Ayahuasca-Trend

12. April 2016 19:18; Akt: 12.04.2016 19:18 Print

«Es gibt ganz viele Scharlatane»

Ayahuasca-Zeremonien werden in der Schweiz immer beliebter. Das ruft allerdings Schamanen auf den Plan, die mehr schaden als heilen. Ein Naturtherapeut warnt.

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Die aus einer Liane hergestellte Droge Ayahuasca soll dabei helfen, das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Sie wird in Form von Tee während Zeremonien eingenommen, die von Schamanen geführt werden – auch in der Schweiz.

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Doch die Substanz ist stark umstritten, auch unter Naturheilpraktikern. Die Zeremonien-Teilnehmer würden oft falsch begleitet oder gänzlich sich selbst und ihrem Rausch überlassen, sagt Armin Tschumi, Naturtherapeut und Präsident des Vereins Kameko. «Wenn die Leute während der Zeremonie nicht richtig begleitet werden, können Traumata wieder aufgerieben werden und verursachen bleibende psychische Schäden.»

Mittellose Aussteiger werden zu Schamanen

Damit nicht genug. «Ich habe schon von Zeremonien gehört, bei denen Teilnehmer missbraucht wurden. Eine Frau wurde etwa ins Nebenzimmer bestellt. Dort musste sie sich ausziehen und wurde angefasst. Solche Dinge werden meist als Teil der Heilung abgetan.» Die Leute würden auch während ihres Trips schreiend liegen gelassen, niemand kümmere sich um sie. «Es gibt ganz viele Scharlatane.»

Laut Tschumi dauert es rund 20 Jahre, bis ein traditioneller Schamane das Ritual sicher durchführen kann. Doch viele warten nicht so lange. «Selbsterkorene Schamanen ohne traditionellen Hintergrund schiessen plötzlich wie Pilze aus dem Boden, dabei haben sie keine Ahnung von der Wirkung des Tees, der seit Jahrtausenden unter den Schamanen im Amazonas als Heilmittel Anwendung findet.» Tschumi spricht von der «Hippieverblendung»: «Es gibt einschlägige Szenen, die die Spiritualität scheinbar für sich gepachtet haben. Das sind meistens mittellose Aussteigertypen, Gesellschaftskritiker oder Weltverbesserungs-Idealisten, die sich auf Esoterik-Festivals als besonders ‹eingeweiht› aufschwingen und pseudo-spirituelle Vorträge halten. Viele davon trifft man auf Ayahuasca-Zeremonien wieder.»

«Alles wird immer schneller»

Dabei ginge es auch einfacher: «Auch ohne Ayahuasca merken viele mittlerweile, dass es einen tieferen Sinn und Inhalt im Leben gibt.» Früher sei Ayahuasca eine äusserst heilige Medizin gewesen, heute «ist es ein Teufelswerkzeug» – und äusserst beliebt. Gemäss dem Naturtherapeuten hätten anfangs in Europa insbesondere Mitglieder der psychedelischen Szene an solchen Zeremonien teilgenommen. «Heute sind es vermehrt auch Hausfrauen, Geschäftsleute und sogar Juristen.» Den Grund für den Hype sieht Tschumi in der Beschleunigung der Gesellschaft. «Alles wird immer schneller und es verändert sich viel.»

Der Naturtherapeut hat sich mittlerweile aus dem Segment zurückgezogen. Wegen seiner Kritik an den schlecht durchgeführten Zeremonien sei er oft als Buhmann bezeichnet worden. Mittlerweile bietet er stattdessen die bewusste Selbsterfahrung und Prozessarbeit mit legalen heimischen Heilpflanzen an.

Das ursprüngliche Ayahuasca wird laut Tschumi meistens mit dem bewusstseinsverändernden Dimethyltryptamin (DMT) vermischt, um den psychedelischen Effekt zu verstärken. DMT ist allerdings in vielen Ländern – darunter auch die Schweiz – verboten.

Umstrittene Organisation in der Schweiz

Doch nun hat sich die Organisation Ayahuasca International im Kanton Waadt niedergelassen. Ob sie bei den Zeremonien DMT verwendet, ist unklar. In der Vergangenheit fiel insbesondere Guru Alberto José Varela mehrmals negativ auf. So wurde er etwa 2009 während einer Zeremonie, bei der auch Minderjährige anwesend waren, verhaftet, berichteten spanische Medien. Die Organisation liess während des Rituals einen Pornofilm laufen. Valera sass danach 14 Monate in Haft.

Nebst Hunderten von internationalen Akademikern haben sich zudem selbst kolumbianische Ureinwohner 2015 in einem offenen Brief von Valeras Aktivitäten distanziert, wie Medien berichten. Darin warnten sie unter anderem davor, dass der Guru aus der Medizin Profit schlage und dabei die Gesundheit und das Leben der Teilnehmer gefährde.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Popeye's am 12.04.2016 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch

    So lange es genügend Leute gibt welche diesen glauben, wird es auch immer Scharlatane geben... Dasselbe ist bei Sekten. Schon erstaunlich wieviele Jünger diese Gurus immer wieder überzeugen können in ihre Tempel zu pilgern....

  • Oli Dee am 12.04.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmane oder Scharlatan...

    ...ist dann wohl die richtige Frage.

  • HuBro am 12.04.2016 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sagt das Gesetz dazu?

    Der Beschreibung nach wie LSD. Und sowas soll bei uns legal sein?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Blattherz am 12.04.2016 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben genug Betrüger

    So lange man Kinder hineinzieht ist es eine Schweinerei und bleibt es eine. Das haben alle Drogen mit sich gebracht. Eine Schande der Menschheit. Und vor allem mit solchem noch Geld zu verdienen.

  • Der Samster am 12.04.2016 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Ayahuasca gehört wie alle anderen medizinischen und hochpotenten Substanzen in die Hände von Fachleuten. Schamanen waren ursprünglich Ärzte - und so sollte dies auch gehandhabt werden. Ayahuasca ist eine sehr wertvolle Substanz, - aber kein Spielzeug.

  • steve am 12.04.2016 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ayahuasca ist kein Spass

    Ich habe Ayahuasca schon selber probiert, in Südamerika mit einem Schamanen. Aber sogar da unten sind gut die hälfte Scharlatane. Jeder der irgendwie mit Drogen zu tun hat, nennt sich schamane. Das ist schonso... aber wissen sie eigentlich wieviele Leute tagtäglich durch dieses Reinigunsverfahren wieder normal leben können? Tasuende pro tag, dann ist 1Person in einem Jahr von hunderttausenden sehr wenig. Besonders wenn eine Aussage mit: "«Ich habe schon von Zeremonien gehört, bei denen.." anfängt, darf man das nicht ernst nehmen. Ein echter Schamane ist wie ein natürlicher psychologe!

  • Oli Dee am 12.04.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmane oder Scharlatan...

    ...ist dann wohl die richtige Frage.

  • Carma80 am 12.04.2016 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scharlatane???

    Wer bei so was mitmacht ist nicht ganz richtig im Kopf. Die möglichen Folgen sind Grund genug es bleiben zu lassen.