Suchtgefahr?

14. Mai 2019 11:51; Akt: 14.05.2019 11:51 Print

Fachleute wollen Beerpong verbieten

Beerpong boomt. Nur im Kanton Neuenburg herrscht ein Verbot von öffentlichen Trinkspielen. «Sucht Schweiz» fordert dieses nun auf nationaler Ebene.

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Beerpong boomt: Das Trinkspiel aus den USA breitet sich seit Jahren in der Schweiz aus und ist von Home-Partys nicht mehr wegzudenken. Auch viele Bars und Clubs bieten inzwischen Beerpong-Turniere an. Doch Sucht- und Präventionsverbände sind vom Hype wenig begeistert. So fordert «Sucht Schweiz» ein Verbot solcher öffentlicher Trinkspiele. «Trinkspiele verharmlosen den Alkoholkonsum und sind so angelegt, dass der Alkohol sehr schnell und in grossen Mengen getrunken wird», so Silvia Steiner, Leiterin Prävention bei Sucht Schweiz. Laut Steiner werden gerade junge Menschen aufgrund ihrer Impulsivität dazu verleitet, bei Trinkspielen mitzumachen und verlieren rasch die Kontrolle über die getrunkene Menge. «Ein schweizweites Verbot von öffentlichem Beerpong wäre im Sinne der Prävention. Denn jegliche strukturelle Massnahmen, welche Sichtbarkeit und die Verharmlosung von alkoholischen Getränken reduzieren, tragen dazu bei, Alkoholprobleme zu vermindern», so Steiner. Im Kanton Neuenburg, wo ein entsprechendes Verbot bereits existiert, zieht Pierre Gobat, Chef der Gewerbepolizei Neuenburg, eine positive Bilanz: «Das Gesetz ist seit 2015 in Kraft und wird grösstenteils eingehalten. Es wird definitiv weniger Beerpong in der Öffentlichkeit gespielt.» Laut Gobat werden Kontrollen durchgeführt: «Die Polizei entdeckt ab und zu Bars oder Klubs, die solche Veranstaltungen entweder auf Social Media posten oder im Lokal selbst ausschreiben.» Doch viele stören sich am Neuenburger Beerpong-Verbot und fordern dessen Aufhebung: So nominiert die IG Freiheit das Verbot für den diesjährigen «Rostigen Paragraphen», womit jährlich besonders unnötige Gesetze ausgezeichnet werden. Auch Camille Lothe, Präsidentin der Zürcher Jungen SVP, macht sich grosse Sorgen um ihr «Lieblings-Abendunterhaltung». Auf ihrem Youtube-Channel «Uf dä Punkt» macht sie sich über die Neuenburger Verwaltung lustig und bemängelt die zunehmende Beschneidung unserer persönlichen Freiheiten.

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Das Trinkspiel ist von Home-Partys nicht mehr wegzudenken: Zweierteams befinden sich am jeweiligen Tischende und versuchen mit einem Pingpongball möglichst schnell alle mit Bier gefüllten Becher des Gegnerteams zu treffen. Bei jedem Treffer muss das gegnerische Team den Becher leer trinken. Ziel ist es, als erstes Team alle Becher des Gegners abzuräumen.

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Auch viele Bars und Clubs bieten inzwischen Beerpong-Turniere an. So veranstaltet zum Beispiel die Studentenvereinigung AIV von der ETH Zürich regelmässig solche Turniere und wirbt mit dem Slogan «You sink it, they drink it. Versuch dein Glück und spiel mit.»

Verbot von öffentlichen Trinkspielen gefordert

Suchtexperten sind vom Hype wenig begeistert und fordern ein öffentliches Trinkspielverbot: «Trinkspiele verharmlosen den Alkoholkonsum und sind so angelegt, dass der Alkohol sehr schnell und in grossen Mengen getrunken wird», sagt Silvia Steiner, Leiterin Prävention bei Sucht Schweiz.

Laut Steiner werden gerade junge Menschen aufgrund ihrer Impulsivität dazu verleitet, bei Trinkspielen mitzumachen. Diese würden dann rasch die Kontrolle über die getrunkene Menge verlieren: «Ein schweizweites Verbot von öffentlichem Beerpong wäre im Sinne der Prävention. Denn jegliche strukturelle Massnahmen, die Sichtbarkeit und die Verharmlosung von alkoholischen Getränken reduzieren, tragen dazu bei, Alkoholprobleme zu vermindern.»

«Es wird öffentlich definitiv weniger Beerpong gespielt»

Im Kanton Neuenburg existiert bereits seit einigen Jahren ein entsprechendes Verbot von öffentlichen Trinkspielen (20 Minuten berichtete). Pierre Gobat, Chef der Gewerbepolizei Neuenburg, zieht eine positive Bilanz: «Das Gesetz ist seit 2015 in Kraft und wird grösstenteils eingehalten. Es wird definitiv weniger Beerpong in der Öffentlichkeit gespielt.»

Laut Gobat werden Kontrollen durchgeführt: «Die Polizei entdeckt ab und zu Bars oder Clubs, die solche Veranstaltungen entweder auf Social Media posten oder im Lokal selbst ausschreiben.» Verstosse man gegen das Gesetz, drohe im Normalfall eine Busse. Wiederholungstätern könne sogar das Wirtepatent entzogen werden, was jedoch bisher nicht nötig gewesen sei, so Gobat.

Ob das Neuenburger Gesetz auch auf andere Kantone ausgeweitet werden soll, überlasse er lieber der lokalen Politik und den Sucht- und Präventionsverbänden. «Fakt ist aber, dass der schnelle und grosse Konsum von Alkohol durch Trinkspiele gefördert wird und der Gesundheit schadet. Das ist auch die Motivation hinter unserem Gesetz», so Gobat.

Politiker finden Beerpong-Verbot unnötig

Doch viele stören sich am Neuenburger Beerpong-Verbot und fordern dessen Aufhebung: So nominiert die IG Freiheit das Verbot für den diesjährigen «Rostigen Paragraphen», womit jährlich besonders unnötige Gesetze ausgezeichnet werden. Das Komitee findet, dass «immer häufiger in Amtsstuben entschieden wird, wie wir unseren Tag zu verbringen haben und was wir dabei konsumieren dürfen – oder eben nicht».

Auch Camille Lothe, Präsidentin der Zürcher Jungen SVP, macht sich grosse Sorgen um ihre «Lieblings-Abendunterhaltung». Auf ihrem Youtube-Channel «Uf dä Punkt» macht sie sich über die Neuenburger Verwaltung lustig und bemängelt die zunehmende Beschneidung der persönlichen Freiheiten. «Es ist leider so, dass in unserer Gesellschaft immer mehr Freiheiten von gewissen Politikern beschnitten werden. Und das bis hin zur Besinnungslosigkeit», so Lothe im Video.


(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 14.05.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Genau die...

    Genau die, die nun so gross dagegen schiessen waren früher sicher für jedes Trinkspiel zu haben. Lasst doch die Leute einfach sein, es braucht nicht für alles ein Verbot.

    einklappen einklappen
  • Vanco am 14.05.2019 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Ich bald 23 Jahre alt, beneide die ältere Gerneration!! Egal was, entweder gibt es bereits ein Gesetz oder es folgt bald ein Verbot heutzutage. Traurig..

    einklappen einklappen
  • Ex-perten am 14.05.2019 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Auch ohne Beerpong ist Alkohol ein Suchtmittel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alohaworld: am 14.05.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die doch!

    Lasst dich die doch auch jung sein! Ein bisschen spass bei dem ernsten Leben gehört dazu...

  • simon am 14.05.2019 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    ach die guten alten Zeiten

    früher nannte man das bei uns Feierabendbier

  • Alois am 14.05.2019 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach je...

    Wir hatten in den 60er Jahren einiges das wesentlich härter war. Von der Whiskeyorgel über Getränke hält ein bis Niederdorf rauf und runter und in jedem Spunten eine Flasche Wein. Heute mit über 70 Jahren bin ich immer noch kein Alkoholiker.

  • Rob am 14.05.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe die Jungen nicht...

    Alkohol ist eine seriöse Sache und sollte auch seriös getrunken werden. Saufen ist kein Spiel, sondern harte Arbeit. Wer gewinnen oder verlieren muss um ein Bierchen zu trinken ist nicht nur kindisch sondern auch langweilig.

  • Joe Pereda am 14.05.2019 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf

    Wieder mehr Verbote. Brave new world ....