Anthamattens Ex-Freundin

16. September 2013 06:12; Akt: 16.09.2013 09:39 Print

«Er sprach davon, mir die Kehle durchzuschneiden»

von Simone Kubli/Marco Lüssi - Francine R. war drei Monate lang die Freundin von Fabrice Anthamatten. Als er ihr ein Messer an die Kehle setzte, machte sie mit ihm Schluss.

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Francine R. (Name der Redakton bekannt) war drei Monate lang mit Fabrice Anthamatten zusammen. Dies war 1996, als die damals 18-Jährige noch in Genf lebte. Sie empfand Anthamatten als charmant und romantisch - doch er sprach immer wieder darüber, ihr die Kehle durchzsuschneiden. Als er ihr ein Brotmesser an die Kehle hielt, beendete sie die Beziehung. Am 15. September hat Interpol Fabrice Anthamatten international zur Haft ausgeschrieben. Er hat wohl die Therapeutin Adeline M. entführt und umgebracht. Noch am gleichen Tag wird er an der Deutsch-Polnischen Grenze verhaftet. Vorher lieferte er sich eine spektakuläre Flucht. Bewaffnete Polizisten stehen am 13. September .2013 bei einem Grosseinsatz auf der Suche nach dem Vergewaltiger und mutmasslichen Mörder vor dem «Alten Zollhaus» in Weil am Rhein (Baden-Württemberg). Die Spur des 39-jährigen Haeftlings hat sich am Bahnhof in Weil am Rhein verloren. Gemäss jüngstem Bericht der «Badischen Zeitung» ist Anthamattens Aufenthaltsort unbekannt, wahrscheinlich hat der die Dreiland-Region um Basel verlassen. Er konnte sich wohl per Zug absetzen, seine Fahrtrichtung ist jedoch noch unklar. Am 13. September 2013 fand die Polizei den Leichnam der Sozialtherapeutin Adeline Morel im Bois d'Avault bei Versoix. Der Körper der Frau steckte in einem Sack. Die Suche nach dem mutmasslichen Täter läuft auf Hochtouren. Laut diversen Medien führt die Spur nach Norden. So soll das Handy von Adeline Morel in Basel geortet worden sein. Darauf suchten Schweizer Polizisten in einem Helikopter der deutschen Polizei mit einer Wärmebildkamera nach dem Flüchtigen. Auch deutsche Medien melden Suchaktionen. So soll im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Genf im südbadischen Weil am Rhein ein Haus durchsucht worden sein. Gegen 11 Uhr morgens am Donnerstag verschwand Adeline Morel während eines begleiteten bewilligten Freigangs. Die Frau ging nicht mehr ans Telefon. Die beiden waren in einem weissen Citroën Berlingo mit dem Kennzeichen GE 719 149 unterwegs. Adeline Morel ist 170 gross, von normaler Statur. Sie hatte die Haare zuletzt offen und trug Hosen, eine beige Jacke und einen Pullover. Sie hat eine Handtasche. Der verdächtige Häftling heisst Fabrice Anthamatten, ist 181 gross, mit rasiertem Kopf. Er ist Brillenträger. Er trug zuletzt eine blaue Jacke, braune Cargo-Hosen und eine schwarze Mütze.

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Als Francine R. (Name der Redaktion bekannt) am letzten Freitag vom Tötungsdelikt an der Therapeutin Adeline M. erfuhr, fiel sie aus allen Wolken: Beim mutmasslichen Täter, dem Vergewaltiger Fabrice Anthamatten (39), handelt es sich um ihren Ex-Freund. Vor 17 Jahren, im Herbst 1996, waren Anthamatten und Francine R. drei Monate lang ein Liebespaar. Heute lebt die 35-jährige Bankangestellte und Mutter einer vierjährigen Tochter im Raum Zürich, damals wohnte sie noch in Genf. «Ich war 18 Jahre alt und lernte Fabrice im Restaurant eines Genfer Hotels kennen, wo er im Service arbeitete», erinnert sich R. «Er offerierte mir etwas zu trinken – so begann unsere Beziehung.»

«Er war sehr charmant und aufmerksam»

Sie habe mit dem damals 22-jährigen Anthamatten schöne Momente erlebt, so R. «Er war sehr charmant und aufmerksam», sagt sie. Zu einem gemeinsamen Besuch im McDonald's habe er eine Flasche Rotwein mitgebracht, um den Aufenthalt im Fastfood-Lokal etwas gediegener zu gestalten. Einmal habe er sie in ein Gourmetlokal ausgeführt. «Dort versteckte er einen Ring unter meiner Serviette, und er liess mir einen Kuchen in Herzform bringen.»

Doch neben dieser romantischen Seite blieb Francine R. auch Anthamattens dunkle Seite nicht verborgen. «Er sprach immer wieder davon, mir mit einem Messer die Kehle durchzuschneiden.» Fast bei jedem Treffen habe er dies beiläufig erwähnt und dann sofort wieder das Thema gewechselt. Natürlich hätten sie diese düsteren Andeutungen beunruhigt. «Doch dann war er jedes Mal sofort wieder liebevoll und fröhlich, so dass ich das Ganze nicht ernst nahm.»

«Er hielt mir ein Brotmesser an die Kehle»

Dies änderte sich an einem Abend, an dem sie gemeinsam mit Freunden in der Wohnung von Francine R. Fondue assen. «Ich stand in der Küche und schnitt Brot fürs Fondue, als er mir plötzlich das Brotmesser aus der Hand nahm und es mir an die Kehle hielt.» Zwar habe er sie nicht verletzt, doch der Vorfall in der Küche habe sie so sehr erschüttert, dass sie noch am gleichen Abend mit ihm Schluss gemacht habe. Anthamatten wollte dies nicht akzeptieren. «Er stand bis am nächsten Morgen vor meiner Tür und forderte mich auf, ihn reinzulassen.» Als sie dies nicht getan habe, habe er die Polizei gerufen. «Er glaubte offenbar, dass die Polizei ihm recht gibt und dafür sorgt, dass ich ihn reinlasse.» Stattdessen hätten die Polizisten ihn weggeführt und ihr angeboten, Anzeige zu erstatten. Darauf habe sie verzichtet. «Ich hoffte einfach, dass ich ihn nie wieder sehe.»

Fotos oder Briefe, mit denen sie ihre Beziehung zu Anthamatten belegen kann, hat Francine R. nicht mehr. Ihre Schwester bestätigt die Geschichte jedoch gegenüber 20 Minuten: «Ich habe ihn damals bei Francine kennengelernt. Er machte einen seltsamen Eindruck.»

«Es war ein Riesenschock»

Dass Fabrice Anthamatten drei Jahre nach ihrer Liebesbeziehung eine Frau vergewaltigte und danach ins Gefängnis kam, wusste Francine R. bis am letzten Freitag nicht. «Es war ein Riesenschock für mich, als ich davon erfuhr und realisierte, dass auch ich mich während unserer Beziehung in Gefahr befand, obwohl er mir gegenüber nie gewalttätig wurde.» Die zwanghafte Idee, einer Frau die Kehle durchzuschneiden, hat Anthamatten bei Adeline M. umgesetzt: Auf diese Weise hat er am Donnerstag seine Therapeutin in einem Wald in Versoix GE getötet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kuscheljustiz-Nein Danke am 16.09.2013 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzen Prozess...

    Für diesen Mann brauchts keinen Prozess mehr. Bzw. nur noch kurzen Prozess. So hart es klingt und auch wenn ich damit bei vielen anecke... Schön, dass bei unserer Kuscheljustiz jeder noch eine zweite Chance kriegt und eine super Therapie, ect. Und was ist mit den Opfern und hinterbliebenen? Die haben keine zweite Mutter, Frau, Freundin,... Und dann kommen diese Straftäter in den Knast wo sies schöner haben als einige Familien bei denen der Vater hart arbeitet aber halt einfach nicht soviel verdient. Sorry...aber da habe ich absolut 0 Verständnis...

  • Riesen Marcel am 17.09.2013 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich aufhören!!!

    Seit Hunderten von Jahren zeigt die Erfahrung, dass unsere Psychologen keinen schritt weiter sind mit der Re Sozialisierung von Straftätern. Also hört endlich damit auf, und sorgt lieber dafür, dass solche Leute nicht wieder in Freiheit kommen! Wie schon in früheren Diskussionen behandelt, sollten die Psychologen und Richter zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn ein "Geheilter" frei gelassen wird, oder auch nur Freigang bekommt Diese Verantwortlichen Personen stehen in der Pflicht, sorge zu tragen, dass in 1. Linie der Bevölkerung nichts geschieht. Ihr seid mitschuldig!!!!

  • Yves am 16.09.2013 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt ihm alles

    Und jetzt kommt, strafminderung weil 1. unzurechnungsfähig 2. alkoholisiert und am schluss eine betreute 4 1/2 zimmerwohnung mit thai boxing personal trainer!!! Bitte er ist doch so ein armer!!! Liebe svhweiz, er hat es verdient

Die neusten Leser-Kommentare

  • Einfach so am 18.09.2013 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglicher Nationalrats-Entscheid

    Wenn ich dann lese, dass die Nationalrats-Präsidentin gerade die Pädophilen-Initiative, welche verurteilte Täter lebenslang von Kinder weghalten soll, per Stichentscheid abgelehnt hat, bin ich einfach sprachlos. In welcher Welt leben diese Politiker eigentlich? Das Volk wird die Initiative bestimmt annehmen. "Dafür" wird die Politik die Umsetzung schon schwer abschwächen und die nachfolgenden Instanzen sich ganz darüber hinwegsetzen - so wie bei der Verwahrungsinitiative. Mehr als traurig ist das.

  • Riesen Marcel am 17.09.2013 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich aufhören!!!

    Seit Hunderten von Jahren zeigt die Erfahrung, dass unsere Psychologen keinen schritt weiter sind mit der Re Sozialisierung von Straftätern. Also hört endlich damit auf, und sorgt lieber dafür, dass solche Leute nicht wieder in Freiheit kommen! Wie schon in früheren Diskussionen behandelt, sollten die Psychologen und Richter zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn ein "Geheilter" frei gelassen wird, oder auch nur Freigang bekommt Diese Verantwortlichen Personen stehen in der Pflicht, sorge zu tragen, dass in 1. Linie der Bevölkerung nichts geschieht. Ihr seid mitschuldig!!!!

  • Roman am 16.09.2013 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lachnummer

    Was muss eigentlich noch alles passieren? Lebenslänglich wegsperren und fertig. Von wegen "therapierbar"...pha... Man sieht das Resultat. Freigänge/Urlaub für Gefangene? Gleich der nächste Irrsinn. Soll die Inhaftierung eine Strafe sein? Bei uns in der Schweiz wohl offenbar nicht!!! Lachhaft!!

  • David Hallenbarter VS am 16.09.2013 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man als Therapeut sowas nicht sehen

    Wenn man so blöd ist und ihm erlaubt sogar ein Mwsser zu kaufen ... Habe schon so viel bei diesem Thema geschrieben .... hoffe das die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und das Thema Täterschutz endlich neu aufgerollt wird. Zur Geschichte von Francine. Wenn jemand im Schnelldurchgang immer wieder solche Abweichungen hat wie Anthamatten, dann hätte sie ihn anzeigen sollen. Wäre vielleicht besser gewesen. Aber das konnte Francine nicht wissen. Ich hoffe das Fabrice Anthamatten endlich so eingelocht wird, wie es dieses .. verdient hat!

  • Kuscheljustiz-Nein Danke am 16.09.2013 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzen Prozess...

    Für diesen Mann brauchts keinen Prozess mehr. Bzw. nur noch kurzen Prozess. So hart es klingt und auch wenn ich damit bei vielen anecke... Schön, dass bei unserer Kuscheljustiz jeder noch eine zweite Chance kriegt und eine super Therapie, ect. Und was ist mit den Opfern und hinterbliebenen? Die haben keine zweite Mutter, Frau, Freundin,... Und dann kommen diese Straftäter in den Knast wo sies schöner haben als einige Familien bei denen der Vater hart arbeitet aber halt einfach nicht soviel verdient. Sorry...aber da habe ich absolut 0 Verständnis...