Parteien und Schwule

04. Dezember 2014 13:18; Akt: 04.12.2014 13:18 Print

«Es ist in, nicht hetero zu sein»

von J. Büchi - Vorstösse, die Schwulen und Lesben mehr Rechte einräumen, werden im Parlament mehrheitsfähig. Einzig die SVP sieht keinen Handlungsbedarf.

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Pink Cross hat die grossen Schweizer Parteien zu ihrer Haltung zu Schwulenthemen befragt. Unter anderem wurden die Positionen zur Schwulen-Ehe, Stiefkind-Adoption, Volladoption und Zugang zur Fortpflanzungsmedizin erfasst. Am besten schneiden aus Sicht der Schwulenorganisation SP und GLP ab - gefolgt von der BDP. SVP-Präsident Toni Brunner wird in der Studie mit den Worten zitiert, in der Schweiz könne schon heute jeder so sein, wie er wolle: «Man kann heute fast schon sagen, es ist in, nicht hetero zu sein.» Nicht nur das Beispiel Conchita Wurst zeige, dass sich Schwule und Lesben in Europa einer «breiten Akzeptanz» erfreuten, so Brunner. SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti relativiert: «Wir anerkennen, dass sexuelle Neigungen angeboren sind.» Die SVP habe nichts dagegen, wenn Schwule in verschiedenen Beziehungsformen miteinander lebten. Etwas anderes sei es, wenn Kinder ins Spiel kämen: «Naturgegeben stammen sie von einer Mutter und einem Vater ab - die traditionelle Familie gilt es zu bewahren.» Es ist nicht das erste Mal, dass die SVP mit umstrittenen Aussagen über Schwule auffällt. Nationalrat Toni Bortoluzzi sagte, Homosexuelle hätten einen «Hirnlappen, der verkehrt läuft». Die Ratskollegen ermahnten ihn, indem sie ihm einen Putzlappen schenkten. Unter den bürgerlichen Parteien sticht die BDP als besonders schwulenfreundlich heraus. Sie will es Schwulen erlauben, auf normalem Weg Kinder zu adoptieren, zivil zu heiraten oder von der Fortpflanzungsmedizin Gebrauch zu machen. «Wir haben Pink Cross mitgeteilt, dass wir Hand bieten würden, um Anliegen von Schwulen und Lesben ins Parlament zu tragen», sagt Präsident Martin Landolt. In der Umfrage geben auch FDP und CVP an, dass ihnen die Anliegen Homosexueller wichtig seien. In der Vergangenheit stimmten sie aber nicht immer entsprechend. Ein Freisinniger, der sich immer wieder öffentlich für die Rechte von Schwulen starkmacht, ist Andrea Caroni (im Bild während einer Rede an der Zurich Pride). Er betont, in der Fraktion finde ein Umdenken statt. Dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alle bürgerlichen Parteien einlenken, glaubt auch SP-Präsident Christian Levrat, dessen Partei in der Umfrage sehr gut wegkommt. «Es ist bei jeder gesellschaftlichen Entwicklung so, dass sich die Bürgerlichen wehren, solange sie können. Irgendwann werden sie dann von der Realität eingeholt.»

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Am Freitag hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, dass Homosexuelle die Kinder ihrer Partner adoptieren dürfen. Die Stiefkind-Adoption ist ein Schritt, auf den Schwule und Lesben in der Schweiz lange gewartet haben. Eine Umfrage der Schwulenorganisation Pink Cross zeigt nun: Die Chancen, dass dieses und ähnliche Anliegen im Parlament Erfolg haben, stehen besser denn je.

Umfrage
Sollen Schwule heiraten und Kinder adoptieren dürfen?
50 %
25 %
24 %
1 %
Insgesamt 6099 Teilnehmer

Für die Umfrage, die 20 Minuten vorliegt, hat Pink Cross die grossen Parteien im Land zu ihrer Haltung zu Schwulenthemen befragt. Über die Rückmeldungen freut sich Geschäftsleiter Bastian Baumann: «Es macht den Anschein, als ob sich endlich etwas tut. Parteien bis weit in die bürgerliche Mitte wollen sich für mehr Rechte für Schwule und Lesben einsetzen.» Grosse Ausnahme: die SVP. Sie sieht laut Umfrage keinen Handlungsbedarf.

«Kein Trend oder Lifestyle»

SVP-Präsident Toni Brunner wird in der Studie mit den Worten zitiert, in der Schweiz könne schon heute jeder so sein, wie er wolle: «Man kann heute fast schon sagen, es ist in, nicht hetero zu sein.» Nicht nur das Beispiel Conchita Wurst zeige, dass sich Schwule und Lesben in Europa einer «breiten Akzeptanz» erfreuten. Die SVP unterstütze zwar «das Streben eines jeden Menschen nach persönlichem Glück». Die sexuelle Orientierung eines Menschen sei aber kein politisches Thema.

Baumann ist verärgert. Auch in der Schweiz hätten Schwule noch mit Diskriminierung oder gar Gewalt zu kämpfen. «Es zeugt von einer grossen Unkenntnis, wenn die SVP Homosexualität unter diesen Umständen als selbst gewählten Lifestyle oder Trend bezeichnet.» SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti relativiert: «Wir anerkennen, dass sexuelle Neigungen angeboren sein können.» Die SVP habe nichts dagegen, wenn Schwule in verschiedenen Beziehungsformen miteinander lebten. Etwas anderes sei es, wenn Kinder ins Spiel kämen: «Naturgegeben stammen sie von einer Mutter und einem Vater ab – die traditionelle Familie gilt es zu bewahren.»

BDP prüft Schwulen-Vorstösse

Eine diametral andere Meinung vertritt die BDP. Unter den bürgerlichen Parteien sticht sie als besonders schwulenfreundlich heraus. Sie will es Schwulen erlauben, auf normalem Weg Kinder zu adoptieren, zivil zu heiraten oder von der Fortpflanzungsmedizin Gebrauch zu machen. «Die Gleichberechtigung von Homo- und Heterosexuellen war der BDP seit ihrer Gründung ein zentrales Anliegen», sagt Präsident Martin Landolt. «Wir haben Pink Cross mitgeteilt, dass wir Hand bieten würden, um Anliegen von Schwulen und Lesben ins Parlament zu tragen.» Er hoffe, dass solche Vorstösse mit der BDP als Absender mehrheitsfähiger sind, als wenn sie aus dem linken Lager kommen.

In der Umfrage geben auch FDP und CVP an, dass ihnen die Anliegen Homosexueller wichtig seien. Baumann bedauert jedoch, im Parlament hätten diese Parteien in der Vergangenheit oft verhindert, dass Ungleichbehandlungen beseitigt würden. Ein Freisinniger, der sich immer wieder öffentlich für die Rechte von Schwulen starkmacht, ist Andrea Caroni. Er betont, in der Fraktion finde ein Umdenken statt. «Vielleicht bin ich damit in der Partei noch ein Vorreiter. Ich stelle aber fest, dass immer mehr mitreiten.»

Dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alle bürgerlichen Parteien einlenken, glaubt auch SP-Präsident Christian Levrat, dessen Partei in der Umfrage sehr gut wegkommt. «Es ist bei jeder gesellschaftlichen Entwicklung so, dass sich die Bürgerlichen wehren, solange sie können. Irgendwann werden sie dann von der Realität eingeholt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H. Etero am 04.12.2014 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    love is power

    Ich begreife nicht wieso man jemand anderem etwas verbieten will, nur weil es einem nicht passt. Es wird niemand geschädigt, wenn zwei Menschen die sich lieben heiraten.

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  • Fredrik am 04.12.2014 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und Leben lasse

    Lasst die Leute doch einfach so leben, wie sie sind. Warum haben wir wohl so viel Krieg in allen Ecken und Enden der Erde?

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  • Dani F. am 04.12.2014 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich denke ja, dass zwei schwule Eltern seeehr gute Eltern abgeben! Aber Kinder sind brutal, und ich möchte nicht das eine Kind sein, dass zwei Väter oder Mütter hat...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • thomas am 05.12.2014 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seltsam...

    ich finde dieses "das ist gegen die natur" argumenr ziemlich seltsam... sicherlich ist vielen schon aufgefallen, dass wir im 21 jarhundert leben und nicht in der steinzeit... alles was ein kind braucht ist liebe und positive fürsorge. die kann jeder gebe. egal obo homo- oder heterosexuell.

  • Dan K. am 04.12.2014 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kreuzfalsch

    Das Argument mit dem "In" oder "Out" sein ist das lächerlichste aller Zeiten. Ich kenne NIEMANDEN, der homo- oder bisexuell ist weil es "in" ist. So funktioniert das nicht! Ich habe zudem selber noch nie irgend etwas davon gemerkt, dass ich wegen der Orientierung "in" bin, im Gegenteil!! 10-15% der Gesellschaft sind mindestens homo- oder bisexuell. Viele sprechen immer von medialer Übervertretung: In Berichten, Filmen, Nachrichten Büchern etc dürfte diese 15% Quote eigentlich angestrebt werden. Das ist sie nicht mal ansatzweise. Es geht immer nur um Vorurteile, religiösen Wahn und Hass.

  • Mann am 04.12.2014 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch!!

    Früher in der Schule ist mir von fast allen Lehrer/innen immer wieder gesagt worden, dass es für die Entwicklung von Kindern nicht gut ist wenn Sie nur Frauen oder nut Männer als Lehrerpersonen haben. Hab ich auch oft in Zeitungen gelesen. Vielleicht ist es ja auch beim Elternsein so. Man macht es sich zu einfach wenn man nur sagt die Kinder müssen nur genug geliebt werden. Das sind keine Kuschelbären. Und ich bin nicht Homophob, aber man muss auch mal an die Kinder denken.

  • Reto am 04.12.2014 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familien

    Meine Frau und Ich bezahlen immer noch mehr Steuern als wenn wir nicht Verheiratet wären.....! Wo ist da die Fairness ?Das "Normale" Familien Bild ist auch nicht Fair!

  • burgiwein am 04.12.2014 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    nicht das wichtigste

    Das ist jetzt nun das aller wichtigste Thema das uns auf die Vorderfront bringt. Es ist Zeit, dass gewisse Leute im Parlament gewechselt werden, damit wir nicht unnötig für Bagatellen stets Zeit verlieren. Die Kräfte unserer Parlamentatrier sollen zum Kernbusiness zurück und schauen, dass in unserer Schweiz endlich Ordnung herrscht.

    • Stimme zu am 08.12.2014 02:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Das gehört zum Kerngeschäft, dass alle gleiche Rechte haben. Es ist sogar die Grundlage und die fehlt momentan völlig. Also an die Arbeit, liebes Parlament.

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