Glarner im Interview

05. Juni 2016 21:53; Akt: 05.06.2016 22:22 Print

«Eine Schlacht verloren, nicht aber den Krieg»

SVP-Asylchef Andreas Glarner nimmt im Interview Stellung zur Niederlage seiner Partei.

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Kämpferisch: Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Herr Glarner, mit dem Ja zum neuen Asylgesetz und dem Nein zur Milchkuh-Initiative setzt es für die SVP eine doppelte Niederlage ab. Sind Sie niedergeschlagen?
Beim Asylgesetz habe ich erwartet, dass es schwierig wird. Nicht zuletzt wegen Justizministerin Simonetta Sommaruga, die eine ungeheuerliche Propaganda-Maschinerie in Gang gesetzt hat, die zu stark war. Schwieriger zu erklären ist das klare Ergebnis bei der Milchkuh-Initiative. Die Leute stehen doch jeden Tag im Stau, was uns viel Geld kostet. So ist es fast schon verständlich, wenn ein Handwerker, der durch den Gubrist muss, eine Anfahrtspauschale von 150 Franken verlangt.

Sie kritisieren die «Behördenpropaganda». Machen Sie es sich damit nicht zu einfach? Immerhin hat die SVP nicht einmal eine richtige Abstimmungskampagne geführt.
Bei dieser Abstimmung ging es nicht um Leben und Tod. Die SVP wollte testen, wie es herauskommt, wenn sich die Medien mangels Kampagne nicht auf die SVP einschiessen, sondern objektiv über die Vorlage berichten können. Wir müssen nun analysieren, ob das die richtige Strategie war, aber ich glaube, wir hätten auch mit einem massiven Mitteleinsatz nicht gewonnen.

Warum sind Sie mit Ihren Argumenten nicht durchgekommen? Selbst in Ihrem Dorf wurde das Asylgesetz abgelehnt.
Ich habe in Oberwil-Lieli keinen Abstimmungskampf gemacht. Am Ende machten 40 Stimmen den Unterschied – das ist doch ein super Resultat. Ob wir mit unseren Argumenten recht behalten werden, wird sich in drei bis vier Jahren zeigen. Ich bin fest überzeugt, dass es zu Enteignungen kommen wird. Dazu habe ich auch eine Wette am Laufen. Auch bezweifle ich, dass die Kosten sinken werden, wie es die Befürworter versprochen haben. Die Kantone werden die Asylfälle einfach viel schneller auf dem Tisch haben.

Bei früheren Revisionen kämpften die Bürgerlichen geschlossen gegen die Linken. Müssen Sie in Zukunft wieder besser mit FDP und CVP zusammenarbeiten?
Wir müssen akzeptieren, wenn Linke mit ganz Linken ein «Päckli» machen. Wenn FDP-Ständerat Philipp Müller in der «Arena» Seite an Seite mit den Linken kämpft, wird mir Angst und Bange. Und heute spricht die CVP von Grenzkontrollen, um uns dann im Parlament wieder im Regen stehen zu lassen. Das ist reiner Populismus. Für uns bedeutet dies: Wir werden auch in Zukunft dann antreten, wenn wir etwas falsch finden. Von einem Rückschlag lassen wir uns nicht beirren. Als Demokrat akzeptiere ich das Ergebnis. Und: Wir haben nur eine Schlacht verloren, nicht den Krieg.

Es ist nach der verlorenen Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative ist es der nächste Rückschlag für die SVP. Ist man nach dem Wahlsieg überheblich geworden?
Nein, ganz und gar nicht. Wir wussten nach der Durchsetzungsinitiative, dass wir uns warm anziehen müssen.

Für Albert Rösti, den neuen SVP-Präsidenten, ist die Niederlage aber kein Start nach Mass.
Ein fulminanter Start wäre gefährlicher. So wissen wir, dass Arbeit vor uns liegt.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani B. am 05.06.2016 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    geehrter Andreas Glarner

    Die Politik ist kein Krieg. Die Schweiz hat auch kein Zweiparteiensystem. Deshalb gibt es auch keine Opposition. Wir politisieren demokratisch. Zum Glück und aus traditionellen Werten.

  • Andreas am 05.06.2016 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Abstimmung

    Was hat das mit Krieg zu tun?

  • Benz am 05.06.2016 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Begrenzter Horizont

    Soso. Wer im Stau steht, soll also für die Milchkuhintiative sein. Bei dieser kurzsichtigen Denkweise wundert mich der Standpunkt von Hr. Glarner in der Asylpolitik nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • AuBacke am 06.06.2016 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verlierer sind die Steuerzahler

    Verloren haben wir Bürger, denn a) Streiten sich schon die Anwälte um den Honigtopf und b) will man den freigestellten Betrag bereits erhöhen, obwohl das neue Asylgesetz erst in 2 Jahren in Kraft trete. Grins. Das alte Gesetz hätte uns 5 Jahre zurück geworfen, hiess es. Ich wäre FROH, denn vor 5 Jahren war die Schweiz noch Schweiz ;).

  • Roland Hegglin am 06.06.2016 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Lebens Weisheit

    Was Hr.Glarner lernen sollte und die SVP, bevor man spricht sollte man zu erste Schaue, Hören und ganz wichtig Denken, und danach Sprechen und nicht umgekehrt.

  • Wiesenblume am 06.06.2016 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    SVP Anliegen wären wichtig.

    Aber die SVP muss intelligenter auftreten. Die bisherige Haltung und Argumentationsschwäche ist nicht förderlich und geht manchmal tief unter das Erträgliche! Der Glarner ist kein guter Redner und nicht intelligent genug. Die SVP tut gut daran ihn und noch paar andere aus der Schusslinie zu nehmen. Unter anderem auch Blocher.

  • M. Müller am 06.06.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Krieg vs Demokratie

    Der Herr müsste mal zwingend in ein Kriegsgebiet gehen, dann lernt er den Unterschied von Krieg und Demokratie kennen

  • Schweizer am 06.06.2016 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schlacht verloren, aber nicht den Krieg?

    Will er das Beste für die Schweiz oder kämpft er nur für sich? Politik ist doch kein Krieg, wenn er Krieg spielen will, soll das anderswo machen, aber nicht hier in der Schweiz!!!