Missbrauch in Kita

08. Februar 2019 14:22; Akt: 08.02.2019 17:44 Print

«Wenige Eltern stellten überkritische Fragen»

In der vom Missbrauchsfall betroffenen Kinderkrippe werden auch künftig Betreuer allein mit Kindern sein. Eine Mutter droht nun, ihren Sohn aus der Krippe zu nehmen.

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Die Krippenbetreiberin Fiorino hat gestern Abend an einer Informationsveranstaltung rund 90 Eltern über den Missbrauchsfall informiert, nachdem bekannt geworden war, dass Mitarbeiter M. N.* sich bei der Arbeit an einem Buben vergriffen haben soll.

Laut einer am Anlass anwesenden Mutter haben sich viele Eltern hinter die Kita gestellt. Anderen sei der Schock ins Gesicht geschrieben gewesen, sagt sie zu 20 Minuten. Sie sei unzufrieden, dass die Kita-Verantwortlichen nun keine Massnahmen ergreifen würden. «Zum Beispiel haben sie zugegeben, dass es zu Randzeiten möglich sei, dass nur ein Betreuer oder eine Betreuerin anwesend sei.» Nach Ansicht der Mutter zeige die Kita-Leitung kaum Einsicht: «Es wurde fast nur über die gefundenen Fotos gesprochen und nicht über den Missbrauch selbst.» Sie will ihren Sohn nun abmelden – oder zu jeder Zeit wissen, von wem er betreut wird.

«Keine Vorschrift, dass zwei Betreuer immer anwesend sein müssen»

Die Kritik der Mutter weist Verwaltungsratspräsident Jacques Hefti zurück. Er betont, dass die Mehrheit der Eltern sachlich mit dem Fall umgehe. «Es gab nur wenige Elternteile, die überkritische Fragen gestellt haben.» Insbesondere jene Eltern, deren Kinder Opfer geworden seien, machten ihnen keine Vorwürfe. «Sie regen sich darüber auf, dass nicht direkt betroffene Eltern sich nun offensiv in den Medien äussern.»

Laut Hefti sind derzeit an den verschiedenen Standorten noch elf Männer angestellt. Dass nicht immer zwei Personen anwesend sein könnten, liege auf der Hand: «Es gibt keine Vorschrift, die besagt, dass immer mindestens zwei Betreuer dort sein müssen.» So komme es vor, dass eine Betreuungsperson auf die Toilette müsse. Auch am Abend, wenn Eltern ein Kind verspätet abholten, komme es zu solchen Situationen. «Alles andere würde die Betreuung massiv verteuern.»

Der Elternabend sei mit einem Applaus abgeschlossen worden. «Viele Leute sind danach zu mir gekommen, um uns das Vertrauen auszusprechen.» Er rechne zwar mit vereinzelten Abmeldungen, aber nicht mit einem Exodus.

(daw)