Fitnesstrainer über Kunden

10. Mai 2015 22:23; Akt: 10.05.2015 22:23 Print

«Er hat Brüste – und seine Organe sind zerstört»

Anabolika boomen in der Schweiz. Ein Fitnesstrainer erzählt von eigenen Erfahrungen mit dem Medikament und seinen Kunden, die einfach nicht hinhören wollen.

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Der 22-jährige Haris Omeradzic (rechts) führt das Fitnessstudio Muskelschmiede im St. Galler Rheintal. Hier posiert er mit dem Profi-Bodybuilder Denis Wolf. (Bild: ZVG.)

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Herr Omeradzic, Sie besitzen ein Fitnessstudio in St. Gallen. Werden Sie von jungen Männern auf Anabolika angesprochen?
Ja, sehr oft. Teilweise sogar von 16-Jährigen. Sie fragen mich, was ich ihnen empfehlen würde.

Was sagen Sie dann?
Ich frage sie: Was isst du? Wie oft am Tag? Wie trainierst du und mit welcher Intensität? Bei der erste Frage laufen neun von zehn schon rot an und suchen nach Ausreden. Viele sagen, sie müssten jetzt nach Hause gehen. Ich versuche, Sie so gut wie möglich aufzuklären. Viele sind aber beratungsresistent und holen sich das Zeug dann aus dem Internet.

Haben Sie selbst nie Anabolika genommen?
Doch. Auch ich hatte nach zwei Jahren Training mit 18 Jahren die Schnauze voll, ich wog zwar 100 Kilogramm, aber bei meiner Grösse von zwei Metern sah ich in meinen Augen immer noch aus wie ein Spargeltarzan. Immer wieder musste ich mir anhören: «Boah, wenn ich so gross wäre wie du, würde ich alles geben, um breit zu sein.» Die ersten Pillen hab ich dann reingeworfen wie Smarties.

Und?
Nach etwa vier Wochen bekam ich fürchterliche Schmerzen beim Wasserlassen, manchmal fühlte es sich an, als ob mir jemand ein Messer in den unteren Rücken stechen würde. Mein Ansprechpartner, bei dem ich die Sachen damals bezog, wollte mir nicht helfen. Er meinte, das sei normal und ich solle einfach mehr Wasser trinken. Ich ging aber trotzdem zu meinem Hausarzt, der hat dann Gott sei Dank an mein Gewissen appelliert. Seither bin ich clean.

Ein Fitnesstrainer, der selbst Anabolika genommen hat. Sind Sie überhaupt noch glaubwürdig?
Ja, mir hat diese Erfahrung viel gebracht. Ich verstehe den Reiz dahinter und die Wirkung auf die Psyche. Diese Pillen brachten mir innert vier Wochen 15 Kilogramm Muskelmasse – grösstenteils Wasser. Aber wer das einmal genommen hat, wird es danach schwer haben, wieder eine legale Variante zu bevorzugen, die erstens teurer ist und zweitens nicht einen Bruchteil der Wirkung erzielt. Und so verfallen leider sehr viele in einen Teufelskreis: Die erste Kur dauert vier Monate, nach dem Absetzen verliert man an Gewicht, das stört natürlich den Betroffenen – also fängt er wieder damit an. Ich kann das nachvollziehen, kenne aber auch die Nebenwirkungen.

Wieso boomen Ihrer Meinung nach Anabolika dermassen in der Schweiz?
Das erste Problem sind die falschen Vorbilder. Viele Kunden von mir, vorab die 16- bis 18-Jährigen, nehmen sich Youtube-Bodybuilder als Vorbild. Daran ist grundsätzlich nichts Falsches, die Jungs sind ja wirklich gut gebaut. Worüber sich die meisten jedoch nicht im Klaren sind, ist, dass diese Typen den ganzen Tag nichts anderes machen ausser schlafen, essen und trainieren. Vor allem die ersten zwei Punkte machen den Erfolg aus. Ein 16-Jähriger, der in der Lehre ist, hat vermutlich zu wenig Schlaf, isst ab und zu Fastfood und trainiert nicht hart genug. Er kann sich unmöglich einen solchen Körper erarbeiten. Hier kommt der Moment, wo viele zu Anabolika greifen. Ausserdem ist der gegenseitige Druck unter den Jungs enorm, jeder möchte den dicksten Arm in der Truppe haben, den schönsten Body in der Badi oder Disco. Da genügt es, wenn einer etwas nimmt, und alle anderen ziehen nach.

Und das zweite Problem?
Die tiefe Hemmschwelle: Als ich mit 16 Jahren mit dem Training angefangen habe, hatten wir noch Angst vor frei zugänglichen Nahrungsergänzungsmitteln wie Kreatin. Die heutige Jugend nimmt alles viel lockerer. Dass Anabolika – was auf Lateinisch ja nichts anderes als aufbauend bedeutet – über hundert Stoffe beinhaltet und ein hochwirksames Medikament ist, dass nur bei schwer kranken Menschen unter ärztlicher Aufsicht verwendet wird, wissen viele nicht oder es interessiert sie nicht. Viele junge Männer versauen sich damit ihren kompletten Hormonhaushalt.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Ein Kunde bei mir im Studio trainiert ziemlich unregelmässig, mal kommt er, mal kommt er nicht. Disziplin hat er keine und ich habe ihm oft genug zu einem anderen Hobby geraten. Er nimmt aber Unmengen an Mitteln, bei denen sich erfahrene Profi-Bodybuilder an den Kopf greifen würden. Mit 19 Jahren bekam er dann die erste Quittung: Seine Brust nahm eine weibliche Form an, sein körpereigenes Testosteron hatte den Wert eines 90- Jährigen. Er musste operiert werden und fiel für mehrere Monate aus. In dieser Zeit verlor er natürlich an Gewicht. Das Erste, was er zu mir sagte, als er wiederkam, war: «Hey, morn fang ich wieder a, voll uf Stoff.» Und heute steht er vor mir, 75 Kilogramm schwer, nach aussen vergleichbar mit einem Leichtathleten, im inneren zerstörte Organe, die jeder Zeit ausfallen können.

(tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas am 10.05.2015 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .-.-.-.-.

    Guter Mann! Aus Fehlern lernen ist das wichtigste. Ich hoffe es lesen die Richtigen und ziehen daraus die richtigen Schlüsse.

  • Sven am 10.05.2015 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    der Lacher an jeder Party

    sie sind der Lacher an jeder Party: - immer in der Gruppe unterwegs - immer braun gebrannt oder gesprayt - immer enges Shirt mit riesen V-Ausshnitt die gehören einfach dazu, sonst wärs doch langweilig.

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  • 0816 am 10.05.2015 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf

    Also Junge Männer, lieber ein bisschen mehr um die Hüften als ein solch grosses Problem zu haben. ( Pickel auf dem Rücken etc. Sehen sowieso nicht schön aus) Lieber bisschen Specki!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jimmi choo am 11.05.2015 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anna- bo ah ey lika?

    was ist so schlimm an "Mantitties"?? Dann kannst du wenigstens den BH mit der Freundin teilen!;-)

  • Menschenverstand am 11.05.2015 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Specki?

    Was specki? Jeder sollte sich ein bisschen Mühe geben. Der Gedanke dass das Äussere keine Rolle spielt ist (in meinen Augen) falsch. Verfettete Jugend und mit 50 Herz- und Gelenkprobleme sind die Folgen. Fitness heisst nicht jeden Tag pumpen und Anabol reinhauen, aber jeden Tag mind. 1 mal ins Schwitzen kommen und Wasser statt Cola trinken bringt schon viel für die allgeimeine Fitness und hilft gegen Pölsterchen. Gruess, ich geh jetzt joggen.

  • ronny am 11.05.2015 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spritze

    anabolika hin oder her, man sollte sich zuerst genau informieren ärzte usw.. wer wie "er" auf pillen zurück greift hat sowiso keine ahnung. wenn scho anabolika dann mit spritze. vermindert die nebenwirkungen da die leber nicht so sehr schaden nimmt.

    • Lieber Gesund am 11.05.2015 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lebergruss

      ".... da die Leber nicht so sehr Schaden nimmt.... " huuuu, nochmals Glück gehabt.

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  • Emmentaler am 11.05.2015 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bodybuilder & Plastik Frau

    O.K. passt doch prima zu den Plastik Frauen schlanke Taille und riesen Vorbau. Männer tut jetzt nicht so das wollt ihr doch auch sehen. Haben aber dann doch nicht :-)

    • Wildecat am 11.05.2015 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Emmentaler antwort

      Genau. Frau 120, 60, 90. mann auch, am oberarm . Da ist frau doch lieber alleineerziehend und dafür ausgefüllt mit den kindern als noch ein gorilla im buurehuus !

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  • Beat am 11.05.2015 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    vier Wochen 15 Kg Muskelmasse, Blödsinn

    Auch er hat keine Ahnung. Inner vier Wochen 15 Kilogramm Muskelmasse geht auch mit Stoff nicht. Das wird nur Wassereinlagerung gewesen sein und null Muskeln. Auch mit Stoff geht das nicht so schnell!!!

    • Igor faki am 11.05.2015 19:04 Report Diesen Beitrag melden

      sagt er ja

      aber Schatzi, genau das sagt er doch. Grösstenteils Wasser. Lesen bitte :-)

    • Herr Tisch am 11.05.2015 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genauer lesen

      Genau lesen! Stand ja, dass das Wassereinlagerungen waren.

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