Gratis-Sonntagszeitung

03. August 2016 17:00; Akt: 03.08.2016 17:19 Print

«Ein weiterer Schritt in Richtung Blocherisierung»

von J. Büchi - Berichten zufolge will Christoph Blocher den Medienmarkt mit einer kostenlosen Zeitung aufmischen. Die politische Konkurrenz ist bestürzt.

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Der SVP-Mäzen in geheimer Mission: Unter dem Codenamen «007» wolle Christoph Blocher eine Gratis-Sonntagszeitung lancieren, berichtete das Branchenmagazin «Schweizer Journalist». Mit einer geplanten Auflage von 500'000 Exemplaren würde die Zeitung mehr als doppelt so viele Menschen erreichen als alle anderen Sonntagstitel im Land.

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Die öffentlichen Reaktionen reichen von Applaus über Ablehnung bis hin zu Spott. «Grosse Bedenken» meldet Matthias Aebischer, SP-Nationalrat und ehemaliger SRF-Journalist, an. «Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Blocherisierung.» Als Milliardär habe Blocher das Geld, um den Medienmarkt förmlich zu überschwemmen. Aebischer verweist darauf, dass Blocher erst am Dienstag in vielen Schweizer Tageszeitungen ganzseitige Inserate geschaltet hat, in denen er selber ein Interview gab. Zwar stehe es jedem Bürger frei zu lesen, was er wolle. «Wenn die öffentliche Meinung aber im grossen Stil finanziell beeinflusst wird, ist das problematisch.»

Tessiner Vorbild

SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Autor Peter Keller würde sich über eine Umsetzung der Pläne freuen: «Eine Stimme mehr würde der Medienlandschaft und der politischen Debatte in der Schweiz guttun.» Wer argumentiere, dass die öffentliche Meinung mit einer solchen Zeitung gekauft werde, unterstelle den Wählern Manipulierbarkeit. «Das ist eine Herabsetzung der Bürger.» Keller glaubt, dass eine SVP-Zeitung in der Deutschschweiz genauso populär werden könnte wie der «Mattino della Domenica» – eine Gratis-Sonntagszeitung der Rechtspartei Lega im Tessin.

Aebischer zweifelt nicht daran, dass eine Gratis-Publikation aus Herrliberg über die SVP-Wählerschaft hinaus Anklang fände. «Der Mehrheit der Leser ist es egal, wer hinter einer Zeitung steht – das zeigt das Beispiel der BaZ leider exemplarisch.» Blocher ist Miteigentümer der «Basler Zeitung», weiter richtet sich der SVP-Stratege auch regelmässig über seinen Haus-Sender Blocher TV an ein interessiertes Publikum. Ebenfalls als Blocher-nah gilt die «Weltwoche», die SVP-Nationalrat Roger Köppel gehört.

SVP plante schon 2007 eine Tageszeitung

Dass Blocher seine Stellung im Schweizer Medienmarkt gern ausbauen würde, glaubt auch Politikberater Mark Balsiger. Er geht aber nicht davon aus, dass das Projekt jemals Realität wird. «In der Deutschschweiz ist der Sonntagsmarkt längst übersättigt.» Für einen weiteren Titel sei kein Platz – selbst wenn dieser gratis ist. Dies im Gegensatz zum Tessin, wo die Lega dei Ticinesi seit 1990 erfolgreich die Gratis-Sonntagszeitung «Il Mattino della Domenica» vertreibt.

Der Politologe erinnert zudem daran, dass der damalige SVP-Präsident und heutige Bundesrat Ueli Maurer bereits im Wahlkampf 2007 vollmundig die Lancierung einer eigenen Tageszeitung angekündigt hatte. «Später verschwand die Idee sang- und klanglos wieder.» Die grösste Hürde sind laut Balsiger die Kosten. «Als geschickter Geschäftsmann muss Blocher in seinen Analysen zum Schluss kommen, dass sich die Investition unter dem Strich nicht auszahlt.»

100 Millionen Anlaufkosten

«Basler Zeitung»-Verwaltungsratspräsident Rolf Bollmann, der das Sonntagszeitungs-Projekt laut dem Bericht des «Schweizer Journalists» leiten soll, schätzt die Anlaufkosten gegenüber dem Branchenportal «Persönlich» auf mindestens 100 Millionen Franken. Er bestätigt, derzeit seien verschiedene Projekte in Prüfung – ob eines davon realisiert werde, könne er nicht sagen. Auch Christoph Blocher lässt ausrichten, es sei noch nichts spruchreif.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tarek93 am 03.08.2016 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sein gutes Recht

    Auch wenn man - so wie ich - politisch am anderen Ende des Spektrums angesiedelt ist, muss man festhalten, dass Herr Blocher mit seinem selbst erarbeiteten Geld machen kann was er will.

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  • Rita Schreiber am 03.08.2016 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super idee!

    das wäre ein sehr guter ausgleich zu den vielen linken zeitungen. (es wäre vorallem fair, da die medienlandschaft fast nur noch links ist) ich freue mich darauf!

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  • Roland Kämpe am 03.08.2016 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    In diesem Land fehlt ein Gegenpol zu den etablierten Medien, die SEHR stark links-grün propagandieren und mittlerweile - so hat man den Eindruck - fast nur noch voneinander abschreiben. Was nicht passt wird verschrien, totgeschwiegen, zensiert. Diskurs und freie Meinungsbildung (die ja eben das Betrachten der Sachen von verschiedenen Seiten bedingen WÜRDE) unerwünscht. Differenzierung unerlaubt. Unhaltbar, eigentlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Destiny95 am 04.08.2016 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein vertrauen

    ich traue blocher nicht da er einst an der sogenanten bilderberger konferenz teil nahr. seit da traue ich ihm nicht mehr über den weg.

  • Ruedi am 04.08.2016 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Blocher ist das Problem

    Sondern die, welche ihm blind folgen ohne selber zu denken. Kein einziger Politiker begeht selbstlose Politik, jeder schaut zuerst für sich. Da unterscheiden sich Politiker mal nicht vom Bürger.

  • Brenner Kurt am 04.08.2016 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst aufgedeckt zu werden

    Alle die gegen diese Idee sind haben in Wirklichkeit etwas zu verbergen und möchten, dass Tatsachen weiterhin,wie so üblich in der EU, unter dem Kopfkisten verborgen bzw konfisziert bleiben, man will keine offene und wahrheitsgetreue Medienlandschaft, es sind auch oft die Menschen mit einem schlechten Gewissen die sich auch oft von den rechten quersubventionieren lassen.

  • mägge am 04.08.2016 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    wir gut tun

    Naja, dass kann der linkslastigen Medienwelt nur gut tun! Achtet mal darauf, es werden viele kleine Details in diversen Artikeln nicht erwähnt..

  • Sybille am 04.08.2016 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so...

    Finde ich gar nicht schlecht... es braucht langsam dringend ein Pendant zur täglichen Levratisierung. Und wieso geht eigentlich so ein Aufschrei durch die linke Medienlandschaft ? Lesen tut man je bekanntlich freiwillig !! Ist das nicht eher ein Aufschrei der rot-grünen Gedankenpolizei ?