Spionage-Skandal

11. Februar 2020 18:59; Akt: 11.02.2020 22:27 Print

«Enthüllung schädigt Ruf der neutralen Schweiz»

Der Schweizer Ex-Botschafter Thomas Borer äussert sich zum Spionage-Skandal. Der Ruf der Schweiz als Vermittlerin leide.

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Wie haben Sie reagiert, als Sie davon hörten, dass der deutsche und der US-Geheimdienst die verschlüsselte Kommunikation von über 100 Staaten abgesaugt haben sollen?
Thomas Borer: Ich war ziemlich schockiert und habe mich gefragt, ob wir zu meiner Zeit als Diplomat und beim EDA wohl die gleiche Hardware verwendet haben. Die Schweiz kommunizierte über Telex, und in der Botschaft hatten wir auch solche Verschlüsselungsgeräte. Ich bin froh, zu wissen, dass meine oft scharfen politischen Berichte in meiner Zeit als Chef der Taskforce und Botschafter in Deutschland nicht von ausländischen Geheimdiensten mitgelesen wurden.

Wer hat von den Vorfällen gewusst?
Ich bin überrascht, dass das so lange geheim gehalten werden konnte. In der heutigen Zeit bleibt ja nichts mehr geheim. Das dürften nur ganz wenige Angestellte im VBS gewusst haben. Vermutlich hofften die entsprechenden Kreise darauf, dass der zahnlose Schweizer Geheimdienst als Gegenleistung von denjenigen Informationen erhält, die vom Geschäft mit den Chiffriergeräten profitierten – also von den Nachrichtendiensten der USA und von Deutschland.

Welche Auswirkungen haben die Enthüllungen auf das Image der neutralen Schweiz?
Es handelt sich hierbei um erstaunliche Enthüllungen, die unserem Image als neutraler, unparteiischer Staat bei den betroffenen Nationen sicherlich Schaden zufügen wird. Die betroffenen Regierungen werden allerdings wohl eher die Faust im Sack machen, als die Schweiz öffentlich anzugreifen.

Offenbar erhielt auch der Iran Chiffriergeräte, die nicht sicher waren. Kann die Schweiz ihre Vermittlerrolle, beispielsweise zwischen der USA und dem Iran, weiterhin wahrnehmen?
Ich denke schon. Die guten Dienste, welche die Schweiz heute leistet, werden weiterhin möglich sein, da wir beispielsweise zwischen der USA und dem Iran hauptsächlich Briefträgerfunktionen innehaben.

Thomas Borer leitete von 1996 bis 1999 die Taskforce Schweiz–Zweiter Weltkrieg. Anschliessend war er bis 2002 Botschafter der Schweiz in Deutschland.

(dgr)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Büetzer am 11.02.2020 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Heuchler

    Ich zitiere mal Merkels Satz nach dem NSA Skandal: "Ausspionieren unter Freunden, das geht gar nicht". Ich bin zu 100% sicher dass dies heute noch gemacht wird, nur nicht so plump wie damals. Mehr muss man dazu nicht sagen.

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  • Rolf W. am 11.02.2020 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Im Gleichschritt marsch

    Wer seit Snowden & Co. ernsthaft glaubt dass sich nicht alle Geheimdienste über geltendes Recht hinwegsetzen und dieses mit Füssen treten lebt in einer Traumwelt. Jetzt wird eine gleichgeschaltete hörige Generation grossgezogen welche mit Freuden die Hosen runterlässt.

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  • Jens M. am 11.02.2020 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    .....

    Wieso sind immer alle überrascht ? Das tun alle Länder und bin nicht überrascht dass eine CH Firme dabei half. War auch nicht über die NSA überrascht, oder über Facebook. Meinen wirklich einige dass Geheimdienste nichts tun ? Die hören andere Länder ab, das ist normal und eine Firma für cyber security ist auch in diesem Bereich tätig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soziologe am 14.02.2020 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gescheitert

    Provinzielles Denken bringt niemanden weiter. Die Schweiz wird im Kontext der Machtpolitik grosser Staaten fast gar nicht wahrgenommen. Leuthards enthusiastische, oder aber erpresste, Unterzeichnung der Nachhaltigkeitsprotokolle gibt zwar die Schweiz als globales Dorf für alle Nationalitäten vor. Aber einen anderen als diesen Ruf hat diese neue Schweiz nicht mehr zu verlieren, denn das Land kämpft hinter den Kulissen längst nur noch um den eigenen Zusammenhalt.

  • Franz Osen am 14.02.2020 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Schweizvernichter

    Das hat doch mit unserer Neutralität nun gar nichts zu tun. Hier hat eine private Firma, und nicht irgend ein dem Bund oder Staat nahestehender Betrieb, getürkte Produkte verkauft. Zudem war diese Unternehmung nicht in Schweizer Händen. CIA und BND haben das Management gestellt. Der BND umgibt sich zu unrecht aktuell mit einem Heiligenschein. Unsere Neutralität ist hier nirgends verletzt.

  • M.R. am 14.02.2020 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Enthüllung ist gut

    nicht die Enthüllung schadet, sondern die eigentliche Tat

  • Eidgenossin am 14.02.2020 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange nicht mehr!

    Wir sind schon lange nicht mehr neutral, denn, wenn wir wirklich neutral wären, dann hätten wir keine Einwanderungen und die Landesgrenzen wären zu!

    • Thomas am 14.02.2020 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Und der Satz :Die Schweiz mischt sich nicht in fremde Händel ein!

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  • Loxx am 14.02.2020 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange ist das nun her?

    Und wir haben alle davon profitiert. Und jetzt plötzlich wird diese alte Geschichte wieder ausgegraben, und die Laferis werfen mit Steinen. Erbärmlich dumm. Der Betrogene ist tot; dem hat Deutschland helfen müssen. DAS finde ich schlimm. Ein Profi weiss, worauf er sich einlässt. Aber einen Unschuldigen als Köder benutzen ist erbärmlich.