Mädchen-Schlägerei

18. Februar 2020 04:46; Akt: 18.02.2020 04:46 Print

«Diese Jugendlichen sind schlecht erzogen»

Ein Video mit prügelnden Mädchen geht viral – eine Schlägerin (17) ist schon vorbestraft. Ein Jugendpsychologe analysiert den Fall.

Mädchen prügeln aufeinander ein. Das Video wurde in Bern aufgenommen. (Video: Leser-Reporter)
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Eine Latina-Gang und eine Gruppe von Bielerinnen sind am vergangenen Freitag im Bahnhof Bern aufeinander losgegangen. Die Rauferei verbereitete sich schnell in den sozialen Medien. Viele User können nur den Kopf schütteln: «Ich habe mich sehr darüber gewundert, zu was die heutige Jugend fähig ist», sagt ein 15-Jähriger. «Leider passiert sowas ständig.»

20 Minuten hat Philipp Ramming zum Vorfall befragt. Er ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie.

Herr Ramming, schlagen Mädchen brutaler zu als früher?
Das weiss ich nicht. Dass Mädchen oder Frauen zuschlagen, ist immer noch seltener. Prügelnde Frauen sind nach wie vor ein No-Go in der Gesellschaft – entsprechend gross ist die Aufmerksamkeit, wenn es passiert. Grundsätzlich sieht man an solchen Fällen was passiert, wenn Kinder schlecht erzogen sind.

Welche Jugendlichen schlagen zu?
Oft gehören die Schlägerinnen der Unterschicht an. Ein schweres Schicksal ist aber keine Entschuldigung, um anderen die Nase blutig zu schlagen.

Eine der Schlägerinnen sagt, sie habe schon öfter zugeschlagen, sei wegen Körperverletzung verurteilt worden. Ein typisches Muster?
Ja, es handelt sich offensichtlich um eine Wiederholungstäterin. Wenn man keine Reue und Einsicht zeigt, handelt es sich um ein eindeutig kriminelles Verhalten. Hier sollte das Jugendamt einschreiten.


So oft schlagen Mädchen zu

Junge Frauen schlagen immer noch viel seltener zu als junge Männer: 2018 wurden laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 122 junge Frauen zwischen 15 und 17 Jahren einer Tätlichkeit beschuldigt. Im gleichen Zeitraum waren es 439 junge Männer zwischen 15 und 17.

Einer einfachen Körperverletzung wurden 2018 in der Altersklasse 41 Frauen und 394 Männer verdächtigt. In den vergangenen zehn Jahren gingen die Fälle stark zurück – zuletzt haben aber die Gewaltdelikte im Kanton Zürich wieder zugenommen.


(daw)