Kühlung der Becken

17. März 2011 15:50; Akt: 17.03.2011 17:30 Print

«Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit»

Die Schweizer Behörden sind in Bereitschaft. Doch eine Bedrohung bestehe derzeit hierzulande nicht. Die Lage in Japan sei von der Schweiz aus schwierig einzuschätzen.

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Die Ereignisse in Japan halten auch die Schweizer Behörden auf Trab. Heute hat sich erstmals der sogenannte ABCN-Ausschuss des Bundesstabs getroffen. Dieses Fachgremium für atomare, biologische und chemische Gefahren sowie für Naturkatastrophen könnte bei einem tatsächlichen oder drohenden Anstieg der Strahlenbelastung Alarm auslösen. «Hier und heute besteht aber keine Bedrohung für die Schweiz», sagte Willi Scholl, Direktor des Bundesamts für Bevölkerungsschutz, vor den Medien. Der ABCN-Ausschuss beschäftige sich mit Fragen wie der Überprüfung von Flugzeugen aus Japan auf Radioaktivität. Scholl betonte, dass nur eine normale Aussprache stattgefunden hätte. Der Bundesstab sei nicht aufgeboten worden.

Die Lage in Fukushima 1 ist weiterhin unverändert, sagte Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI). Bei Block 1 sei die Schutzhülle intakt, bei Block 2 und 3 jedoch beschädigt. Das Problem seien die Brennelementbecken, die unter normalen Umständen leicht zu kontrollieren seien, da sich Brennstäbe darin nur langsam erwärmten, wie Wanner sagte. In Block 3 und 4 sei das Kühlwasser in den Becken am Sieden. In Block 5 und 6 sei die Kühlung behelfsmässig wiederhergestellt. Aber man könne nicht sagen, dass es sich um einen kontrollierten Zustand handle.

Derzeit fänden Versuche statt, mit Wasserwerfern Kühlwasser in die Becken zu spritzen. Dabei sei auch eine amerikanische Drohne im Einsatz, welche zur Orientierung der Einsatzkräfte Bilder vom Areal liefert. Ob dieser Plan Erfolg haben wird, könne er von hier aus nicht beurteilen, sagte Wanner. «Wir können einfach hoffen.» Wie lange es dauern wird, bis das Wasser in den Brennelementbecken verdampft ist - was verheerende Folgen hätte -, kann das ENSI nicht genau beurteilen. Das könne bis zu fünf Tage dauern, oder aber auch nur 24 Stunden, sagte Wanner. «Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.»

Erschweren Tsunami-Schäden die Arbeiten?

Warum erst jetzt eine Notstromleitung gelegt wird und ob diese ausreicht für die Kühlung der ganzen Anlage, weiss Wanner nicht. Zu den Gründen für die Verzögerungen der Arbeiten kann er nur Mutmassungen anstellen. Möglicherweise habe der Tsunami Schäden angerichtet, die die Arbeiten erschweren. «Die Bedingungen im AKW sind offenbar extrem schwierig», sagte Wanner. So hätten auch die Zufahrten geräumt werden müssen für den Wasserwerfer-Einsatz. Auf die Frage eines Journalisten, ob da nicht geschlampt wurde, antwortete Wanner: «Wir verstehen das auch nicht.» Das werde erst eine spätere Analyse zeigen.

(mdr)