Präsident der Lokführer

15. August 2016 05:45; Akt: 15.08.2016 10:10 Print

«Es braucht in jedem Zug einen Begleiter»

Nach der Zug-Attacke in Salez fordern Bahnexperten und Politiker verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Zügen und Bahnhöfen.

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Nachdem am Samstag ein Mann im Zug bei Salez SG einen Brand legte und Passagiere mit einem Messer attackierte, sind der mutmassliche Täter und eines seiner Opfer gestorben. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Der Zustand einer 17-Jährigen ist noch kritisch. Bahnexperten und Politiker fordern nun verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Regionalzügen.

Umfrage
Braucht es mehr Sicherheitspersonal in Zügen und Bahnhöfen?
57 %
23 %
4 %
6 %
10 %
Insgesamt 11683 Teilnehmer

Für Hans-Ruedi Schürch, Präsident des Lokpersonalverbandes LPV, ist klar: «Es braucht wieder in jedem Zug einen Zugbegleiter.» Diese Regelung sei vor gut 20 Jahren in den Zügen des Regionalverkehrs abgeschafft worden – ein Abbau, der sich nun räche. «Damals war das Sicherheitsgefühl im Zug ein ganz anderes.» Ein unbewaffneter Zugbegleiter könne eine Attacke wie die in Salez auch nicht immer verhindern, aber Täter möglicherweise abschrecken. Zudem sorge die Präsenz für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl der Passagiere.

«Präsenz schreckt potenzielle Täter ab»

Securitrans-Chef Martin Graf fordert eine Bahnhofsbewachung rund um die Uhr. «Wir müssen die Bahnhofspräsenzen auf 24 Stunden verteilen.» Vor allem in kleineren Bahnhöfen gebe es bisher tagsüber keine Bewachung. Die Umsetzung dieser Massnahme sei ohne Personalaufstockung möglich: «Es braucht aber den Mut, die Präsenz in einzelnen Nächten zu reduzieren», sagt Graf in der «Schweiz am Sonntag».

Andere Bahnexperten schliessen sich der Forderung nach mehr Sicherheitskräften an. «Eine verstärkte Bewachung der Bahnhöfe ist eine vernünftige Idee», sagt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn. Der Vorfall in Salez zeige, dass die Schweiz keine Insel sei. Deshalb solle der Bund nun mehr Geld in die Sicherheit der Bahnpassagiere investieren.

«Verstärkte Präsenz an Bahnhöfen schreckt potenzielle Täter ab und ermöglicht verstärkte Kontrollen von Personen und Gepäck.» Eine vollständige Sicherheit könne aber auch diese Massnahme nicht gewährleisten. Dazu müsste man die Gepäckstücke durch den Metalldetektor lassen und in jedem Wagon einen bewaffneten Polizisten stationieren. «Das wäre der Kriegszustand.»

«Kapo könnte am Bahnhof aushelfen»

Auch in der Politik gibt der Fall zu reden. Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé war kurz nach dem Anschlag in Würzburg mit dem Zug in Deutschland und Frankreich unterwegs. «Dort haben sie die Sicherheitsmassnahmen in Zügen massiv verschärft.» Auch die Schweiz solle nun nachziehen und mehr Polizisten einstellen. «So könnten zum Beispiel auch die Kantonspolizeien am Bahnhof aushelfen und Präsenz markieren, dafür braucht es aber mehr Polizisten.» Gerade an neuralgischen Punkten solle die Präsenz erhöht werden. Auch Galladé betont, dass es keine absolute Sicherheit gebe. «Wir müssen mit einem gewissen Risiko leben, auch weil es nicht sinnvoll ist, in jedem Bähnli einen Polizisten zu stationieren.»

Nichts von sofort zu erhöhenden Sicherheitsmassnahmen hält SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Irgendwo ein paar Securitas aufzustellen, ist nicht zielführend.» Bahnverbände und Polizei sollten die Ereignisse analysieren und prüfen, ob eine Anpassung des Sicherheitsdispositivs nötig sei.« Wenn die SBB oder eine andere Bahngesellschaft zum Schluss kommt, dass mehr Sicherheitspersonal nötig ist, dann kann man sich das überlegen.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni Rusconi am 15.08.2016 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Unsinn

    Und was genau hätte der Zugbegleiter verhindern können? Falls er überhaupt in der Nähe gewesen wäre, wäre er genau so gefährdet gewesen.

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  • Petra Meier am 15.08.2016 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturwandel

    Die Diskussion wäre vor 20 Jahren noch unvorstellbar gewesen. Man fragt sich echt wohin sich die Schweiz bewegt.

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  • Nick P. Wild am 15.08.2016 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie im Flieger

    Bald steigen wir wie im Flieger ein. Mit Passkontrolle, Durchleuchtung des Gepäcks und Taschen und Bodyscans. Schöne Welt haben wir da herangezüchtet. Gratulation.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Schneuwly am 15.08.2016 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täterfoto

    Da haben Sie Ihr Foto vom Täter, Herr C. Schmidt. Der Täter ist käseweiss und seine Tat nicht reliöser Art! Alle die mal wieder voreilige Schlüsse gezogen haben, sollen aus der Sache lernen!

  • Lolla am 15.08.2016 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle sind dran schuld!

    Und doch man könnte solche taten verhindern!! Wen doch die menschheit nicht so ego wäre und nur ich ich und nochmal ich nicht wäre! Jeder schaut nur auf sich, und wenn dann was passiert wissen die alle was zu berichten über den täter. Warum hat nie einer von denen vorher versucht mit ihm zu reden oder was aufzubauen? Eine freunschaft oder so? Weil das alles auch einzelgänger sind wo immer etwas über jeden nachbar wissen. Aber selber nie mit ihnen gesprochen haben. In solch einer ego welt leben wir!!! Der Mensch zerstört sich selbst!

  • Orchidea am 15.08.2016 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage war mal

    Hilf Dir selbst, denn es hilft Dir keiner. Die meisten schauen weg. Im Idealfall ruft eine/r die Polizei an aber eingreifen tut heute Dank Täterschutz keiner mehr. Zivilcourage war mal... Ich freu mich schon auf meinen nächsten Kung-Fu-Kurs.

    • J4N am 15.08.2016 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orchidea

      Naja, ich kann es ehrlich gesagt niemandem verübeln, dass man bei einem bewaffneten Täter nicht eingreift und zuerst an den Eigenschutz denkt. Ich hätte ungern ein Messer im Bauch oder stünde in Flammen und würde in so einer Situation vermutlich auch erst mal an meine eigene Sicherheit denken und die Flucht ergreifen. Und ich bin überzeugt, dass es 99% der Kommentatoren hier genau so machen würden. Auch wenn manche hier hinter ihrer Tastatur jetzt vielleicht behaupten mögen, dass sie den Helden spielen und den Täter ganz alleine überwältigen würden. In einem Punkt gebe ich dir aber Recht: Die Polizei zu alamieren oder sonst irgendwie Hilfe zu organisieren ist das Mindeste, was man von jemanden erwarten darf.

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  • J4N am 15.08.2016 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur mässig sinnvoll

    Die Idee mag ja nicht schlecht sein, aber bei einem solchen Fall kann ein Zugbegleiter wohl auch nicht viel ausrichten. Ich bezweifle stark, dass sich eine psychisch gestörte Person oder gar ein Terrorist durch die Anwesenheit eines Zugbegleiters (ob nun bewaffnet oder unbewaffnet) von seinem Vorhaben abschrecken lässt. Ausserdem ist so ein Zug ziemlich lang und der Zugbegleiter kann nicht überall sein. Dann wartet der Täter eben, bis der Zugbegleiter 2-3 Waggons weitergegangen ist bevor er zuschlägt. Bis der Zugbegleiter überhaupt etwas mitbekommt und vor Ort sein kann, ist es i.d.R. eh schon zu spät.

  • D'accord am 15.08.2016 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon krass

    Ich fahre jeden Tag mit der S4 zur arbeit. Wenn ich am Samstag gearbeitet hätte, wär ich mit genau dem Zug nach Hause gefahren. Na zum Glück hab ich verschlafen...;/