Pakistan-Experten

15. März 2012 18:40; Akt: 16.03.2012 10:16 Print

«Eine Flucht ohne Hilfe ist unmöglich»

David O. und Daniela W. sind gemäss dem EDA aus den Fängen der Taliban geflohen. Der pakistanische Geheimdienst sagt: Es floss Lösegeld. Experten zweifeln ebenso an einer Flucht.

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Am 17. März 2012 kommt das in Pakistan entführte Schweizer Paar wieder in der Schweiz an. Das Paar traf gegen 13.30 Uhr am Flughafen Zürich-Kloten ein. Mit einem Stofftier winkt Daniela W. aus dem Auto ihren Verwandten zu. Das erste Bild: David O. und Daniela W. sind wieder auf freiem Fuss ... ... und wirken zumindest auf den ersten Blick unversehrt. Die 28-jährige Daniela W steigt aus dem Helikopter auf der Qasim-Militärbasis in Rawalpindi, Pakistan, ... ... gefolgt von ihrem 31-jährigen Freund David O. Am 27. Dezember 2011 wurden den Medien neue Bilder der Schweizer Geiseln zugespielt. Oliver O. und Daniela W. vor einem schwarzen Banner. Die Berner Daniela W. und ... ... Oliver O. sind seit dem 1. Juli in der Gewalt der Taliban. In einem am 25. Oktober 2011 veröffentlichten Video melden sich die beiden Schweizer Geiseln zu Wort. Im Juli entführt und seither vermisst: David O. und Daniela W. Bei den Geiseln handelt es sich um einen aktiven Polizisten und eine ehemalige Beamtin der Kantonspolizei Bern. Die beiden waren auf einer privaten Reise in Pakistan. Sie waren von der Hauptstadt Islamabad her in die südwestliche Provinz Belutschistan gereist. In der Region Loralai wurden sie von bewaffneten Kidnappern verschleppt. Ihr blauer VW-Bus wurde verlassen aufgefunden. Warum sich die beiden in dem gefährlichen Gebiet an der Grenze zum Iran und zu Afghanistan aufhielten, wurde nicht mitgeteilt. Waliur Rehman (M.), die sagt, dass die entführten Schweizer in seiner Hand sind. Sie seien nicht gefoltert worden. Er wollte die Schweizer erst gegen die in den USA inhaftierte austauschen. Siddiqui, die in den USA studierte, war wegen des Tötungsversuchs von US-Beamten in Afghanistan verurteilt worden. Mittlerweile sind die Entführer von dieser Forderung abgerückt.

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Die beiden Schweizer Geiseln David O. und Daniela W. sind in Sicherheit. Doch wie es ihnen gelang, den Taliban zu entkommen, ist unklar. Bundesrat Didier Burkhalter sagte an einer Pressekonferenz, dass die Details noch unklar sind. «Sie haben aber bestätigt, dass sie geflohen sind.» 20 Minuten Online hat bei zwei Kennern der Region und der Taliban nachgefragt, ob dies möglich ist.

Der deutsche Reinhard Erös arbeitet als ärztlicher Leiter einer deutschen Hilfsorganisation im afghanischen Kriegsgebiet und ist zur Zeit in Afghanistan. Wir haben ihn gefragt: Gibt es für Taliban-Geiseln überhaupt eine Möglichkeit, aus eigener Kraft zu fliehen?

«Es kommt darauf an, wo die Geiseln festgehalten wurden, aber einfach weglaufen konnten die Geiseln auf keinen Fall. Erstens handelt es sich um ein Riesengebiet und zweitens um eine feindliche Umgebung, was die Klimaverhältnisse, die Menschen, die Sprache und die Kultur angeht. Ohne Landkarte und Kenntnisse der Gegend ist eine Flucht praktisch unmöglich. Sie müssten von jemandem unterstützt werden.»

Yahya Bajwa ist Experte für interkulturelle Kommunikation, Aargauer Grossrat sowie schweizerisch-pakistanischer Doppelbürger. Er meint: «Eine Flucht der Geiseln aus eigener Kraft ist extrem schwierig und unwahrscheinlich, doch möglich ist alles. Um dies zu wissen, müsste man mit den Geiseln zuerst gesprochen haben.»

Es wird spekuliert, dass 100 inhaftierte Taliban-Kampfgefährten freigelassen wurden, damit die beiden Schweizern freigelassen wurden. Ist dies wahrscheinlich?

Yahya Bajwa: «Ja, auf jeden Fall. Es ist gut möglich, dass die Taliban für zwei Schweizer Geiseln die Freilassung von 50, 100 oder sogar 200 inhaftierten Talibankämpfern forderten.»

Reinhard Erös: «Das kann sein. Es kommt darauf an, ob es sich um religiöse, kriminelle oder politische Geiselnehmer handelte. Oft arbeiten diese aber auch zusammen, damit jeder seine Vorteile aus einer Entführung ziehen kann.»

Glauben Sie, dass Geld geflossen ist, um die beiden Geiseln freizulassen?

Reinhard Erös: «Das ist durchaus möglich.»

Yahya Bajwa: «Das weiss ich nicht, und falls ja, dann wird das EDA dies nie bestätigen. Ich kann mir das aber durchaus vorstellen.»

Es hiess, dass Daniela W. in Gefangenschaft ein Kind geboren habe. Davon ist nun keine Rede mehr.

Yahya Bajwa: «Das war reine Propaganda der Geiselnehmer, um Druck auf die Schweizer Behörden auszuüben. So haben sie aus zwei Geiseln drei gemacht und erst noch behaupten können, dass sie ein Baby in ihrer Gewalt haben.»

(hal)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Freiheit ist das wertvollste Gut überhaupt ! Alles Gute wünsche ich den Freigelassenen und deren Angehörigen ! – Arend P. Smolka

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dino schlaggarasi am 15.03.2012 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    urlaub auf staatskosten

    schön, dass sich bundesbern jetzt endlich wieder um seine arbeit kümmern kann. die polizei muss wohl sehr, sehr viel (überflüssiges...) geld haben - so wie die berner steuerzahler ja sowieso auch...?!!

    einklappen einklappen
  • alex m. am 15.03.2012 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hallo?!?

    hallo?!? bitte erwacht mal von euren vorwürfen!! es gibt auch angehörige für die heute der schönste tag des lebens ist! und wenn lösegeld bezahlt wurde will ich lieber dass mein geld für das ausgegeben wird als fürs millitär!!

    einklappen einklappen
  • Peter Balzer am 15.03.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ja was jetzt?

    15:35 Burkhalter sagt: Daniela und David haben heutemorgen bestätigt, dass sie fliehen konnten. 15:39 Burkhalter bedankt sich bei den pakistanischen Behörden, welche die Freilassung verhandelt haben. Will ja nicht meckern, aber meint DB, dass wir dumm sind und innert 4 Minuten vergessen, dass sie fliehen konnten? Oder ist das einfach falsch rum aufgeführt, "zuerst verhandelt, (dann gezahlt,) dann geflohen"?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Noldi Schumacher am 16.03.2012 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn auskommt...

    dass Lösegeld bezahlt wurde, muss Bundesrat Didier Burkhalter seinen Sitz räumen. Es geht nicht, dass uns ein Bundesrat anlügt!

  • ErwinS am 16.03.2012 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbildung

    Die Ausbildung der Kapo BE Mitarbeiter ist eben gut!

  • Jonas Schweizer am 16.03.2012 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    was soll man sagen..

    Wer, bitte wer geht schon nur in ein solches Land? Entschuldigen Sie mich, aber solche Leute sind meiner Meinung nach selberschuld. Und dann fliesst wieder jede Menge Geld, damit sie sich dort unten schön mit Waffen einsorgen können. -.-

  • ErwinS am 16.03.2012 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist möglich

    Nichts ist unmöglich auf dieser Welt. Wenn die Taliban wirklich so gut sind, wieso konnten dann die Amis ihren Anführer schnappen?

  • karma1969 am 15.03.2012 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    sprachlos...

    ich finde die meisten Kommentare hier schlicht niveau- und geschmacklos, mich erschreckt diese Mentalität einfach nur noch und macht mich traurig, schlimm...