeutsch verboten war!!! Nichts sollte verboten sein! Wisst ihr was die Konsequenz dieser Initiativen ist? Wir verbieten es in der untersten Stufe unseres Blidungssystems etwas zu "unterrichten"! Es kann doch nicht sein, dass es Verbote gibt etwas bestimmtes zu lernen oder lehren! Wo sind wir denn? Solche Verbote im in der Bildung sind unhaltbar.....ich sag nur willkommen in der Steinzeit

  • Marco am 19.05.2011 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Aktion

    Man darf sich auch bei "der Partei", welche eine Aktion beim Stauffacher machte, für dieses Resultat bedanken. Mit der Aktion "Verbot von Schweizerdeutsch" haben sie wohl mehr Leute wütend gemacht, als ihnen lieb war. Ich werde mein Kind weiterhin mehrsprachig aufziehen.