Jugendliche erzählen

06. November 2018 21:31; Akt: 06.11.2018 21:31 Print

«Er sagte, Muslime seien Terroristen»

Ein Viertel der Teenager in der Schweiz ist ausländerfeindlich, während fast die Hälfte der jungen Muslime westliche Werte nicht teilt. Jugendliche erzählen.

Mariam (18), Abdul (17), Jana (16) und Jo (17) erklären, was sie von Ausländerfeindlichkeit, dem Islam, physischer Gewalt und dem Kapitalismus halten. (Video: Samuel Walder / 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Haute École de Travail Social Fribourg belegt, dass Jugendliche in der Schweiz eher extremistische Ideologien unterstützen als die Anwendung von Gewalt. Für die Studie wurden 2017 über 8000 Jugendliche im Alter von 17 bis 18 in zehn Kantonen befragt.

Mit einem erstaunlichen Ergebnis: Ein Viertel der Schweizer Jugendlichen (25,1 Prozent) ohne Migrationshintergrund ist ausländerfeindlich und ein Fünftel (21,1 Prozent) ist nationalistisch eingestellt. 43 Prozent der jungen Muslime sind allerdings abwertend gegenüber den westlichen Gesellschaften und mehr als ein Viertel (28,8 Prozent) sind feindlich gegenüber nicht traditionellen Muslimen. Auch ist knapp die Hälfte (47,1 Prozent) der Jugendlichen kapitalismusfeindlich eingestellt.

Gemobbt und geschlagen

Vier Jugendliche – zwei Schweizer und zwei Muslime – erklären im Video, was sie von Ausländerfeindlichkeit, dem Islam, physischer Gewalt und dem Kapitalismus halten. So spricht sich etwa der 17-jährige Jo für den Kommunismus aus. Dieser sei gerechter. Zu physischer Gewalt hat er eine klare Meinung: «Wenns sein muss, sofort. Wenns nicht sein muss, lassen wirs.» Ähnlich sieht es der 17-jährige Abdul: «Ich bin immer für friedliche Lösungen, manchmal geht es aber nicht anders.»

Bisher hat Jo aber nur kleinere Schwierigkeiten mit Ausländern gehabt. Ausländerfeindliche Situationen habe er bisher aber nicht erlebt, die 16-jährige Jana hingegen schon: «Sie wurden von meinen Freunden immer wieder als ‹die Ausländer› abgestempelt. Auch innerhalb meiner Familie haben einige eine sehr starke Abneigung gegen Ausländer.»

Abdul gibt an, dass er in der Schule auch schon gemobbt oder mit einer «Ausschaffungsfaust» geboxt worden sei. Auch die Religion habe schon zu schwierigen Situationen geführt, beispielsweise bei der 18-jährigen Mariam: «Ein älterer Mann meinte, Muslime seien Terroristen. Ich glaube aber, dass der Mann nicht richtig informiert war.»

(qll)