Fahren ohne Billett

07. März 2016 06:23; Akt: 07.03.2016 12:23 Print

«Ein kleines Problem und man verpasst den Zug»

von B. Zanni - Die SBB planen Zugfahrten ohne Billette. Pro Bahn begrüsst den Plan – und würde das Vorhaben schon in zwei Jahren einführen.

storybild

Direkt in den Zug und abfahren: Das Lösen eines Tickets könnte für SBB-Kunden bald der Vergangenheit angehören. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Künftig sollen sich die SBB-Kunden den Gang zum Billettautomaten sparen können. Die SBB fassen ein neues Ticketsystem ins Auge. Das sogenannte Bibo-System («be in, be out») würde dem Kunden das Losfahren ohne vorgängigen Ticketkauf ermöglichen. Sensoren in den Zügen registrieren das Ein- und Aussteigen. Gespeichert werden die Informationen auf dem Chip des Swiss Pass der Kunden. Danach erhält der Kunde eine elektronische Abrechnung.

Umfrage
Begrüssen Sie das neue Billettsystem?
40 %
18 %
23 %
19 %
Insgesamt 13535 Teilnehmer

Detaillierte Informationen zur technischen Umsetzung liegen gemäss der SBB noch nicht vor. «Der öffentliche Verkehr hat mit dem Swiss Pass letztes Jahr einen ersten Schritt in die elektronische Welt gemacht», sagt SBB-Sprecherin Rahel Meile. Ein erstes konkretes Projekt haben die SBB bereits im Kanton Zug versucht (siehe Box).

Zug verpassen wegen Automat

Die SBB wollen das System bis spätestens 2025 einführen. Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, Interessenvertretung der Kunden des öffentlichen Verkehrs, begrüsst das Modell. «Einfach einsteigen und losfahren können ist ein erstrebenswertes Ziel der Kunden», sagt Schreiber. Die Billettautomaten seien für Eilige ein Hindernis. «Ein kleines Problem mit dem Automaten genügt und man verpasst den Zug.»

Schreiber erachtet ein einfach funktionierendes System und gerechte Tarife als wichtig. «Vielfahrer sollen mit Rabatten belohnt werden.» Das sehen auch die SBB vor. Die Abrechnung soll über die Rabattmöglichkeiten informieren. Auch die vorgesehene Obergrenze, die dem Wert eines Generalabonnements entspricht, deckt sich mit den Forderungen von Pro Bahn.

Pro Bahn fordert saubere Lösung

Das Erfassen der Kunden ist aus Datenschutzgründen eine Knacknuss. Kürzlich haben der Verband öffentlicher Verkehr und die SBB nach Kritik des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten die Kontrolldaten auf dem Swiss Pass gelöscht. Die grösste Herausforderung sei, dass man für die Berechnung der Preise die Fahrten der Passagiere zurückverfolgen müsse, sagte Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr bei den SBB in der Berner Zeitung. «Für das dafür nötige Tracking müsste erst die gesetzliche Grundlage geschaffen werden.»

Kurt Schreiber fordert ein aus datenschützerischer Sicht sauber gelöstes System. «Die Kunden fürchten sich davor, dass ihr Bewegungsprofil von den SBB genau aufgezeichnet wird.» Aus diesem Grund sei wichtig, dass die SBB die Kundendaten nach kurzer Zeit löschen.

Wünschenswert wäre für Schreiber, wenn das neue Ticketsystem bereits 2018 eingeführt würde. Die herkömmlichen Billette will er aber nicht ganz verbannen. Er rechne damit, dass das neue System nicht jedem Kunden entsprechen werde. «Man soll immer auch noch am Schalter oder Automaten ein Ticket lösen können.» Laut Jeannine Pilloud wäre dies weiterhin der Fall.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymus am 06.03.2016 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Warum kompliziert?

    Warum führt die SBB nicht eine Art Oystercard ein, die in London das Fahren mit der Tube so bequem macht. Die Karte wird mit Bargeld geladen und beim Einsteigen markiert, beim Verlassen der Bahn wieder. Der gefahrene Tarif wird abgebucht. So einfach geht das. Nichts wird gespeichert. Ich möchte nicht erfasst und für unbestimmte Zwecke und Zeit im Datennetz der SBB hängen bleiben.

    einklappen einklappen
  • black rider am 06.03.2016 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beste Antwort

    Es fehlt bei der Abstimmung noch "ich löse kein bilett"

    einklappen einklappen
  • Lea am 06.03.2016 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne SwissPass

    Könnte das System auch solche Kunden erfassen, die keinen SwissPass haben? Oder fahren die dann gratis, da sie nicht registriert werden?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • shaniicem am 07.03.2016 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie wärs?

    wie wäre es mit ticketschalter in den verkehrsmitteln so wie in einem bus der chauffeur ?

  • Hizz am 07.03.2016 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann auf Automaten verzichten

    Mir eigentlich egal ich bezahle entweder mit dem Handy SBB App die Strecke oder im Bus

  • Dani am 07.03.2016 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    Yesss, endlich kommt auch die SBB auf die Idee. Leider hab ich aber auch schon von einigen Leuten aus der Branche gehört, dass es sich nicht so einfach umsetzen lässt, wenn man nicht überall Tore aufstellt wie z.B. in England. Aber wenn sie es schaffen, ist das ein echter Schritt in die richtige Richtung

  • Christian Barmettler am 07.03.2016 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Oh je

    Oh je, schon wieder diese Idee. So kann die SBB für gut gefüllte Züge mehr verrechnen als in leeren. Dies ist doch die Idee dahinter. Der Kunde merkt dieses erst wenn er die Rechnung erhält. Schlimm ist, das dieses Vorgehen noch von Pro Bahn begrüsst wird. Mitteilungen schreiben wenn die Preise steigen, aber hierfür einstehen. BRAVO, und dies nennt sich Kundenorganisation.

  • Felix Frei am 07.03.2016 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Fin ich gut. In Tokyo gibts was ähnliches und es Funktioniert super!