Kein Respekt vor Lehrern?

03. Oktober 2013 18:50; Akt: 03.10.2013 19:04 Print

«Es ist doch gut, wenn die Kinder widersprechen»

von Camilla Alabor - Eine Studie kommt zum Schluss, dass die Lehrer in der Schweiz im internationalen Vergleich wenig respektiert werden. Bildungsexperte Urs Moser widerspricht.

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«Ich zweifle diese Studie an»: Professor Urs Moser findet, die Lehrer in der Schweiz hätten ein gutes Image. (Bild: Keystone/Regina Kühne)

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In einer eben erschienenen Studie schneidet die Schweiz schlecht ab: Die Lehrer geniessen hierzulande deutlich weniger Respekt als anderswo. Von 21 untersuchten Ländern landet die Schweiz auf Platz 15.
Urs Moser: Dieses Resultat zweifle ich an. Vielmehr liegt die Aussage in der Versuchsanordnung der Studie begründet: Wenn Länder wie China und Südkorea auf dem ersten und vierten Platz landen, hat das mehr mit einem autoritären Schulsystem zu tun als mit dem Respekt gegenüber dem Lehrer.

Sie glauben also nicht, dass den Lehrern in der Schweiz zu wenig Respekt entgegengebracht wird?
Nein. Das Image der Lehrer ist sehr gut. Das zeigt sich auch darin, dass Eltern ihren Kindern immer noch empfehlen, Lehrer zu werden. Zudem zeigt selbst diese Studie, dass das Vertrauen ins Schulsystem ungebrochen gross ist. Dort landet die Schweiz auf dem zweiten Platz.

Trotzdem: Vor 50 Jahren war die Stellung des Lehrers noch eine ganz andere.
Das stimmt. Aber die Gesellschaft hat sich eben gewandelt. Sie hinterfragt Autoritäten heute kritischer, was wohl auch auf den Geist der 68er Jahre zurückzuführen ist. Zudem hat sich in dieser Zeit auch die Stellung des Kindes verändert: Die Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ist ausgeglichener als früher. Es ist aber ganz gut, dass die Lehrer nicht mehr als allwissende Personen wahrgenommen werden. Es ist ein Fortschritt, wenn die Kinder heute mutiger sind und sich trauen, den Lehrern zu widersprechen.

Was ist mit den Eltern, die sich heute vermehrt einmischen?
Tatsächlich gibt es eine Gruppe von Eltern, welche sich in den Unterricht einmischt oder mit rechtlichen Schritten droht, sobald ihnen etwas nicht passt. Das ist aber eine Minderheit.

Schadet der hohe Anteil an Frauen dem Ansehen des Lehrerberufes?
Es ist so, dass das Image eines Berufes sinkt, je mehr Frauen ihn ausüben. Ich persönlich finde es problematisch, wenn der Lehrerberuf ein reiner Frauenberuf wird. Auch, weil viele Frauen den Beruf auswählen, weil er sich gut mit einer Familie vereinbaren lässt. Das finde ich nicht das beste Kriterium.

Urs Moser ist Professor am Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pete S am 04.10.2013 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    aber Respekt und etwas hinterfragen sind 2 verschiedene Paar Schuhe!

  • s.k. am 04.10.2013 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    erziehung in der schule

    wenn wunderts, wenn sich die aufgabe der lehrer immer mehr um die erziehung und die intergration der kinder handelt, anstatt z.b. pc-unterricht einzuführen. auch mütter die zuhause ihre kinder erziehen, werden von einem grossen teil der gesellschaft nicht respektiert.

  • Fritz Frotz am 04.10.2013 00:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autorität

    Ganz ehrlich, dert Typ der da labbert hat doch keine Ahnung und versteckt sich hinter seinen Studien und Analysen! Fakt ist, dass man als Lehrer mit Kindern konfrontiert wird, die aufgrund ihrer Erziehung keine Autorität kennen und auch keine akzeptieren werden! Wie soll ich darauf als Lehrer reagieren? Jede Reaktion wird sofort als Schikane etc. blockiert! Jede erdenkliche Sanktion führt dazu, dass ich mit dem Rektorat einen Weg suchen muss, der weder für den Schüler, noch für mich zufriedenstellend ist!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jessica Sánchez am 04.10.2013 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Unterschied?

    Hier redet ein Mann der wirklich Ahnung vom Fach hat und die Erwachsenen Schlaumeier hier wiedersprechen ihm. Genau wie es die Schüler mit den Lehrern machen. Also hat der Professor Moser genau recht mit seiner Aussage. Ich finde es ebenfalls gut, wenn in der Schule eher eine Diskussion geführt wird. Ist aufjedenfall besser als wenn einer vorne steht und sagt "so ist es und nicht anders". Klar gilt dabei zu unterscheiden um welches Thema es sich handelt. In der Mathematik Stunde gibts nichts zu diskutieren. Jedoch im Geschichtsunterricht sind Diskussionen sicherlich die richtige Entwicklung

  • Pete S am 04.10.2013 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    aber Respekt und etwas hinterfragen sind 2 verschiedene Paar Schuhe!

  • Sokrates am 04.10.2013 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die heutige Jugend! ;)

    Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer. Sokrates 469 v.Chr. - 399 v.Chr.

  • Elternteil am 04.10.2013 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    ach die armen Lehrer - und Eltern!

    1. Diskussion Inder Schule ist ok. 2. Eltern die dem Lehrer drohen sind das grösste Problem. 3. Wenn Schulräte oder Lehrergremien hirnlose Vorschriften erlassen und Eltern Vorschreiben was ausserhalb der Schule zu tun sei müssen sie sich nicht wundern wenn Eltern einen Riegel schieben. Das alles hat aber mit Respekt genau so viel zu tun wie der Respekt der Lehrer den Eltern gegenüber. Denn solange es Eltern gibt haben die Lehrer eine Arbeit. Ich vermisse Inder Studie die Betrachtung des Respektes der Schule den Eltern gegenüber. ;eine Studie würde genau das Gegenteil zeigen. Siehste was?

  • s.k. am 04.10.2013 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    erziehung in der schule

    wenn wunderts, wenn sich die aufgabe der lehrer immer mehr um die erziehung und die intergration der kinder handelt, anstatt z.b. pc-unterricht einzuführen. auch mütter die zuhause ihre kinder erziehen, werden von einem grossen teil der gesellschaft nicht respektiert.