Öffentliche Fahndung

12. August 2019 11:26; Akt: 12.08.2019 12:43 Print

«Eric J. könnte weitere Kinder missbrauchen»

Das Landeskriminalamt Niedersachsen fahndet öffentlich nach Eric J., der Kinder schwer missbraucht haben soll. Laut einem Kriminologen führt das häufig zu einer Festnahme.

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Eric J. (58) soll Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Das Landeskriminalamt des deutschen Bundeslandes Niedersachsen fahndet öffentlich nach ihm. Gemäss Informationen der Polizei könnte sich J. auch in der Schweiz aufhalten. Zuletzt sei er im November 2018 im Grenzgebiet bei Riehen BS und Lörrach (D) gesehen worden, als er auf einem roten Velo unterwegs war. Ein Facebook-User aus der Schweiz will J. vor kurzem in Schaffhausen im McDonald’s gesehen haben.

Welche Taten Eric J. genau vorgeworfen werden, ist bisher unklar. Laut Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, deutet die Beschreibung «schwerer sexueller Missbrauch» darauf hin, dass es bei den vorgeworfenen Taten eher um eine Vergewaltigung als um Berührungen und den Besitz von Kinderpornographie geht. Pfeiffer: «Es ist anzunehmen, dass der Mann den Opfern massive körperliche und seelische Schmerzen zugefügt hat.»

Gezielter Einsatz von öffentlichen Fahndungen

Dass nun öffentlich nach Eric J. gefahndet werde, deute zum einen darauf hin, dass die üblichen Ermittlungsmethoden bisher nicht erfolgreich gewesen sind. «Sie zeigt aber auch, dass von dem Mann weiterhin eine hohe Gefahr ausgeht. Eric J. könnte weitere Kinder missbrauchen – die Behörden wissen das. Mit der öffentlichen Fahndung will man die Bevölkerung nicht nur um Mithilfe bitten, sondern auch vor dem Mann warnen.»

Laut Pfeiffer gehen Ermittler mit öffentlichen Fahndungen sehr vorsichtig um: «Diese werden gezielt eingesetzt. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass sie nicht nur Chancen bieten sondern auch Risiken bergen.» So könnte die Polizei zwar wichtige Hinweise erhalten, doch auch der Täter werde durch die öffentliche Fahndung aufgeschreckt und könne sich etwa absetzen. «Auch wollen Ermittler die Bevölkerung nicht müde machen. Wenn die Menschen ständig Bilder von Tätern vorgesetzt bekommen, stumpfen sie ab, das Interesse sinkt.»

«Sucht den nächsten Polizeiposten auf»

Gemäss dem Kriminologen ist die Aufklärungsquote bei Kinderschänder-Fällen nach einer öffentlichen Fahndung sehr hoch. «Wie erfolgreich diese Aktion war, kann man aber erst nach rund einer Woche beurteilen», so Pfeiffer. Die meisten Hinweise würden kurz nach dem Einstieg in die öffentliche Fahndung eingehen.

Laut Fedpol-Sprecherin Cathy Maret ist Eric J. europaweit ausgeschrieben. «Die Polizeien sehen die Information auf allen Kanälen. Sollte er in eine Kontrolle kommen, wird er verhaftet.» Obwohl die öffentlichen Fahndung seit drei Tagen läuft, habe das Fedpol bisher keine Hinweise zu Eric J. erhalten. «Sollte ihn aber jemand sehen, sollte er dies gleich beim nächsten Polizeiposten melden.»

(qll)