Mollis GL

21. Februar 2019 05:46; Akt: 21.02.2019 05:46 Print

«Er fotografiert Kinder und Behörden machen nichts»

Ein 48-jähriger Mann soll in Mollis regelmässig Kinder fotografiert und sich dabei entblösst haben. Eltern kritisieren die Behörden für ihre Untätigkeit.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eltern von Schulkindern in Mollis GL sind besorgt. Seit dem Herbst 2018 soll ein 48-jähriger Mann aus der Nachbarschaft ihre Kinder auf dem Schulweg fotografieren. Dabei soll er sich laut einer Mutter mindestens einmal so entblösst haben, dass sein Schambereich sichtbar wurde.

Mutter L. B.* sagt, begonnen habe alles im November. «Er machte auf dem Schulweg Fotos von Kindern. Ein Vater erwischte ihn dabei und verfolgte ihn, doch der Mann konnte die Speicherkarte rechtzeitig wegwerfen.» Die Polizei habe deshalb keine Beweise mehr finden können.

Er wohnt nur wenige Meter neben dem Kindergarten

Sie habe daraufhin die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) von Glarus informiert. «Erst fühlten sich die Verantwortlichen nicht zuständig, dann wurde mir ein Rückruf versprochen.» Der sei bis heute ausgeblieben. Während einiger Zeit habe die Polizei dafür verstärkt vor dem Haus patrouilliert.

Die Situation habe sich daraufhin gebessert – bis der Mann am 13. Februar wieder gesehen worden sei, wie er Kinder fotografiert habe. Eine andere Mutter sagt: «Er hat vor kurzem von einem abgelegenen Haus aus Kinder fotografiert.» Der Mann wohne nur wenige Meter neben dem Kindergarten. Die Schule habe die Eltern per Brief informiert. Auch sie sagt, sie habe die Kesb im Herbst informiert.

«Mutter griff den Mann an»

F. G.*, eine weitere Mutter aus Mollis, bestätigt diese Darstellungen. Die Situation sei angespannt: «Eine Mutter hat den Mann offenbar angegriffen, als sie ihn sah», sagt sie. «Die Behörden müssen nun handeln.» Es sei gut möglich, dass der Mann an einer psychischen Erkrankung leide. Bereits zuvor soll es zu Problemen gekommen sein. So soll der Mann mehrfach durch Lärmstörungen aufgefallen sein, weil er mitten in der Nacht stundenlang dasselbe Lied hörte. Ein Beschwerdebrief von Nachbarn brachte Besserung.

Eine andere Mutter sagt, der Mann stehe vor Turnhallen, Schulhäusern und Spielgruppen und fotografiere Kinder. Über den Fall berichtete erstmals die «Südostschweiz». Ein Vater sagt der Zeitung, es sei «eine blöde Situation»: Solange nichts passiere, seien der Polizei die Hände gebunden. Man spüre, dass die Eltern nervöser werden.

Polizei rät zur Aufmerksamkeit

Gegenüber 20 Minuten üben befragte Eltern insbesondere an der Kesb Kritik. Die nehme ihre Bedenken nicht ernst und bleibe untätig, versprochene Rückrufe blieben aus. Karl-Heinz Weber von der Kesb Glarus sagt, zum Einzelfall könne er aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben machen. Die Kesb gebe meldenden Personen immer Auskunft, wohin sie sich wenden könnten, wenn sie nicht zuständig sei. Falls sie zuständig sei, hätten Privatpersonen aus rechtlichen Gründen aber kein Anrecht, über das Verfahren informiert zu werden. «Wir verstehen, dass das emotional belastend sein kann, uns sind aber die Hände gebunden», erklärt Weber.

Bei der Kantonspolizei Glarus heisst es, zum Vorfall aus dem Herbst könnten wegen des Amtsgeheimnisses und des Personenschutzes keine Aussagen gemacht werden. Es sei richtig, dass die Polizei am 12. Februar ausgerückt sei, weil ein Mann mit einer Kamera vor dem Kindergarten gesichtet worden sei, so Sprecher Kurt Baumgartner. Es habe aber keine Person aufgefunden werden können.

Anzeigen seien nicht eingegangen. Es lägen auch keine Hinweise auf strafbare Handlungen vor. Die Kantonspolizei Glarus empfehle Eltern, suspekte Personen oder auffälliges Verhalten der Polizei zu melden. «Wir patrouillieren bei Schulhäusern oder öffentlichen Anlagen vermehrt», sagt Baumgartner.

(ehs)